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Babylon Berlin

Rath & Ritter gehen in Runde 3

Babylon Berlin hat alles zu bieten, was man sich von einer Serie nur wünschen kann: Mord, Sex, Drogen, Politik, Intrigen stehen in wohl einer der erfolgreichsten deutschen Fernsehproduktionen an der Tagesordnung. Und das alles vor dem Hintergrund eines authentisch gezeichneten Berlins der zwanziger Jahre.

Gereon Rath (Volker Bruch) ist Kriminalpolizist in Berlin und erhält zu Beginn von Staffel 3 einen neuen Fall: Ein maskierter Mann tötet Stummfilmschauspielerinnen und verhindert so die Produktion eines Films, in die bereits bekannte Verbrecher aus den ersten beiden Staffeln involviert sind. Rath und seine Kollegin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) ermitteln mit teils ungewöhnlichen Methoden, um den Serienmörder zu fassen.

(c)ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland / Frédéric Batier

Dominanter Bestandteil der Handlung sind – neben der Ermittlung – die persönlichen Konflikte von Gereon Rath und Charlotte Ritter, sowie die sich anbahnende Weltwirtschaftskrise. Auch Politik und die sozialen Probleme der zwanziger Jahre stehen im Zentrum des Geschehens. Der steigende Einfluss der Nazis und der Konflikt zwischen den Kommunisten und Sozialisten prägen das politische Bild eines von Intrigen zerfressenen Berlins, welches am Ende der Weimarer Republik steht.

Staffel 3 der Erfolgsserie besticht nicht nur durch eine spannende Story, sondern überzeugt auch mit neuen Gesichtern: Sabin Tambrea in der Rolle des exzentrischen Schauspielers Tristan Roth überzeugt auf ganzer Linie und ist ein weiteres Argument, warum man diese Serie gesehen haben muss.

Mythos Babylon

Der Name Babylon Berlin verspricht bereits einiges, ohne zu viel zu verraten. Die Anspielungen auf Sünde und Dekadenz, auf die Hure Babylon, auf den Mythos Babel lässt bereits Tendenzen der Serie erkennen und wecken Erwartungen beim Zuschauer. Eins sei verraten: Ihr werdet nicht enttäuscht.

Am Anfang stand ein Roman von Volker Kutscher und der Wunsch, Zeit und Stadt wieder aufleben zu lassen und sie in einem Film als das zu feiern, was sie waren: Deutschlands radikaler Aufbruch in die Moderne, eine Hochzeit der Kunst und der Kultur, Nährboden politischer Utopien und Intrigen, ebenso kurze wie heftige Blüte in einer Zwischenkriegsphase. Das Amalgam der Zeit war widersprüchlich, geprägt von Revolution und Gegenrevolution.

(Achim von Borries, Henk Handloegten und Tom Tykwer in: Töteberg, Michael (Hg.): Babylon Berlin. Köln 2018. S. 18)

Die Serie lebt nicht nur von ihren spannenden Kriminalfällen und der Einsicht in die Ermittlungsarbeit im Kommissariat am Alexanderplatz Ende der Zwanziger Jahre, sondern von der Stadt Berlin zur Zeit der ‚roaring twentys‘. Drogen, Prostitution und das Berliner Nachtleben werden authentisch inszeniert, der Mythos des Berlins der Zwanziger Jahre wird neu entdeckt. Politische Intrigen und Verschwörungen innerhalb der Polizei stehen an der Tagesordnung und machen aus einer Detektivgeschichte eine spannende, unvorhersehbare und mitreißende Story, die durch eine eindrucksstarke Inszenierung und hervorragende Schauspieler überzeugt, die man eher auf der großen Leinwand sehen möchte, als auf dem heimischen Fernseher.

Staffel 1 und 2 von Babylon Berlin findet ihr in der ARD-Mediathek. Staffel 3 ist aktuell auf sky zu sehen oder ab Herbst 2020 in der ARD.

 

Lena Seitz