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Nur die Stimme zählt

Soulsharing – wie eine App den Dating-Markt revolutionieren will

War Online-Dating noch vor wenigen Jahren als letztes Mittel für Verzweifelte verschrien, gehört es mittlerweile zum guten Ton. Egal ob Klassiker wie Tinder oder Lovoo oder Geheimtipps wie Charms oder Hot or Not; die Auswahl an Dating-Apps und Plattformen ist groß. Vor allem junge Menschen greifen oft auf die virtuelle Art des Kennenlernens zurück, da es im ‚echten‘ Leben immer schwerer wird, neue Bekanntschaften zu knüpfen und Leute außerhalb seiner Wohlfühlzone bestehend aus Uni, Arbeit und Hobbys kennenzulernen. Was dabei oft als Kritikpunkt genannt wird, ist die Oberflächlichkeit der Vorsortierung möglicher Dating-Partner: Bevor der Kennenlernprozess beginnt, entscheidet lediglich ein Foto darüber, ob einem der angezeigte Single sympathisch ist.

Nur die Stimme zählt

Ein neues Münchner Start-up versucht dieses Problem anzugehen und Online-Dating persönlicher zu gestalten. Die App Soulsharing konzentriert sich nicht auf das äußere einer Person, sondern auf die Stimme. Nach dem Download fordert die App zuerst auf, eine Sprachnachricht mit einer maximalen Länge von einer Minute aufzunehmen, danach müssen ein Bild hochgeladen und die Hobbys angegeben werden. Danach schlägt die App jeden Tag eine limitierte Anzahl an potenziellen Partnern vor. Achtung: Das Bild der Person wird erst angezeigt, wenn die Sprachnachricht vollständig angehört wurde. Was wollen die Gründer mit diesem Konzept erreichen? Mit-Gründerin Nadine Noppinger (23) erklärt, dass die Stimme des Menschen Emotionen transportiert, die weder ein Bild noch ein Text ausdrücken können. Zusammen mit Geschäftspartner Markus Ehringer (25) hat sie sich zum Ziel gesetzt, Dating wieder zu einer bewussten Erfahrung werden zu lassen, statt einem gelangweilten Links-Rechts-Gewische während einer uninteressanten Vorlesung.

Nadine Noppinger und Markus Ehringer hatten die Idee für die App und arbeiten seit über einem Jahr an Konzept und Umsetzung.           © Nadine Noppinger

Soulsharing hat nicht zum Ziel bloße Sex-Partner zu vermitteln, wie der Name schon sagt, geht es um mehr, um eine feste Partnerschaft, die möglich lange hält. Wenn sich dann zwei gefunden haben, können – wie bei jeder anderen App auch – Text- sowie Sprachnachrichten ausgetauscht werden. Wollen sich die Suchenden dann auf ein Date treffen, schlägt Soulsharing ihnen verschiedenen Optionen vor und bietet sogar Rabattaktionen an. Ein Kaffeedate am Nachmittag? Kein Problem, zwei werden bestellt, nur einer bezahlt. Dies ist unter anderem der Grund, warum die App bei ihrem Launch im Januar nur in München anwendbar sein wird – munich-based, wie man in der Start-up Szene so schön sagt. Sollte sich das Paar dazu entscheiden, eine Beziehung einzugehen, muss die App nicht gleich wieder gelöscht werden. Mit ein paar Klicks kann in der App der Beziehungsstatus vergeben eingestellt werden und es erscheint eine neue Benutzeroberfläche, die gemeinsam mit dem Partner genutzt werden kann. Der Anreiz, die App nicht vom Smartphone zu löschen, liegt in den Veranstaltungstipps und Rabattgutscheinen, die auch als Paar weiterhin genutzt werden können. Zudem stellt Soulsharing den frisch Verliebten immer wieder kleine Tasks, um die Anziehung aufrecht zu erhalten.

Ob die App wirklich dazu in der Lage ist, den Dating-Markt zu revolutionieren, bleibt abzuwarten. Die Idee ist jedoch vielversprechend und hält bestimmt einiges an Überraschung bereit. Der Hauptunterschied zu gängigen Apps ist vor allem die Möglichkeit, Sprachnachrichten zu verschicken und anhand der Stimme einordnen zu können, ob einem der potenzielle Partner überhaupt sympathisch ist.
Alle neugierigen Singles können sich die App Anfang 2020 im App Store oder Google Play Store herunterladen – kostenlos, ohne Werbung und ohne Premium-Features. Alle Updates zum offiziellen Launch der App gibt’s auf der Website und dem Instagram Account des Unternehmens.

Lena Seitz