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„Brutta“ Ciao zu Respekt und Geschichte

Der Wandel von Bella Ciao – Wenn Widerstandsmusik zur Partyhymne wird

Seit ungefähr einem Jahr heißt es gefühlt überall Bella Ciao, Ciao Ciao. Es macht ja auch gute Laune, dieser Sommerhit 2018. Ein paar einfache Takte zum Mitsingen in der Sprache des dolce vita. Und den Rest verstehen sowieso die wenigsten. Noch weniger machen sich vermutlich die Mühe, herauszufinden, zu welchen Parolen sie da tanzen.

Verantwortlich für den großen Durchbruch des Songs ist einerseits die Netflix-Serie „Haus des Geldes“, andererseits der französische DJ Hugel. Dem haben wir es zu verdanken, dass die meisten Menschen bei Bella Ciao an seine Deephouse-Version denken.

©Pixabay

Damit ist es aber nicht genug. Auch DJ Ötzi fühlte sich berufen, seine ganz eigene Version des Songs aufzunehmen. Er ändert sogar den Text und die Sprache. Hier heißt es nun Komm, lass uns lieben, die Welt ist g’rad so schön und Noch lauter feiern.

Spätestens jetzt sollte man sich fragen, ob das eigentlich moralisch vertretbar ist. Zumindest sollte sich jeder, der diese Zeilen schmettert, bewusst sein, was es mit diesem Musikstück ursprünglich einmal auf sich hatte.

Bella Ciao ist ein Protestlied. Seinen Ursprung findet es Anfang des 20 Jahrhunderts in den norditalienischen Reisfeldern. Die Arbeiterinnen, die bei der Arbeit nicht sprechen durften, kommunizierten über dieses Lied. Darin geht es um die unmoralischen Arbeitsbedingungen.

Am Morgen, kaum aufgestanden, muss ich arbeiten gehen.
Dort unten im Reisfeld zwischen den Insekten
den Mücken und Bremsen unter der
stechenden Sonne muss ich schwere Arbeit verrichten.

©Pixabay

 

Etwas später wurde Bella Ciao zum Partisanenlied, eine Botschaft gegen Nationalsozialisten und Faschisten. Der Text handelt davon, wie der Sänger sich von seiner Liebsten verabschiedet.

 

 

 

Partisanen, kommt, nehmt mich mit euch,
Oh Schöne, ciao! Schöne, ciao! Schöne, ciao, ciao, ciao!
Partisanen, kommt, nehmt mich mit euch,
Denn ich spüre, ich muss sterben.

Seine Geliebte soll ihn auf dem Berg im Schatten einer schönen Blume begraben.

Dies ist die Blume des Partisanen,
Gestorben für die Freiheit!

Nun muss man sich einmal vorstellen wie sehr wir hier in Deutschland ein Partylied daraus machen. Ob wir nun wissend oder unwissend das Tanzbein schwingen, – was davon besser ist, bleibt jedem selbst überlassen – irgendwo sollte doch eine Grenze gezogen werden. Vielleicht dort, wo aus dem Partisanentod ein schönes Leben zum lauten Feiern wird.

Josephina Richardt