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Der UniKater: Katermood tut jedem gut

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Heute hat es mich in eine ganz andere Ecke Münchens verschlagen. Und zwar zum ZOB, dem Münchner Busbahnhof. Gleich daneben ist dieser Club von euch, das ist schon eine seltsame Anordnung…

Naja, jedenfalls ist eure Welt ganz schön groß. Dort fahren tagtäglich bestimmt hunderte von Bussen ab. Sie kommen aus aller Welt, fahren in alle Welt. Dagegen scheint meine eigene fast klein zu sein. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick ist meine Welt nicht nur mindestens genauso groß, sie scheint mir auch um einiges entspannter zu sein. Vielleicht liegt es auch an meinem Katergemüt.

© Sophie Obwexer

Da spazierte ich also gemächlich vorbei, hatte auch gar nicht vor, mich dort länger aufzuhalten und spät am Abend war es auch. Da es zudem recht kalt war, wollte ich mich nur kurz bei der Wartehalle aufwärmen. Da hörte ich das Geschrei. Es war eine weibliche Stimme. Eine sehr laute, aufgeregte weibliche Stimme. Fast müsste man sagen, beeindruckend dieses Stimmorgan.

Sie schrie und schrie… Anscheinend hatte es ein Problem mit einem Berlin-Bus gegeben. Ich glaube, er war zweimal angezeigt gewesen, gekommen ist aber kein einziger. Irgendwie so.

Sie musste wohl ein paar Kunden rechtzeitig in die Hauptstadt bringen, damit diese einen Anschluss bekommen. Letztere sahen recht entspannt aus. Besagte Dame aber wurde immer lauter und lauter. Sie würde die Zeitung anrufen und die Polizei. Den Namen der Angestellten wollte sie wissen. Sie benutzte sehr böse Worte. Jene, die das weibliche Geschlecht aufs äußerste beleidigen; mein Kater-Mäulchen ist dafür zu fein. Außerdem überkam sie der Drang durch die Scheibe zu fassen. Es war großes Kino für die Ohren. Und beinahe auch für die Augen. Ich bin lieber nicht allzu nahe herangegangen.

Ganz schön wild © Sophie Obwexer

Was die Angestellte genau erwiderte, weiß ich nicht genau. Ihr Stimmorgan reichte nicht an jenes ihrer Widersacherin heran. Dafür sah ich sie wie in einem Cartoon mit den Armen fuchteln.

Eine Weile ging das noch so weiter, bis die Wartehalle geschlossen wurde. Dann verlegte sich das Schauspiel auf die Straße.

Ungefähr da habe ich beschlossen, dass es mir genug war. Aber als ich mich auf den Heimweg machte, konnte ich nicht anders, als über dieses –im wahrsten Sinne des Wortes- Theater nachzudenken. Und den Kopf zu schütteln. Vielleicht ist diese moderne Welt machmal zu schnell und zu laut und zu viel. Alles muss gleich passieren, es gibt so viele Möglichkeiten und keiner nimmt sich so richtig Zeit für sich selbst und das Jetzt. Natürlich gibt es gewisse Verpflichtungen. Aber wo ist die Zeit für sich selbst, das Verankertsein im Jetzt? Denn das ist es, was einem innere Ruhe verschafft. Und darin sind wir Kater wahre Meister. Wir stehen fest auf dem Boden und sind im Einklang mit uns und unserer Welt. Und so lassen sich Herausforderungen gleich viel besser meistern. In diesem Fall, leiser und ein wenig weniger körperlich…

Ich sag ja, ihr Menschen könnt noch viel von uns Samtpfoten lernen. Und so ein bisschen Katermood, das täte sicherlich jedem von euch gut! Aber es ist natürlich auch eine große Kunst. Also nicht den Mut verlieren, wenn ihr nicht an meine Bewusstseinsebene herankommt. Ich bin halt schon ziemlich cool.

Bis bald, euer Unikater!