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Die unbeachtete Wirtschaftsmacht

Investiert endlich in Frauen!

Frauen sind von extremer Armut weltweit weitaus stärker betroffen als Männer. Gefühlsgeladene Artikel über die Ungerechtigkeit von Lohnunterschieden und Machtverteilungen gibt es schon zuhauf – Zeit also, all den Pragmatikern, die viel Wert auf wirtschaftliche Statistiken legen, ein paar klare Fakten vorzuweisen. Denn: Frauen und Mädchen haben das größte Potenzial, extremer Armut ein Ende zu setzen.

Armut ist sexistisch. Klingt erst einmal irritierend, fasst aber gut die Lebenswirklichkeit von Millionen von Mädchen in Entwicklungsländern zusammen. Über 130 Millionen Mädchen gehen nicht zur Schule. Allein am heutigen Tag werden fast 40.000 Mädchen unter 18 Jahren zwangsverheiratet und 750 junge Frauen werden sich in Subsahara-Afrika mit HIV anstecken. Je ärmer ein Land ist, desto drastischer ist die Geschlechterkluft. Viele Regierungen sind dafür mitverantwortlich, dass ihre Bürgerinnen diesen lebensbedrohlichen Verhältnissen nicht entfliehen können: In über 150 Ländern existieren Gesetze, die die wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen einschränken. 104 Länder schließen Frauen per Gesetz sogar explizit von bestimmten Berufen aus. Ehemänner dürfen ihren Frauen in 18 Ländern komplett verbieten, einem Beruf nachzugehen. Hinzu kommt, dass Frauen oft keinen Zugang zu Grundbesitz oder Bankkonten haben.

Frauen können extreme Armut beenden

Klar könnte man jetzt dabei bleiben, sich zu beschweren, wie gemein doch diese Geschlechterunterschiede sind. Aber sie sind nicht nur das – sie sind auch noch wirtschaftlich gesehen dumm. Denn in Frauen steckt ein gigantisches ungenutztes wirtschaftliches Potenzial, von dem letztendlich eine gesamte Gesellschaft profitieren könnte. Wenn Frauen in Afrika den gleichen Zugang zu Land oder landwirtschaftlichen Produktionsmitteln wie Männer hätten, dann könnten die Erträge um 20-30 Prozent steigen. Damit könnten 100-150 Millionen Menschen ernährt und aus chronischem Hunger befreit werden. Oder ein weiteres Beispiel: Erhielten Mädchen den gleichen Bildungszugang wie Jungen, hätten Entwicklungsländer mindestens 112 Milliarden US-Dollar mehr in den Staatskassen. Ganz davon zu schweigen, dass Bildung zu weniger Schwangerschaften in jungen Jahren, weniger Infektionen mit z. B. Aids sowie weniger Kindstoden führt.

Die Bildung von Mädchen ist die beste Investition. © ONE

Investitionen in Frauen und Mädchen aus Entwicklungsländern retten nicht nur die Leben von Frauen. Sie haben das Potenzial, extremer Armut weltweit ein Ende zu bereiten. Deutschland hat sich übrigens 1970 dazu verpflichtet, jährlich 0,7% seines Bruttonationaleinkommens in Entwicklungsarbeit zu investieren. Bisher wurde das Versprechen genau ein Mal eingehalten. Zurzeit wird der nächste mehrjährige Finanzrahmen der EU verhandelt, in dem sich auch widerspiegelt, wie viel Geld die Mitgliedsstaaten für Entwicklungsarbeit ausgeben wollen. Das wäre mal wieder ein idealer Zeitpunkt für die Deutsche Politik, zu beweisen, was an den Versprechungen für ein so wichtiges Thema dran ist.

Anne-Kathrin Born