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Leben retten – Typisierungsaktion an der LMU

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Am Donnerstag, dem 06. Dezember, organisiert die studentische Initiative AIAS München erneut eine große Typisierungsaktion im Lichthof der LMU. Sie setzt sich schon seit einiger Zeit mit großem Erfolg für die Durchführung lebensnotwendiger Stammzellspenden ein und hofft auch in diesem Jahr auf regen Andrang seitens der Studenten. Aus diesem Anlass haben wir uns mit dem AIAS-Mitglied und Medizinstudenten Matthias getroffen, der mit uns über die gesellschaftliche Bedeutung von Stammzellenspenden gesprochen hat.

Aufruf zur Typisierungsaktion © AIAS München

Viele Menschen können sich unter einer Stammzell-Typisierung wenig vorstellen. Womit müssen die Teilnehmer rechnen?

Generell ist die Typisierungsteilnahme sehr einfach: Man nimmt zunächst bei einem der Helfer Platz, woraufhin eine Reihe obligatorischer Fragen gestellt wird (Name, Adresse, Geburtsdatum, mögliche Ausschlussgründe). Darauf folgt ein etwa einminütiger Wangenschleimhautabstrich mit einem Wattestäbchen, bevor man schließlich seine Daten abgibt. Dieses Procedere dauert insgesamt ungefähr fünf Minuten. Dabei wird übrigens keine Blutabnahme vorgenommen, die würde erst dann notwendig, wenn man in den erweiterten Kreis potenzieller Spender kommen würde.

Was kommt in diesem Fall auf die potenziellen Spender zu? Haben sie dann überhaupt noch eine Wahl?

Man kann die Spende natürlich jederzeit verweigern. Wenn man in den erweiterten Kreis kommt und der genetische Zwilling Stammzellen braucht, wird man von der DKMS kontaktiert. Mit Hilfe einer Blutabnahme beim Hausarzt werden zunächst die Oberflächenmerkmale der Zellen haargenau überprüft, also, ob man tatsächlich als Spender in Frage kommt. Stimmt man dann der Stammzellspende für den Blutkrebspatienten zu, wird die Therapie eingeleitet. Selbst nach ihrem Beginn kann man es sich noch anders überlegen, allerdings braucht der Patient in diesem Fall Stammzellen von jemand anderem, da er diesen Prozess ansonsten nicht überleben kann.

Ihr werbt ja sehr öffentlichkeitswirksam für diese Typisierungsaktion. Warum ist eine hohe Beteiligung daran so wichtig?

Die Suche nach einem passenden Spender ist generell wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die DNA eines jeden Menschen hat sehr spezifische Oberflächenmerkmale, sodass fremde Stammzellen nicht einfach übertragen werden können, ohne vom Körper abgewehrt zu werden. Dementsprechend ist es bei jeder Stammzellenspende besonders wichtig, dass sich die Zellen nahezu komplett gleichen und der Körper sie nicht als fremd erkennt und zerstört. Da es eine so große Anzahl unterschiedlicher Oberflächenmerkmale gibt, ist es wichtig, eine möglichst große Datenbank zur Verfügung zu haben, da nur so mit einem passenden Spender die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen gefunden werden kann.

In den Medien ist häufig davon die Rede, dass unsere Gesellschaft immer egoistischer werden würde. Ist sie also überhaupt offen für Stammzellspenden?

Ich glaube, die Gesellschaft ist gerade dabei, sich diesem Thema zu öffnen. Es wird medienwirksam darüber berichtet, und Leukämie ist eine Krebssorte, die jeden Menschen treffen kann, egal ob Kind, Säugling, Erwachsenen oder Opa. Dagegen kann man sie mit einer Stammzellspende häufig heilen. Es gibt allerdings weiterhin einige Vorurteile darüber – viele glauben beispielsweise, dass bei einer solchen Spende Rückenmark entnommen wird, was natürlich nicht stimmt. Knochenmark befindet sich nur im Knochen, während das Rückenmark aus Nervenfasern im Wirbelkanal besteht; es geht dabei also um zwei verschiedene Paar Schuhe. Auch wenn sich die öffentliche Meinung zu Stammzellspenden generell positiv entwickelt, gibt es also immer noch zahlreiche Fehlmeinungen.

Was hat dich davon überzeugt, dich speziell für AIAS zu engagieren?

Eigentlich bin ich durch Zufall zu AIAS gekommen, als ich einmal als Helfer an einer Typisierungsaktion teilgenommen habe. Ich habe dabei sehr viel mit jungen Studenten gesprochen, und mir ist aufgefallen, dass viele über das Thema überhaupt nicht Bescheid wussten, was mich dann sehr gereizt hat, damit weiterzumachen. Im Übrigen bin ich im Laufe meines Medizinstudiums selbst in Kontakt mit dem Thema Blutkrebs gekommen und habe da ein Potenzial gesehen, etwas Gutes zu tun und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Jeder kann Held sein und Leben retten, auch ohne Arzt zu sein.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Die Typisierungsaktion von AIAS findet am 06. Dezember von 10:00 bis 18:00 Uhr im Lichthof der LMU statt. Weitere Informationen findet ihr hier.

Sebastian Schindlbeck