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Der UniKater: Wenn Karma alles geradebiegt

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Ich habe letztens mal wieder ein kleines Abenteuer erlebt, von dem ich euch unbedingt erzählen muss! Also:

Es fing alles an, als ich gemütlich beim Obststandl-Didi unter den Tischen lag, wie ich es so oft tue. Super lieb, dass Didi mich hier immer liegen lässt. Manchmal erinnert er mich an unsere „Abmachung“: „Du darfst hier bleiben, solange du meine Ware in Ruhe lässt!“ Dass Katzen eher auf Thunfisch stehen, hat er wohl noch nie gehört. Aber egal, ich bin mit diesem Deal vollends zufrieden.

Naja, auf jeden Fall lag ich da und schaute unter dem Vorhang hervor, um Menschen zu beobachten. Plötzlich kam ein Langhaarmensch vorbei, von dessen Hüfte zwei Bommel herabhingen. Ich verspürte den sofortigen Drang, damit spielen zu müssen, also maunzte ich kurz, sprang auf und ging ihr hinterher. Sie rannte ziemlich schnell ins Gebäude und die Treppe hinunter – sie hatte es offensichtlicht eilig. Im Winter bin ich irgendwie immer so träge und so kam ich kaum hinterher. Nachdem ich ihr eine weitere Treppe hinunter folgte, sprang sie in die U-Bahn, die scheinbar nur auf sie wartete. Dann hörte man ein sehr lautes Genuschel und die Fahrzeugtüren piepten. Ich schaffte es gerade noch, zwischen den sich schließenden Türen hindurch zu hopsen, bevor die Fahrt losging.

Der Langhaarmensch mit den Bommeln hatte sich hingesetzt. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich sah, dass die beiden Stoffkugeln einfach vorne am Sitz herunterhingen. Ich schlingelte mich elegant durch etliche Beine hindurch und versteckte mich unter der langen Sitzreihe an der Wand. So konnte ich mich in Ruhe meinem neuen Spielzeug nähern.

Dann roch ich etwas. Meine Güte, dieser Geruch – das musste Thunfisch sein! Die Bommel waren auf einmal komplett aus meinem Bewusstsein verschwunden und ich hatte nur noch Augen – bzw. Nase – für meine Lieblingsspeise. Ich kroch unter der Sitzreihe weiter vor, bis ich die Einkaufstüte erreichte, aus der offensichtlich der Geruch austrat. Beim ersten Stopp stand die Person über mir schon auf, nahm die Tüte und stieg aus. Ich entschied mich, ihr unauffällig zu folgen und sie vor ihrer Haustür auf ihren Fang anzusprechen.

Nachdem sie ausgestiegen war, ging sie an dem Menschenstrom vorbei und eine Treppe hinunter. Zum Glück, denn die Menschenmasse schien geradewegs auf eine Rolltreppe zuzugehen und die kann ich gar nicht leiden. Unten angekommen, stieg sie in eine weitere U-Bahn, also folgte ich ihr auch da hinein. Raffiniert wie ich bin, betrat ich den Zug aber durch eine andere Tür als sie. Ich hielt sie dabei mühelos im Blick, denn Thunfisch rieche ich noch aus einer Meile Entfernung.

An der nächsten Station stieg die Dame dann schon wieder aus – sie fährt wohl nicht allzu gern längere Zeit am Stück. Ich verfolgte sie weiter die Treppen hinauf, dann an Automaten vorbei und einem kleinen Raum, der praktisch rot leuchtete. Nach den nächsten Treppen bog sie rechts ab. Wow, sind hier viele Menschen, die wild in alle möglichen Richtungen laufen. Während ich meiner Zielperson hinterher schlich, wurde ich praktisch mit Gerüchen zugebombt: Rechts gab es Pizza, links Brezn, gefolgt von Pommes und dann asiatischem Essen. Beim Vinzenzmurr(rrrrrr) konnte ich mich kaum noch zusammenreißen.

Am Ende des Ganges bog sie links ab. Was will sie hier? Das ist praktisch eine Sackgasse. Sie durchquerte die Glastüren, über denen ein rot-blauer Schriftzug bedrohend wachte. Als die Tür zufiel, sah ich der Tüte verzweifelt hinterher. Ich hatte Hunger und die Frau schien nicht das Bedürfnis gehabt zu haben, heimzugehen.

© Sophie Obwexer

Dann sah ich plötzlich in meinem rechten Augenwinkel eine rasche Bewegung. Dort führte eine Treppe nach oben und ich war mir sicher, etwas Lebendes war gerade um die Ecke gehuscht. Ich tapste schnell die Stufen hoch und um die Ecke. Da war nichts, ich halluzinierte anscheinend schon. Die weiteren Treppenstufen führten an die Oberfläche. Oben angekommen stand ich vor einem breiten Eingang, über dem erneut der Schriftzug hing, den ich unten schon gesehen hatte: „mathäser.“

Plötzlich wieder ein schnelle Bewegung! Eine der Glastüren öffnete sich und unter den Füßen des hindurchgehenden Menschen krabbelte eine Maus hinein ins Innere. Ich war auf einmal hellwach, die Trägheit komplett abgeschüttelt. Es dauerte nicht lang, bis sich die nächste Möglichkeit bot, mich hineinzuschleichen. Die Maus kroch an der Wand entlang. Sie hatte ein bisschen Vorsprung, aber der Jäger in mir war erwacht! Also machte ich mich auf und rannte ihr hinterher.

Was als Nächstes geschah, lässt mir heute noch vor Ärger die Nackenhaare zu Berge stehen: Ich hatte die Maus fast eingeholt und dachte, ihr Schicksal wäre besiegelt, als sie eine Glaswand erreichte. Doch anstatt Halt zu machen und ihrem Tod ins Auge zu sehen, steuerte sie geradezu auf einen kleinen Spalt in der Wand zu und zwängte sich hindurch. Wie ist das möglich? Ich war zutiefst erschüttert und fauchte ihr hinterher.

Dann hörte ich hinter mir eine mitfühlende Stimme: „Hey, was machst du denn hier?“ Ich drehte mich um und sah einen Langhaarmenschen mit einer Schürze. Ich war offensichtlich vor einem Restaurant gelandet, hier roch es nach allmöglichem Essen. Sie ging rein und kam kurze Zeit später mit einer Schüssel und einem Teller wieder. Die Schüssel war mit Milch gefüllt und auf dem Teller lag ein erstklassiges Stück Thunfisch. Anscheinend hatte Karma zugeschaut und wollte mich nun für meine pechverfolgte Reise entschädigen. Wäre schön, wenn es öfters so laufen würde.

Bis bald! Euer UniKater