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Der UniKater: S-Bahn fahren

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

In letzter Zeit bin ich sehr viel S-Bahn gefahren und nicht nur einmal eben über die Stammstrecke, sondern so richtig, also ins Münchner Hinterland, bis fast an die Endstation. Wenn man da so sitzt, oder wie ich eher möglichst unauffällig unter den Sitzen kauert, um den Ärger eines katzenfeindlichen Kontrolleurs nicht auf sich zu ziehen, hat man eine Menge Zeit, um Leute zu beobachten. Wahnsinn, was es da alles für komische Menschen gibt! Da stellen sich mir doch glatt die Nackenhaare auf. Da sind grimmige Männer mit wichtig aussehenden Aktenkoffern, die schmale, aufklappbare Kästen auf dem Schoß haben, auf die sie ständig mal mehr, mal weniger aggressiv einhacken. Eine Frau, die sich einen kleinen Kasten an den Kopf hält, raunt, „Du, ich bin in der Bahn, ich kann nicht so gut reden“, und dann in die Luft erzählt, dass irgendjemand ein Schwein sei und wie könne er nur. Ein Kind, das auf dem Sitz kniet, mit seinen klebrigen Händen an das Fenster patscht und so schrill quietscht, dass ich mir meine armen, empfindlichen Katzenohren zuhalten muss. Ein Typ, der lautstark einen lang verschollen geglaubten Bekannten begrüßt und der Bekannte, der seinem Gesichtsausdruck nach auch lieber verschollen geblieben wäre. Zum Glück wird der Zug auf seinem Weg in immer kleinere Ortschaften und Dörfer auch immer leerer. Anstatt die komischen Menschen zu beobachten, setze ich mich dann lieber in eine leere Sitzgruppe, gucke aus dem Fenster und beobachte die wunderschöne, herbstlich bunte Landschaft, die an mir vorbeizieht. S-Bahn-Fahren kann schon auch was Schönes sein – im Gegensatz zur düsteren U-Bahn sieht man da immerhin auch mal was.

Bis bald! Euer UniKater