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Der UniKater: Sonntagsdemo

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Sicher, ich bin ja nur ein kleiner Kater und habe keine Ahnung, was euch Studenten so bewegt. Aber dass etwas in der Luft liegt, erkenne ich sofort mit meinem sechsten Katzensinn. Ständig höre ich Nachrichten über einen weißhaarigen älteren Mann und seine Kumpane, die sich wohl mit allerhand Leuten anlegen. Und die Stimmung in meiner schönen Heimat hat sich merklich verschlechtert: Die Menschen scheinen misstrauischer und plötzlich werden so hasserfüllte Dinge gesagt, die ich früher noch nicht einmal mit meinem scharfen Gehör vernommen habe…

Das alles scheint jedenfalls einen Zusammenhang mit meinem letzten Erlebnis zu haben. Nach einer perfekten Sommerwoche, in der ich es mir im Englischen Garten so richtig gut gehen lassen konnte, musste natürlich ein verregneter Sonntag folgen. Und was für einer! Bei den Flutwellen, die vom Himmel prasseln, gilt mein einziges Interesse einem Unterschlupf. Da ich aus Erfahrung weiß, dass ein nasser Kater innerhalb von Sekunden wieder aus der warmen Bibliothek geworfen wird, tapse ich etwas verloren durch die Straßen. Und werde beinahe von einer gigantischen Menschenmenge überrannt. Mit meinem genialen Gehör und meiner fantastischen Witterung werde ich ja nur von wenig überrascht, aber bei diesem Wetter rechne ich nun einmal nicht mit einem Meer von Regenschirmen, das durch die Straßen zieht. Ich fauche wild, aber die mehreren tausend Menschen in Gummistiefeln gehen mit einer solchen Entschlossenheit vorwärts, dass sie wohl mit weit mehr Widerstand rechnen als einem kleinen Kater.

Der UniKater ist überrascht von der Sonntagsdemonstration © Sophie Obwexer

Neben der Musik ertönen immer wieder „Ausgehetzt“-Rufe – davon habe ich tatsächlich in meinem Revier an der Universität immer mal wieder etwas gehört. Und einige meiner liebsten Studenten erkenne ich auch wieder. Aber wo ist denn der Rest? Aus den Clubs, denen ich den letzten Nächten einen Besuch abgestattet habe, weiß ich, dass einige das Lernen schon hinter sich haben. Der Sache gehe ich doch einmal auf den Grund und spaziere bei einem der Lieblingscafés meiner Studenten vorbei. Tatsächlich sehe ich dort viele bekannte Gesichter. Aber ich als schlafbedürftiger Kater kann das sehr gut verstehen. Wer geht schon freiwillig auf die Straßen, wenn man hier im Warmen liegen und alle Probleme ausblenden kann? Wozu sich irgendwo einmischen, wenn man einfach darauf hoffen kann, dass die anderen von euch Menschen sich ganz plötzlich von selbst besinnen und einen vernünftigen Weg einschlagen? Hach, ich verstehe sehr gut, dass jeder gern das gemütliche Leben des UniKaters hätte und rolle mich genüsslich neben einem Studenten auf einem Stuhl zusammen. Sieht nach einem ganzen Nachmittag voll Streicheleinheiten aus, schließlich hat hier niemand etwas Besseres zu tun.

Bis bald, euer UniKater!