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Der UniKater: Technisches Chaos in der Mensa

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Neulich war ich zur Abwechslung mal wieder im englischen Garten Richtung Chinesischer Turm unterwegs. Dort gibt es dieses Unigebäude von der LMU, sehr schön gelegen mit Biergarten. Da kann sich mein Katzengemüt ein wenig in der Sonne ausruhen. Und manchmal findet sich auch der ein oder andere Leckerbissen, denn die Mensa ist gleich daneben.
Doch als ich mir dieses Mal gerade ein nettes Plätzchen aussuchen wollte, überkam mich mein Katzeninstinkt: Irgendetwas ist anders.
Und es dauerte auch nicht lange, da erkannte ich, was es war. Die Schlange an der Kasse war viel länger, die Studenten waren viel unruhiger und zu alle dem stieg mir auch noch der Geruch von Grünkohl-Hanfbällchen in die Nase…

Natürlich, die neue Mensa ist eröffnet! Aber nicht nur das Innere wurde fein herausgeputzt, auch die Technik wurde unserer modernen Zeit angepasst…

Meine Schnurrhaare zucken, als sie die genervte Atmosphäre wahrnehmen. Dozenten wedeln verzweifelt mit den Armen, Studenten schimpfen leise vor sich hin. Nun wurde also auch hier die Mensakarte eingeführt. Davor konnte man noch herkömmlich mit Geld bezahlen, doch das ist wohl zum Leidwesen aller vorbei.

Ich schleiche mich etwas näher heran, um das neue Phänomen genauer unter die Lupe zu nehmen. Teilnehmende Beobachtung sagen die von der Europäischen Ethnologie hier dazu. Was ich alles schon gelernt habe… Zusätzlich zu meiner Katerintelligenz bin ich bestimmt der Schlauste an der ganzen Uni.

Der Schlauste an der Uni © Sophie Obwexer

Zurück zu meiner Feldforschung: Offensichtlich ist das Mensapersonal nicht hinlänglich auf die neue Technik geschult worden. Das Herausgeben der Karte, sowie das Aufladen mit Geld scheint ein schwieriger, wenn nicht gar unmöglicher Akt des technischen Aufwands zu sein. Die arme Dozentin bekommt leider keine Brezel, da ihr keiner beim Kartenerwerb behilflich sein kann. Alle fuchteln nur mit den Armen. Zu allem Überfluss sträubt sich mir das Nackenfell, als ich bemerke, dass sich die neue technische Errungenschaft auf die allgemeine Freundlichkeit auswirkt.

Als ich ein paar Tage später noch einmal vorbeischaue, um zu sehen, ob sich die anfänglichen Schwierigkeiten gelegt haben, kommt es noch dicker. Jetzt ist es wohl nicht mehr möglich die Karte in der Mensa aufzuladen. Vielleicht wollten sie so wenigstens diesem Chaos entgegenwirken. Dafür rennen die Studenten jetzt verwirrt in der Gegend herum, auf der Suche nach einer Möglichkeit ihr Mittagessen vor Beginn der nächsten Stunde zu erhalten. Irgendwie ist es schon lustig anzusehen.

Tja, was soll ich sagen, ich bin und bleibe gerne ein Kater, der all dieses moderne Zeug nicht benötigt. Wozu sich mit Technik überfordern, wenn es doch ganz einfach geht? Das Phänomen erinnert mich an die White-Board Einführung an den Schulen, damals, als ich noch ein kleines Kätzchen war. Immerhin sieht die Mensa äußerlich ganz schön aus.

Ich jedenfalls lege mich jetzt lieber zurück in die Sonne und warte, dass mir völlig umsonst ein paar Brocken vor die Pfoten fallen. Wenn auch vielleicht nicht unbedingt die Grünkohl-Hanfbällchen…

Bis bald, euer UniKater!