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Er fragt Sie: Sprachnachrichten

Er fragt – Sie fragt

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. “Schnurzelburzel” und “Honigmäulchen” stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

Was hat es eigentlich mit diesen ständigen Sprachnachrichten auf sich, die ihr Tag und Nacht verschickt?

Allerliebster Schnurzelburzel,

da Du erst kürzlich wieder einen Blick auf die Chat-Verläufe mit meinen Freundinnen geworfen hast, in denen sich die Play-Buttons und Ladebalken aneinanderreihen, Du daraufhin einen lauten Seufzer von Dir gegeben und völlig verständnislos Deinen Kopf geschüttelt hast, habe ich ehrlich gesagt schon mit dieser Frage gerechnet. Und irgendwie kann ich sie sogar nachvollziehen. Minutenlang in unser Telefon zu sprechen, um dann auf eine genauso lange Antwort zu warten und diese abzuhören – Das klingt zunächst wirklich ziemlich sinnlos. Schließlich macht wohl keiner so gerne von der Mailbox Gebrauch und diese erfüllt im Endeffekt doch auch keinen anderen Zweck: Mit jemand anderem sprechen, ohne wirklich mit ihm zu sprechen. Vielleicht gründet darin eine chronische Unlust zu telefonieren, vielleicht aber auch die Tatsache, dass die Telefonate mit den besten Freundinnen meist nicht nur minuten-, sondern stundenlang dauern. Eine Sprachnachricht von fünf Minuten ist da also das geringere Übel.

Und mehr noch: Was Du für reine Zeitverschwendung hältst, leistet in Wahrheit einen wertvollen Beitrag für einen entspannten Alltag und gute Freundschaften. Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass wir Sprachnachrichten in allen Lebenslagen aufnehmen und abhören können. Wir können hören während wir kochen, putzen, einkaufen, Sport machen. Und wir können sprechen, um Werbepausen im Fernsehen oder auch den sonst so langweiligen Weg zur Uni zu überbrücken. Und trägt man dabei Kopfhörer, fragt sich auch die ältere Generation nicht mehr, ob wir wohl unser Telefon mit einem Diktiergerät verwechselt haben. Außerdem: Hast Du schon einmal versucht, während dem Laufen zu schreiben, ohne tausend Fehler einzubauen oder gegen Laternen zu laufen? Viel Erfolg dabei, mein lieber Schnurzelburzel. Manchmal ist wildes Tippen auf dem Display auch einfach nur nervig und statt sich gar nicht zu melden, schicken wir eben ein paar Worte per Sprachnachricht. Einige Dinge sind außerdem leichter auszusprechen als aufzuschreiben. Schließlich bevorzugst Du doch auch das Telefon gegenüber Deinem alten Briefpapier, oder?

Und bevor Du mir jetzt wieder vorhältst, ich soll doch einfach telefonieren, statt durch das Halten der Aufnahmetaste einen chronischen Krampf im Daumen zu riskieren, auch gegenüber dem Telefon hat die Sprachnachricht so einige Vorzüge! Man kann den Zeitpunkt der Antwort nämlich ganz frei wählen, ohne sich noch während dem Zuhören zu überlegen, welche Ratschläge man erteilen könnte. Gerade bei kniffligen Problemen ist das ein echter Vorteil und wird es mal etwas komplizierter, kann man sich die Nachricht auch mehrmals anhören. Wenn eine Sprachnachricht die 5-Minuten-Marke knackt, kann es jedoch auch in Stress ausarten und spätestens, wenn man den Punkt erreicht, an dem man mitschreiben muss, um sich an das Gesagte zu erinnern, ist der Klick auf die Telefontaste vielleicht doch ratsam. So oder so sind Sprachnachrichten eine wundervolle Möglichkeit, die Stimme des anderen zu hören und sich voll und ganz auf diese zu konzentrieren. Ein weiterer Pluspunkt: die Sprachnachricht zur Selbstreflexion. Manchmal wissen wir schließlich erst, was wir wirklich denken, wenn wir es aussprechen. Und können wir das Ausgesprochene dann nochmal anhören, bekommen wir nach und nach eine konkretere Idee davon, worum es eigentlich geht.

Last but not least: Freust Du Dich nicht immer über meine leicht verworrenen Liebes-Sprachnachrichten nach einer durchfeierten Party-Nacht? Diese entlocken Dir mit Sicherheit das ein oder andere Lächeln, oder eher Lachen, und dienen mir gleichzeitig als Erinnerungshilfe. Ein echter Alleskönner diese Sprachnachricht, findest Du nicht auch?

Ich freu mich von Dir zu hören!

Dein Honigmäulchen

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