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Der UniKater: Montagskater

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Montag. Bloß nicht wieder Montag! Das denkend und dabei heftig mit meinem Schicksal hadernd, finde ich mich auf einer Parkbank irgendwo im Englischen Garten wieder. An dieser Stelle bin ich noch nie zuvor gewesen, und während ich versuche, müde blinzelnd zu ergründen, wie mich meine Pfoten wohl hierhergeführt haben, spüre ich die verstohlenen Blicke der beiden auf der zweiten Parkbank. Ich werfe einen Blick auf den dürren Baum neben mir, aber nein, der schaut nicht bekannt aus. Ich spähe vorsichtig zur Sonne. Ja, scheint schon etwas später zu sein. Ich blinzle wieder zu dem Paar neben mir. Ob die schon da waren, als ich kurz eingenickt bin? Keine Ahnung.

Mir ist klar, dass es mir nicht helfen wird, hier sitzenzubleiben und auf wundersame Eingebungen zu warten. Ich ziehe also los, mir meinen Weg allen Widrigkeiten zum Trotz und auf gut Glück zu suchen. Und während ich vorsichtig eine Pfote vor die andere setze, spähe ich immer wieder nach rechts und links, in der aussichtslosen Hoffnung, irgendetwas wiederzuerkennen. Stattdessen steht hier nur ein Baum neben dem anderen, und mir scheint, dass sich bei vielen von ihnen der Frühling trotz des schönen Wetters noch nicht bemerkbar gemacht hat. Und je weiter ich gehe, desto finsterer wird es.

 Ich schimpfe über meine eigene Blödheit. Nach sechs Stunden Dauervorlesung in den Englischen Garten gehen zu wollen, um dort die angenehm warme Frühlingssonne zu genießen, ohne zu bedenken, wie leicht man dabei einschlafen kann, ist naiv. Ich halte kurz an, schaue nach rechts, glaube, eine Kreuzung wiederzuerkennen – und irre mich.  Ich trotte weiter und denke daran, wie schön die Ferien doch gewesen waren. An das schöne Gefühl des Ausgeschlafenseins, an die viele freie Zeit und die Sorglosigkeit, die nur zu schätzen weiß, wer schon einmal vier Klausuren und zwei Seminararbeiten innerhalb von nur drei Wochen zu absolvieren hatte.

Ganz in meine Grübeleien vertieft, hätte ich die Menschen fast nicht bemerkt, die nur wenige Meter vor mir spazieren gehen. Ich laufe ihnen nach, es könnte ja sein, dass sie auch auf der Suche nach dem Weg raus aus diesem verdammten Wald sind! Inzwischen ist es mir egal, ob ich noch rechtzeitig zur nächsten Vorlesung komme oder wo am Rand des Englischen Gartens ich landen würde. Zumindest werden die Bäume über mir allmählich lichter und lassen wieder mehr Sonnenlicht durch ihre Zweige fallen. Einen kurzen Moment lang glaube ich, die beiden vor mir aus den Augen verloren zu haben, bis ich feststelle, dass sie lediglich rechts abgebogen sind. Hinter der Kurve ist der Wald zu Ende, und an der Straße liegt eine einsame Bushaltestelle. Wo mich mein Weg hinführt, weiß ich immer noch nicht, und auch die beiden, die mir aus meinem Schlamassel geholfen haben, sind verschwunden. Doch immerhin: Ich weiß, dieser Bus wird mich irgendwie nach Hause bringen! Wartend und dem strahlend blauen Frühlingshimmel entgegenblinzelnd, freue ich mich schon auf die nächsten Ferien.

Bis bald, euer UniKater!

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