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Wenn Maschinen das Sprechen lernen

DeepL: Online-Übersetzung revolutioniert

Jeder kennt das Problem: Man liest einen Text in einer anderen Sprache und weiß nicht, was ein bestimmtes Wort bedeutet. Früher hat man in diesem Fall das entsprechende Wort in einem Wörterbuch nachgeschlagen. Heutzutage hat jedes Wörterbuch eine Web-Variante, auf die man jederzeit zurückgreifen kann. Oder man lässt es sich direkt von einem der diversen Online-Übersetzer à la Linguee, LEO oder auch Google Translate in die eigene Muttersprache übertragen. Während das bei einzelnen Wörtern noch recht einfach ist, ist es mit diesen Tools allerdings praktisch unmöglich längere Texte zu übersetzen. Googles App bietet zwar die Möglichkeit Texte mit einer Länge von bis zu 5.000 Zeichen übersetzen zu lassen, dabei kommt jedoch oft ein ziemliches Kauderwelsch heraus.

Beeindruckende Technologie „Made In Germany“

Ein kleines Unternehmen aus Köln hat es sich zur Mission gemacht, daraus schnellstmöglich eine Sache der Vergangenheit zu machen. Die DeepL GmbH hat einen Übersetzer entwickelt, der auf einer künstlichen Intelligenz basiert. Das Stichwort hierbei ist „machine learning“: Das Programm, das die Übersetzungen des DeepL Translators liefert, hat die Fähigkeit zu lernen und somit mit der Zeit immer besser zu werden. Eine sehr ähnliche Technologie setzt Google seit Kurzem auch ein. Die Macher von DeepL haben aber einen entscheidenden Vorteil: ihr vorheriges Produkt Linguee.

Um zu lernen muss eine künstliche Intelligenz ebenso wie wir Menschen geschult werden. Und genau hier kommt Linguee ins Spiel: Denn das Erstprodukt der DeepL-Entwickler ist nicht einfach nur „ein weiteres Online-Wörterbuch“, sondern eine Suchmaschine für Übersetzungen. Es sticht dadurch heraus, dass es Übersetzungspaare zu jedem Eintrag angibt, an denen sich erkennen lässt, wie das jeweilige Wort von anderen in welchem Zusammenhang übersetzt wurde. Die Quellen für diese Satzpaare sind unterschiedlicher, aber generell vertrauenswürdiger Herkunft; oft z. B. EU-Parlaments-Protokolle oder dergleichen.

Die Datenbank, die Linguee zugrunde liegt, fasst mittlerweile laut DeepLs eigener Aussage „Milliarden von hoch qualitativen Übersetzungen“. Diese riesige Datenmenge diente als Basis, um dem DeepL Translator sein grammatikalisches und lexikalisches Wissen anzutrainieren. Damit der Übersetzer fortwährend lernen kann, gibt es die Möglichkeit den ausgegebenen Text zu „bearbeiten“ (siehe dazu: Screenshot unten). Bereits 2014 stellte die (derzeit noch unter anderem Namen laufende) Linguee GmbH genau zu diesem Zweck professionelle Lexikographen ein, um die generierten Übersetzungen zu prüfen und zu korrigieren. Im August 2017 wurde der Service dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht; mit aktuell sieben Sprachen, die beliebig kombiniert werden können.

DeepL - Screenshot Nr. 1 © Marcel Lasaj

Man kann jedes Wort des übersetzten Texts anklicken, sodass einem Alternativen vorgeschlagen werden. Wählt man eine davon aus, merkt sich DeepL das und lernt daraus. © Marcel Lasaj

DeepL im Praxistest

DeepL hat bereits aus mehreren Ecken des Internets Lob gesammelt und seine Entwickler sprechen von „noch nie dagewesener Übersetzungsqualität“. Im August 2017 haben sie eigens eine Studie durchgeführt und ihre Software gegen die Konkurrenten von Google, Microsoft und Facebook ins Rennen geschickt. Das Ergebnis klingt enorm vielversprechend:

100 Sätze wurden von DeepL Translator, Google Translate, Microsoft Translator und Facebook übersetzt. Professionelle Übersetzer bewerteten die Übersetzungen, ohne zu wissen, welches System welche Ergebnisse hervorgebracht hat. Die Übersetzer bevorzugten unsere Übersetzungen um den Faktor 3:1 gegenüber der Konkurrenz.
Press Information – DeepL Translator Launch; Übersetzung ins Deutsche: DeepL Translator

DeepL - Übersetzung Nr. 1 © Marcel Lasaj

Übersetzung Nr. 1: Englische Filmrezension (um es zu lesen, Bild anklicken) © Text: IGN; Collage: Marcel Lasaj

DeepL - Übersetzung Nr. 2 © Marcel Lasaj

Übersetzung Nr. 2: Spanische Fußball-News (um es zu lesen, Bild anklicken) © Text: Marca; Collage: Marcel Lasaj

Aber man soll ja nicht alles glauben was einem erzählt wird und sich eine eigene Meinung bilden. Also hat unsere Redaktion natürlich selbst die Software auf den Prüfstand gestellt: Dazu haben wir vier mehr oder weniger zufällige Texte in unterschiedlichen Sprachen aus den unendlichen Weiten des Internets zusammengesucht und diese jeweils von DeepLs, Googles sowie Microsofts Tools ins Deutsche übersetzen lassen. Die Texte umfassten dabei Ausschnitte aus dem Folgenden:

DeepL - Übersetzung Nr. 3 © Marcel Lasaj

Übersetzung Nr. 3: Französische Politik-News (um es zu lesen, Bild anklicken) © Text: Le Parisien; Collage: Marcel Lasaj

DeepL - Übersetzung Nr. 4 © Marcel Lasaj

Übersetzung Nr. 4: Englischer Meinungsartikel (um es zu lesen, Bild anklicken) © Text: New York Times; Collage: Marcel Lasaj

1. Die Review des Marvel-Films „Black Panther“ vom amerikanischen Entertainmentportal ign.com
2. Ein News-Artikel der spanischen Sport-Zeitung Marca über Fußballer Jesús Navas
3. Ein News-Artikel der Pariser Tageszeitung Le Parisien über zwei Figuren der französischen Agrarpolitik
4. Ein Meinungsartikel der New York Times über eine Gemeinde im US-Bundesstaat Louisiana, die von Überschwemmungen geplagt ist

Als Ergebnis lässt sich durchaus festhalten, dass Microsofts Bing Translator definitiv am schlechesten abschneidet. Zu oft werden Satzteile buchstäblich übersetzt, in einigen Fällen sogar gar nicht; dann steht mitten im deutschen Text ein englisches Wort. Bei Google hapert es ebenfalls ein wenig, sie liefern jedoch viele Ergebnisse, die mit denen von DeepL identisch sind. Aber auch der DeepL Translator hat seine Schwierigkeiten. Zumindest wenn es sich nicht gerade um einen englischen Text handelt, der übersetzt werden soll. Denn das ist ganz offensichtlich DeepLs Paradedisziplin.

Ein Fazit

Abschließend muss man sagen, dass die Deutschen hier mal wieder zeigen, dass wir technologischen Fortschritt auch vorantreiben können. Die DeepL GmbH liefert hier eine Arbeit ab, die zwar (noch) nicht perfekt ist, aber sehr viel Potential in sich birgt. Der Praxistest – wie aber auch die Praxiserfahrung einiger Redakteure – zeigt, dass der DeepL Translator zum Teil wesentlich natürlichere Übersetzungen liefert als die Konkurrenz. Besonders wenn man mit englischen Texten arbeitet, erkennt er feine Nuancen wie Idiome oder Geschlechter und übersetzt diese korrekt in die Zielsprache. Bei den anderen Sprachen ist teilweise noch ein ganzes Bisschen Korrekturarbeit am Endergebnis notwenig. Letztendlich gibt es aber immer Luft nach oben und während die Benutzer korrigieren, lernt die KI im Hintergrund immer mehr und mehr dazu, sodass sie eines Tages hoffentlich eine nahezu fehlerfreie Qualität bieten kann.

Marcel Lasaj

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