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Matthias‘ Schwabing

Mein München

München – Eine so große Stadt mit so vielen unterschiedlichen Vierteln und Ecken, dass man kaum alles entdecken kann, denkt Ihr? Gerade wenn man sich in einer Gegend eben nicht auskennt, findet man ja nie das nette kleine Café mit dem tollen Kaffee oder den kleinen Park, der so schön versteckt liegt? Da haben wir eine Lösung! In der Reihe „Mein München“ zeigen euch unsere Redakteure München aus ihrer ganz persönlichen Perspektive, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Sie geben euch Insidertipps, persönliche Empfehlungen und Hinweise, was man unterwegs in München auf keinen Fall verpassen sollte!

Schwabing eilt der Ruf voraus, vertretend für jenes München zu stehen, das wohl von dem Rest der Bundesrepublik mit München assoziiert wird. Schickimicki, teuer und von einem selbstgerechten Volk bewohnt.

Doch Schwabing kann viel mehr als Das. Der Stadtteil war um die Jahrhundertwende Zentrum der  Münchner Avantgarde mit Künstlern wie Rainer Maria Rilke oder Thomas Mann, die hier ihre Literatursalons betrieben. In den 1960er und 1970er Jahren boomte hier wieder das Nachtleben und die 68er-Ikonen wie Uschi Obermeier und Rainer Langhans machten die Stadt zur  City of Love. In den letzten Jahren rückten andere Stadtteile wie das Glockenbach stärker in den Vordergrund und Schwabing wurde schnell als die alternde Grande Dame mit Patina unter den Münchner Stadtbezirken abgestempelt.

Nichtsdestotrotz möchte ich dir zeigen, dass dieser Stadtteil entgegen der gängigen Klischees sehr viele liebenswerte Ecken für Studenten und junge Menschen zu bieten hat.

Metropolis an der Münchner Freiheit

Die Münchner Freiheit ist sicherlich der bekannteste Platz Schwabings und bietet viel Großstadtfeeling. Zugegebenermaßen wirkt die Architektur des Platzes mit dem vielen Beton und den mehreren Ebenen zunächst nicht gerade einladend, entwickelt dafür aber an einem heißen Sommertag, oder bei dem sehr empfehlenswerten Künstler- und Handwerker-Weihnachtsmarkt seinen ganz eigenen Charme. Mir gefällt hier besonders gut, dass immer etwas los ist und man eine riesige kulinarische Auswahl hat. Des weiteren besuche ich öfter die Kuchenreuther Kinos, also das Kino an der Münchner Freiheit, das ABC Kino und das Leopold Kino, die sich durch ihre Retro-Atmosphäre und den großartigen Mix aus Blockbustern und Independentfilmen hervorstechen.

Nach einem Kinobesuch bieten sich einige Bars in der Umgebung für einen Absacker an. Zum einen das Barschwein, das viele als Erstis wahrscheinlich schon kennengelernt haben, oder das Schluckauf. Hier kostet das Bier noch unter 2 Euro, daher ist immer etwas los und bei guter Musik wird manchmal auch das Tanzbein geschwungen.

Etwas individueller gestalten sich die beiden Bars mit studentischem Flair, X-Bar und Zum Jennerwein rund um die Clemensstraße.

Idyllisches Grün

Wenn man die Feilitzschstraße hinuntergeht und kurz vor dem Ende der Straße rechts in die Gunzenrainerstraße einbiegt, versteht man sofort, warum München das „Millionendorf“ genannt wird. Ein altes Bauernhaus, ein schöner Kräutergarten und sogar ein Maibaum erinnern an ländliche Idylle. Direkt gegenüber liegt auch schon meine nächste Empfehlung, Bussis Kiosk ist ein origineller Kiosk, aber wohl eher eine Bar oder Café. Besonders schön ist es, hier im Sommer auf den Liegestühlen Platz zu nehmen und das Münchner Publikum zu beobachten.

Am Ende der Straße beginnt der Englische Garten und man befindet sich hier auf Höhe des Kleinhesseloher Sees. Hier ist mein Lieblingsort in München und es lohnt sich wirklich sehr ein Tretboot zu mieten. Wer es lieber genüsslich mag, geht direkt in den Biergarten des „Seehauses“ und genießt den Sonnenuntergang.

Einen Kontrast zu dem wuseligen Treiben im Südteil bildet der Nordteil des Englischen Gartens, in dem man durchaus auch mal auf eine Schafherde trifft und entspannt endlos Fahrradfahren kann.

Ein weiter sehr schöner Park ist der Leopoldpark im Westen Schwabings.  er ist viel ruhiger als der Englische Garten und von seinem Hügel eröffnet sich einem ein traumhafter Blick über München, bei gutem Wetter bis zu den Alpen.

Ob voller Magen oder schwere Tüten 

Neben dem Tantris, Münchens teuersten und hochgelobten Sternerestaurant, bietet der Stadtteil noch viele weitere kulinarische Highlights. Das HeimWerk in der schönen Hohenzollernstraße überzeugt mit der bürgerlichen Küche und dem modernem Konzept. Von Wiener und Münchner Schnitzel bis zum Kaiserschmarrn, hier kommt jeder zu einem fairen Preisen auf seine Kosten. Das Mun Mun an der Münchner Freiheit bietet für ca. 10 € Hauptgerichte der thailändischen Street-Kitchen, dabei sind die vielen verschiedenen Currys sehr zu empfehlen.

Für passionierte Einkäufer ist Schwabing ein wahres Paradies. Während sich auf der Leopoldstraße gängige Marken tummeln, bieten die Seitenstraßen ausgefallenere Boutiquen. Der Kostümverleih Breuer in der Hohenzollernstraße ist für jede Mottoparty gewappnet und bietet über 20.000 verschiedene Outfits. Selbst wenn man momentan nichts braucht, schadet es nicht schonmal für den nächsten Fasching zu schauen.

Mein Favorit ist Ritschi’s Design Wohnaccesoirs in der Belgradstraße. Zugegebenermaßen,günstig ist es hier nicht. Aber mit etwas Glück kann man Second-Hand einen echten Designklassiker, eine schöne Lampe oder coole Reklametafel aus dem letzten Jahrhundert  zu einem guten Preis erwerben. Designliebhaber werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen und einige Objekte der Begierde vorfinden.

Ich hoffe, ich konnte euch  etwas von der Vielfalt Schwabings überzeugen. Alles in allem bietet der Stadtdteil alles, so dass man ihn eigentlich gar nicht verlassen bräuchte. Auch ohne festes Ziel lohnt es sich bei gutem Wetter mit einem Eis von Bartu durch das Jugendstil-Viertel um die Kaiserstraße, Friedrischstraße oder Mandlstraße zu bummeln und den Flair des „typischen“ München einzuatmen.

Matthias Wirtz

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