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Games-Network mal anders

„Playing the Field“: Videospielforschung
und Amerikanistik – ein perfektes Paar

Videospiele können wohl (bisher) als das Unterhaltungsmedium des 21. Jahrhunderts bezeichnet werden. Die Games-Branche schreibt inzwischen Umsatzzahlen jenseits von 100 Mrd. US-Dollar und hat so bereits vor einigen Jahren seinen großen Bruder, die Filmindustrie, vom Thron des Entertainment-Sektors gestoßen – und das obwohl das Medium praktisch noch in den Kinderschuhen steckt. Videospiele sind zwar mittlerweile beim Massenpublikum angekommen, aber noch nicht hundertprozentig von der Gesellschaft akzeptiert. Denn sie müssen sich in vielen Bereichen immer noch täglich aufs Neue beweisen. Sei es bzgl. ihres künstlerischen Wertes, ihrer Anerkennung als ernstzunehmendes Kulturgut oder z. B. in der Wissenschaft.

Als Quereinsteiger hat man’s schwer

PD Dr. Sascha Pöhlmann: Der Organisator der Konferenz © Sascha Pöhlmann

PD Dr. Sascha Pöhlmann: Der Organisator der Konferenz © Sascha Pöhlmann

Die sogenannten „Video Game Studies“ haben sich zwar schon vor Jahrzehnten als Forschungsgebiet etabliert; kommt man allerdings aus einer anderen Disziplin, hat man es zunächst schwer. Diese Meinung teilt auch Sascha Pöhlmann, seines Zeichens Dozent für Nordamerikastudien an der LMU. Er bemängelt, dass …

[…] die meisten Leute, die in der Amerikanistik über Videospiele promovieren […] Einzelkämpfer sind. Also, dass sie kaum inhaltlich relevante Strukturen vorfinden an den jeweiligen Unis – deutschlandweit, vielleicht sogar europaweit. Strukturen, in denen sie so promovieren könnten, wie das eben andere Leute auch machen.

Einzelkämpfer zusammenbringen

Aber statt sich einfach nur zu beschweren, hat sich der Herr Pöhlmann entschieden, stattdessen auch was zu unternehmen: Eine Konferenz soll all diejenigen mit Amerikanistik-Hintergrund zusammenbringen, die Videospiele erforschen, oder sich dafür interessieren, aber bisher nicht die Gelegenheit oder den Grund dazu hatten. Die Konferenz heißt Playing the Field und soll eine Plattform bieten, um Ergebnisse einander vorzustellen, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen – Networking eben. Ca. ein Jahr ist die ursprüngliche Idee nun alt und man merkt, dass die Begeisterung in der Community groß ist, denn die Resonanz auf den „Call for Papers“ war enorm: Fast 30 Vortragende musste Pöhlmann nun auf den Zeitraum von vier Tagen verteilen. Jedem werden rund 30 Minuten Redezeit gewährt, was eine kleine Diskussion nach dem Vortrag mit einschließt. Dazwischen gibt es reichlich Kaffeepausen, die zum Unterhalten einladen.

Pioniere des Forschungsbereichs sind eingeladen

Mark J. P. Wolf, Ph.D.: Ein Pionier der „Video Game Studies“ © Mark J. P. Wolf

Mark J. P. Wolf, Ph.D.: Ein Pionier der „Video Game Studies“ © Mark J. P. Wolf

Die Konferenz wird über das Wochenende vom 26. bis 29. April im Amerikahaus beim Karolinenplatz stattfinden. Den Auftakt bildet am Donnerstagabend der Hauptvortrag von Mark J. P. Wolf, einem der Mitbegründer der Videospielforschung in den USA. Er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet, hat seit Anfang des Jahrtausends mehr als zehn Bücher zu dem Thema veröffentlicht und wird regelmäßig eingeladen um zu dem Thema vorzutragen. Auch wenn er schon den einen oder anderen Vortrag in Deutschland gehalten hat, spricht er nun zum ersten Mal in München. Wer also Interesse hat, sollte sich diese Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen.

Am Freitagmorgen folgt die zweite länger angesetzte Rede: Diesmal von Prof. Dr. Randi Gunzenhäuser von der TU Dortmund, die in der deutschsprachigen Amerikanistik eine Vorreiter-Rolle bei den „Video Game Studies“ einnimmt.

Ein breites Spektrum an Themen

Die restlichen Vortragenden sind so vielfältig wie die Themen über die sie reden: Von jung bis alt sowie Doktorand/-in bis Professor/-in sind so ziemlich alle vertreten. Die Themen erstrecken sich dabei von „Bewegung in Videospielen“ über „US-amerikanische Dystopien am Beispiel von Fallout 4“ bis hin zur „Darstellung des amerikanischen Exzeptionalismus in BioShock Infinite“. Es ist also für jeden, der grundlegend an der Thematik interessiert ist, was dabei. Kosten tut das Ganze dabei nichts und anmelden muss man sich auch nicht – jeder ist willkommen. Wir werden auf jeden Fall vor Ort sein und anschließend Nachberichterstattung leisten. Bis dahin sind weitere Informationen, inkl. des Flyers mit dem vorläufigen Programm, auf der Webseite der Konferenz zu finden.

Marcel Lasaj

1 Kommentar

  1. Einzelkämpfer sterben allein die geistigen wie Akif und Sarrazin und die auf den Strassen auch

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