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Der Serienguide: Deutschland in Serie

Auf der Suche nach Serien-Nachschub?

Seit einigen Jahren wandelt sich die TV-Landschaft. Galt es früher noch als Todesurteil für die Karriere eines Schauspielers, wenn er vom Film zu einer Serie wechselte, toben sich die Darsteller mittlerweile sowohl auf den großen, als auch auf den kleinen Leinwänden aus. Doch nicht nur, dass Serien immer hochkarätiger besetzt werden, auch inhaltlich trauen sich die Produzenten immer mehr! Bei der Flut an neuen und grandiosen Serien kann man allerdings leicht den Überblick verlieren. Deswegen möchte ich euch regelmäßig einige Serienjuwele vorstellen, die ihr vielleicht noch nicht kennt. Dieses Mal geht es um:

„Das Institut – Oase des Scheiterns“ und „Eichwald, MdB“

Seit kurzem beschäftigt sich Deutschland mal wieder mit seiner liebsten Frage: Was es denn überhaupt heißt, „deutsch“ zu sein. Zufriedenstellende Antworten darauf gibt es freilich keine, nur festgefahrene Meinungen und unverbesserliche Fanatiker, die diese Debatte insgesamt zu einer sehr spaßbefreiten Angelegenheit geraten lassen. Da tut es gut, den Blick auf einige deutsche Serien zu werfen, die erbarmungslos und mit viel bissigem Humor ihre ganz eigene Sicht auf drängende Probleme unserer Zeit präsentieren.

(c) Novafilm/ BR/ WDR/ NDR/ „Das Institut“
Mitarbeiter Deutsches Kulturinstitut.

So wie Das Institut – Oase des Scheiterns. Die Macher der Serie wussten offenbar, was auch viele Touristen wissen: Am deutschesten ist der Deutsche immer im Ausland. Dieser Weisheit folgend, schicken sie ihre Protagonisten ins ferne und von Briten, Sowjets und Mudschaheddin zerbombte Kisbekistan, um dessen Einwohnern die Freuden der deutschen Hochkultur nahezubringen. Dass diese mehr Interesse an Antibiotika und Landminen als an den Werken Goethes und der neuhochdeutschen Verbflexion zeigen, gerät mehr als einmal zum Problem. Nichtsdestotrotz tun die sechs Mitstreiter vom „Deutschen Sprach- und Kulturinstitut Kallalabad“ ihr möglichstes, wenn sie mal mit bitterbösem Zynismus, mal mit herzzerreißender Philanthropie von der einen Katastrophe in die nächste schlittern. Und vielleicht beginnt der Zuschauer, irgendwo zwischen Wahlbetrug, Entführungsszenario, DDR-Botschaftsbunker und den allgegenwärtigen Ost-West-Konflikten, einen Eindruck davon zu gewinnen, was es vielleicht heißt, „typisch deutsch“ zu sein.

Hajo Eichwald (zweiter von links) samt Team (c) ZDF/Daniela Incoronato

Eine andere Dimension dieses „typisch Deutschen“ thematisiert die Serie Eichwald, MdB, eine satirische Abrechnung mit der deutschen Politik des 21. Jahrhunderts. Im Zentrum der Handlung steht hier das Büro des Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Eichwald, der seine Politikerkarriere als Hinterbänkler im Parlament am liebsten bis zu seiner Pensionierung fortsetzen würde. Als er unerwartet Konkurrenz aus dem eigenen Wahlkreis bekommt, die noch dazu jünger und ehrgeiziger ist als er, muss Eichwald sich etwas einfallen lassen. Gemeinsam mit seinem Team versucht er, den Gegner mit Schmutzkampagnen zu diskreditieren oder mit politischen Vorstößen zu übertrumpfen. Das Ergebnis sind Flops und Katastrophen am Fließband, die genauso komisch wie tragisch sind. Wenn er sich dann mal wieder in Rage redet, verzweifelt in die Luft schlägt und sein verbissenes „Verfickte Scheiße!“ zischt,  könnte man fast Mitleid mit ihm haben. Einen Augenblick. Denn dann geht das Chaos auch schon weiter.

Das Institut und Eichwald, MdB liefern zwei hervorragende Beispiele für deutsche Serien, die selbstkritisch sind und sich trauen, mit sehr viel Humor auch ernste Fragen zu beleuchten. Sie zeigen, dass Politiker manchmal auch nur Menschen sind und die Antworten auf die Frage nach dem, was die eigene Nationalität überhaupt ausmacht, lustig und vielleicht sogar etwas unangenehm sein können. Und gerade in ungemütlichen Zeiten tut es manchmal gut zu sehen, dass man das alles vielleicht nicht immer allzu ernst nehmen sollte.

Sebastian Schindlbeck

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