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Christinas Lehel

Mein München

München – Eine so große Stadt mit so vielen unterschiedlichen Vierteln und Ecken, dass man kaum alles entdecken kann, denkt Ihr? Grade wenn man sich in einer Gegend eben nicht auskennt, findet man ja nie das nette kleine Café mit dem tollen Kaffee oder den kleinen Park, der so schön versteckt liegt? Da haben wir eine Lösung! In der Reihe „Mein München“ zeigen euch unsere Redakteure München aus ihrer ganz persönlichen  Perspektive, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Sie geben euch Insidertipps, persönliche Empfehlungen und Hinweise, was man unterwegs in München auf keinen Fall verpassen sollte! 

Englischer Garten, Surfer-Welle, Haus der Kunst und viele weitere Münchner Sehenswürdigkeiten befinden sich im Stadtteil Lehel. Kein Wunder, dass das Viertel bei Touristen Anlaufstelle Nummer 1 ist, doch im Lehel zu wohnen ist für viele unvorstellbar – für mich aber das Paradies!

Kaum jemand weiß, dass…

…das Lehel Münchens erste Vorstadt und Auffangbecken für all diejenigen war, denen man verweigert hatte, innerhalb der Stadtmauern zu leben. Die Armut wurde jedoch bald von aufstrebendem Gewerbe und Wohlstand abgelöst und so gestattete man dem Lehel im Jahr 1724 schließlich offiziell Teil der Stadt München zu werden. Übrigens wird Lehel im Bairischen Lächl ausgesprochen. Kein Wunder, dass hier alle so zufrieden scheinen!

Weshalb das Lehel unter Studenten nur selten Aufmerksamkeit erhält…

Die Aussicht vom Monopteros im südlichen Teil des Englischen Gartens - im Lehel. ©Christina Bacher

Die Aussicht vom Monopteros im südlichen Teil des Englischen Gartens – im Lehel. ©Christina Bacher

Teuer, spießig, langweilig – das Lehel genießt unter Studenten sicherlich nicht den besten Ruf. Und das zwar manchmal aus gutem Grund, meistens aber vollkommen unberechtigt! Ja, es stimmt, das Lehel zählt sicherlich zu den teuersten Stadtvierteln Münchens. Doch gibt es hier auch den ein oder anderen Geheimtipp für den studentischen Geldbeutel. Sonntags kann man für nur 1 € dem Bayerischen Nationalmuseum einen Besuch ausstatten und wenn der Magen knurrt, bietet das Pepenero am Thierschplatz italienische Köstlichkeiten zu fairen Preisen. Im Sommer heißt es dann: sich im Cesar Markt mit Bier eindecken – ein verrückter, kleiner Supermarkt in der Emil-Riedl-Straße, der immer wieder für Überraschungen sorgt – und ab in den Englischen Garten. Dessen südlicher Teil, inklusive Monopteros und Chinesischem Turm, zählt schließlich auch zum Lehel und hier lässt sich dann doch der ein oder andere Student blicken. „Ein bisschen spießig“ findet man wohl in jedem Viertel Münchens und daher mit Sicherheit auch im Lehel. Doch ist mir hier dafür noch nie jemand begegnet, der nicht freundlich grüßt. In der Metzgerei um die Ecke darf man jede Wurst probieren und in der Bäckerei kann man sogar anschreiben lassen. Im Grunde genommen ist das Lehel immer noch ein richtiges Dorf. In Sachen Langeweile wartet hier zwar nicht an jeder Ecke eine angesagte Bar und als Student scheint man den Altersdurchschnitt gewaltig zu senken, doch wer nichts gegen entspannte Wirtshäuser und sommerliche Nächte im Englischen Garten oder an der Isar einzuwenden hat, findet auch im Lehel ein Mittel gegen Eintönigkeit. Außerdem ist notfalls die Maxvorstadt oder das Glockenbach auch nur wenige Minuten entfernt. Im Allgemeinen geht ein großer Pluspunkt für das Lehel an die perfekte Lage: ruhig und trotzdem mitten in der Stadt.

Mein Lieblingsort…

Der St.-Anna-Platz ist das Herzstück des Lehels. ©Christina Bacher

Der St.-Anna-Platz ist das Herzstück des Lehels. ©Christina Bacher

…ist eindeutig der St.-Anna-Platz. Es gibt wohl kaum etwas Schöneres, als über den Platz zu schlendern, sich auf eine Bank zu setzen und das Treiben zu beobachten. Die beeindruckende Pfarrkirche St. Anna lässt an ein Märchenschloss erinnern, durch die malerischen Häuserfassaden schimmert ein Hauch von Paris und erfüllt dann noch Straßenmusik den Platz, kommen in jedem Fall Urlaubsgefühle auf. Hier findet außerdem jeden Donnerstag von 10.30 Uhr bis 18 Uhr der Bauernmarkt statt, auf dem es von Käse über Gemüse, Fleisch, Fisch, Gebäck,  und weitere Delikatessen, alles gibt, was das Feinschmecker-Herz begehrt.

Mein perfekter Tag im Lehel…

Entspannt, urig und etwas ganz Besonderes: Das Kiosk Fräulein Grüneis. ©Christina Bacher

Entspannt, urig und etwas ganz Besonderes: Das Kiosk Fräulein Grüneis. ©Christina Bacher

…beginnt mit einem ausgewogenen Frühstück im neu eröffneten Mr. Pancake in der Emil-Riedl-Straße. Um die riesigen Portionen direkt wieder abzutrainieren, geht es bei einem Spaziergang entlang der Isar ins Zentrum des Viertels in Richtung St.-Anna-Platz. Dabei führt kein Weg an einem Besuch im „BK-SHAPE Loft“ vorbei, wo einfach alles außergewöhnlich ist. Wer auf der Suche nach ausgefallenen Geschenkideen oder Dekorationen ist, wird hier auf jeden Fall fündig. Und die Beratung ist dabei so herzlich und zuvorkommend, wie man es selten erlebt. Weiter geht es über den St.-Anna-Platz wieder zurück in Richtung Englischen Garten für eine Kaffeepause im Fräulein Grüneis. Dieser Kiosk am Eisbach ist etwas ganz Besonderes und hat definitiv Potenzial, Lieblingscafé und Treffpunkt zu werden. Nachdem die Surfer an der benachbarten Surfer-Welle beobachtet wurden, ruft für einen perfekten Ausklang des Tages das urbayrische Wirtshaus Tattenbach. Im ältesten Lokal im Lehel ist immer volles Haus, das Essen ist immer lecker und die Stimmung ausgelassen. Und so geht ein Tag im Lächl mit einem Lächeln zu Ende.

Christina Bacher

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