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Der UniKater: Silvester-Chaos unterm Weihnachtsbaum

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

So gerne ich ansonsten durch die Straßen Münchens streife, an den Feiertagen ist auch ein neugieriger Kater wie ich am liebsten in einem warmen Zuhause. Zum Glück sind die Münchner, zumindest in der Weihnachtszeit, offen und freundlich – und so bleibt auch für mich meist eine Türe offen. Ein großes Haus ist es in diesem Jahr, da hat sich der lange Weg durch den Schnee wohl gelohnt. Ganz schön viel los hier. Ist Weihnachten nicht eigentlich besinnlich oder habe ich da etwas falsch verstanden? Da geht’s ja zu wie am Stachus! Aber wie köstlich es riecht. Meine Feinschmeckernase führt mich direkt in die Küche, wo eine Frau gerade eine Weihnachtsgans aus dem Ofen holt. In der Hoffnung, dass etwas für mich abfällt, lege ich mich in eine Ecke der gemütlichen Küche und schließe nur für einen Moment die Augen. Entfernt höre ich plaudernde Menschen, die mit Geschirr klappern, dann mehr oder weniger schönen Gesang und schließlich das Geräusch von knisterndem und reißendem Papier. Die spinnen doch, die Menschen!

Ich muss eingenickt sein. Als ich meine Augen öffne, ist die Gans weg. Das köstliche Essen habe ich dann wohl verpasst. Wieder Stimmengewirr aus dem Zimmer nebenan. Ich linse um die Ecke und sehe einige Menschen auf dem Sofa sitzen. Sie essen leckere Kekse. Oder sind es Brötle? Oder Plätzchen? Wie auch immer – Grund genug, mich dem Wohnzimmer zu nähern. Auf der Lauer und mit konzentriertem Blick auf die Keksdose, komme ich nicht umhin, weitere Gespräche zu belauschen. Es geht um Geschenke, um Uhren, Bücher, Kleider, Ketten, Krawatten und Veranstaltungseinladungen. Auf einmal erhebt einer die Stimme und ruft: „Einen schönen Christbaum habt ihr.“ Daraufhin werden kleine Gläser mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt und in einem Zug leer getrunken. Die spinnen doch, die Menschen! „Hoffentlich habe ich morgen keinen Kater“, sagt ein anderer. Wenn der wüsste, dass ich schon auf der Lauer liege!

„Die spinnen doch, die Menschen!“, denkt sich der UniKater. © Sophie Obwexer

Weiter geht das Geplapper und immer noch keine Chance auf ein paar Kekskrümel. Dann kommt scheinbar die Frage aller Fragen auf und die Stimmung beginnt zu schwanken: „Was macht ihr eigentlich an Silvester?“ Während Pärchen Nummer 1 kaum erwarten kann zu erzählen, dass sie schon morgen nach Florida fliegen und in Miami das neue Jahr feiern werden, erzählt ein anderer mit Begeisterung von der legendären Silvester-Hausparty, bei der er schon im Jahr davor war. Eine andere Frau berichtet vom Wellnessurlaub, noch eine vom gemütlichen Raclette-Essen, Spieleabend und Bleigießen, ein anderer von einem 5-Gänge-Menü. Alle scheinen sich etwas ganz Besonderes für diesen wohl ganz besonderen Abend überlegt zu haben. Teures Essen wurde vorbestellt, Flüge gebucht, hunderte von Euro für Urlaub ausgegeben, der im restlichen Jahr nur die Hälfte kostet. Ich kann nicht fassen, was ich da höre. Und schon jetzt reden sie über das nächste Jahr und den Plan, für Silvester 2018 endlich gemeinsam eine Hütte in den Bergen zu mieten. Dabei ist doch gerade erst Weihnachten. Nur ein Pärchen meint, sie müssen zu Hause bleiben. Schließlich kann der Hund nicht alleine bleiben, während draußen mit großem Getöse Raketen in die Luft geschossen werden.

Habe ich richtig gehört? Hund? Höchste Zeit für mich Miau zu sagen und euch mit eurem Chaos allein zu lassen. Davor hol ich mir aber noch schnell einen Keks und dann geht es zu meinem Freund Sylvester, wie jedes Jahr.

Ein glückliches neues Jahr 2018!

Euer UniKater