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Zu Besuch beim Wetterfrosch

Sonnig mit Aussicht auf Wiesn?

Um euch die besten Informationen rund um die 184. Wiesn zu bieten, haben wir einige Interviews mit den Profis höchstpersönlich geführt. Frau Dr. Gabriele Papke von der Wiesn-Pressestelle, Herr Marcus da Gloria Martins von der Münchner Polizei und Herr Reik Schaab vom Deutschen Wetterdienst verraten euch alles Wissenswerte zu den Besonderheiten der diesjährigen Wiesn, zur Sicherheitslage und natürlich der Wetterprognose. Einige Verhaltens- und Geheimtipps haben sie auch parat! Heute: Herr Schaab vom Deutschen Wetterdienst im Interview mit UNIKAT.

Herr Schaab, zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, unsere Fragen zu beantworten! Wir haben in den letzten Monaten ja einen unglaublichen Sommer erlebt mit Temperaturen, die immer wieder über die 30 Grad kletterten. War dies ein absoluter Ausnahme-Sommer oder sollten wir solche Temperaturen nun immer erwarten?

Der Sommer 2017 ist im Großraum München zur Höchstform aufgelaufen. Hier war er etwa 3 Grad wärmer als im langjährigen Mittel der Jahre 1961-90, die gemäß WMO noch immer Grundlage für heutige Vergleiche sind. Bezogen auf Bayern lag der Mittelwert der zeitnah meldenden Stationen immer noch 2,3 Grad über dem des langjährigen Mittels. In Norddeutschland waren die Monate Juni, Juli und August dagegen nur durchschnittlich. An 20 Tagen hat das Thermometer an unserer Station München nahe Olympiapark die 30-Grad-Marke überschritten. Hier waren im Mittel 20,2°C gemessen worden.

Damit landet der Sommer 2017 im Vorderfeld, jedoch noch weit entfernt vom „Jahrhundertsommer“ 2003 (21,8°C). Wir beobachten einen klaren Trend in Richtung wärmerer Sommer. Der 2017 passt da gut ins Bild. Kühle und verregnete Sommer sind jedoch weiterhin zu erwarten. Außerdem deuten die simulierten Klimaszenarien die Möglichkeit an, dass zukünftig neben Trockenperioden auch heftigere Starkregenereignisse auftreten werden. Die Wahrscheinlichkeit hierfür wird größer.

Wie sind denn die Aussichten auf die nächsten Wochen, in denen ja auch das Oktoberfest stattfinden wird? Kann man dazu schon eine grobe Einschätzung abgeben, ob wir eher mit Hitze oder Schneefall rechnen sollten?

Die Erfahrung zeigt, dass sich im September gehäuft schöne und ruhige Wetterlagen einstellen. Wir Meteorologen sprechen von „Singularitäten“. Die Hoffnung auf einen „Altweibersommer“ während der Oktoberfesttage sind daher nicht ganz unberechtigt. Schneefall ist und bleibt Ende September  und Anfang Oktober ein seltenes Phänomen.

Wie weit dürfen Vorhersagen denn prinzipiell im Voraus liegen, um für Sie beim Deutschen Wetterdienst als zuverlässig zu gelten?

Die Vorhersagen haben sich im Laufe der letzten Jahre immer weiter verbessert. Die Trefferquote der Prognosen ist heute für die nächsten 3-5 Tage so gut wie noch vor 30 Jahren für einen Tag. Soweit kann man recht solide vorhersagen, darüber hinaus geben wir noch Trendaussagen bis zum 10. Tag wie zum Beispiel „Es wird sonniger und wärmer“. Auch darauf kann man sich mittlerweile einigermaßen verlassen. Nichtsdestotrotz müssen wir Meteorologen damit leben, dass wir immer mal wieder eine „Bauchlandung“ erleben. Das Problem liegt schon darin begründet, dass wir nicht einmal genau wissen, wie das Wetter jetzt gerade weltweit aussieht. Damit können wir auch nicht ohne Risiko prognostizieren, was die Atmosphäre in den nächsten Stunden und Tagen für uns bereit hält. Die Technik wie zum Beispiel Radar und Satelliten hilft uns dabei, besser zu werden. Eine hundertprozentige Sicherheit wird es dennoch nie geben. Wir stellen uns täglich rund um die Uhr dieser Herausforderung!

Gibt es Hoch- oder Tiefdruckgebiete, die uns in nächster Zeit zu schaffen machen könnten?

Wir werden auch in den nächsten Tagen und Wochen wieder Hoch- und Tiefdruckgebiete ankündigen. Wir wollen die Abonnenten der Namensträger für die Wettergebilde ja nicht enttäuschen. Tipp: Auch Sie können sich Ihr eigenes Hoch oder Tief ordern. Die für das diesjährige Oktoberfest sind allerdings schon vergeben. Für 2018 und später bitte an die FU Berlin wenden.

Nach diesem Sommer fragt man sich nun natürlich auch, wie der kommende Winter wohl aussehen wird? Lassen sich da schon Vermutungen anstellen?

Wettervorhersagen sind in den letzten Jahren immer besser geworden. An Prognosen für Jahreszeiten wird fleißig gearbeitet. Die Ergebnisse lassen sich heute aber allenfalls für Meeresgebiete oder tropische Regionen mit vertretbarem Risiko nutzen. Vermutungen stellen wir Meteorologen vom DWD nicht an. Wir geben Prognosen ab, nach bestem Wissen und Gewissen. Wie der Winter in Oberbayern 2017/18 aussieht kann keine seriöse Quelle vorhersagen.

Hier geht es zum Interview über die Sicherheitslage der Wiesn 2017 mit der Münchner Polizei und hier zum Interview mit den wichtigsten Tipps der Wiesn-Pressestelle der Stadt München.

Tonja Dingerdissen

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