Wir schreiben München – schreibt mit!

Der UniKater – Streifzüge durch Münchner Geschichten

Lass mal was anderes machen!

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Ich war noch nie im Nymphenburger Schlosspark, obwohl er für Münchner Verhältnisse fast vor meiner Katzenklappe liegt. Zwar schonmal gehört, dass das Schloss ganz schön sein soll, schonmal den großen, grünen Fleck mitten im Nordwesten der Stadt auf Maunz-Maps gesehen. Dann war ich letztens doch endlich mal dort, sogar zu Pfote von zuhause aus, durch die Laimer Unterführung, eine unscheinbare Straße im Wohngebiet entlang bis zu dem Eingang in einer graffitibesprühten Mauer. Den Eingang ließ ich links liegen, sprang lieber mit einem eleganten Satz auf die hohe Steinumfassung und landete auf der anderen Seite auf dem kühlen, moosbedecktem Waldboden. Um mich herum dichter Wald, ein breiter, schattiger Weg, auf dem kleine Sonnenflecken tanzten. Je weiter ich in den Wald tapste, umso stiller wurde es. Ich konnte mir gar nicht mehr vorstellen, dass nur ein paar hundert Meter weiter das Leben einer Metropole pulsierte.

Ins Wasser kriegt den UniKater zwar niemand, aber angucken ist ja auch schön. © Stephanie Berens

Auf einer Lichtung fand ich durch Zufall die Baderburg, im Hintergrund ein See, davor Bänke im Schatten eines riesigen Baumes, dessen ausladenden Äste fast bis zum Boden reichten, eine bunte Blumenwiese daneben. An einem anderen Weg entlang ein leise plätschernder Bach, über den eine Brücke führte, ein mit eisernen Ornamenten verziertes Geländer. Der modrige Geruch und die feuchte Luft des Waldes. So viele Kreuzungen und keine Hinweisschilder – in Zeiten von Maunz-Maps kann man sich selten so herrlich verlaufen.

Im Nymphenburger Schlosspark fiel mir auf, wie wenig ich von München kenne, obwohl ich nun schon seit drei Jahren durch die Straßen dieser Stadt streife. Aber wie soll man auch Neues entdecken, wenn man jeden Tag das gleiche macht? Ich laufe jeden Tag denselben Weg ins Univiertel, schmiege mich jeden Tag an die gleichen Gebäudeecken, wenn mir das Fell juckt, schleiche mich immer in den gleichen Hörsaal (weil ich genau weiß, dass da Studenten sitzen, die gerne ihre Wurstsemmeln mit mir teilen). Nachmittags mogele ich mich immer in dieselbe Bibliothek, um ganz oben im Regal zwischen Faust und Goethe ein Schläfchen einzulegen, und abends statte ich immer demselben Metzger einen Besuch ab, weil der mir oft einen Leckerbissen an der Hintertür dalässt.

Wie langweilig das doch ist! Lass doch mal in einen Fahrradkorb springen und die Welt von oben aus sehen statt immer den gleichen Weg zu laufen. Lass mal sich in einen anderen Hörsaal verirren, zu den BWLern zum Beispiel – am Ende frühstücken die jeden Tag Lachsbrötchen! Lass mal einen neuen Schlafplatz suchen, einen anderen Metzger um den Finger wickeln, spontan in eine Bahn hüpfen und irgendwo hinfahren, irgendwas tun, was wir schon immer mal tun wollten, aber es nicht getan haben, weil es nicht in unseren Trott gepasst hat. Lass mal was anderes machen!

Bis bald! Euer UniKater

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.