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Austrian Superheroes und Liga Deutscher Helden

Superhelden in Österreich, und auch gleich in Deutschland

Beim Münchner Comicfestival habe ich ein ganz neues Universum an Superhelden entdeckt, Austrian Superheroes (ASH). Ich habe zuerst ein Gratis-Heftchen von der kommenden Spin-Off-Serie „Liga Deutscher Helden“ bekommen, die ich am Ende kurz vorstellen werde. Meine Neugier an ASH war jedoch geweckt und ich musste unbedingt die bereits herausgegebene Miniserie lesen.

Mich hat ein wenig verwundert, dass die erste Miniserie „Rückkehr der Helden“ heißt. Aber wenn man dieses erste Sammelheft gelesen hat, macht der Titel völlig Sinn. Die Hauptperson, Kurt Kogler, hat nämlich das Alias Captain Austria Jr. Er ist Student in Wien und hat bereits einige Zeit Kleinkriminelle in der Stadt bekämpft, zusammen mit dem Donauweibchen und Lady Heumarkt. Wir lernen die verschiedenen Figuren in ihrer Tätigkeit kennen sowie in Pausen, wo sie über ihre Vergangenheit reden. Captain Austria Jr. hat eine komplizierte Beziehung zu seinem Vater, Alfred Kogler, dem vorigen Captain Austria, der nicht gerade einen Familienvater war.

Vorderseite des ersten ASH-Sammelhefts.
Hinten: Lady Heumarkt. Links: Donauweibchen. Rechts: Der Bürokrat
Vorne: Captain Austria Jr. © Harald Havas, ASH

Die Wächter in Wien

Superhelden sind wie bekannt ursprünglich eine amerikanische Erfindung, und in der Geschichte dieses Comics ist es auch so. Die amerikanische Geheimorganisation SOCRATES (Secret Organization for the Creation, Apprehension, Training and Engagement of Supermen, kurz: SOS) hat 1946 Alfred Kogler in Wien rekrutiert und ihm mit einer Maschine Superkräfte verliehen. Genauso hatten Kollegen in einer ähnlichen Geheimorganisation im Marvel-Universum es mit Steve Rogers vier Jahre zuvor gemacht. Die Ursprungsgeschichten von Captain America und Captain Austria sind also ganz ähnlich. Der erste österreichische Captain war aber im Kalten Krieg tätig, während der amerikanische Amtskollege im Polareis schlief. Aber wie bei den X-Men scheint sich der Alterungsprozess auch bei den österreichischen Mutanten verlangsamt zu haben: Alfred Kogler sieht nämlich jetzt aus wie ein höchstens 70-Jähriger, müsste eigentlich aber mindestens 90 Jahre alt sein.

Das Donauweibchen heißt eigentlich Diana, genauso wie Wonder Woman. Zufall? Sie kann sich komplett in Wasser verwandeln. Am Anfang habe ich mich gewundert, ob sie im Supermodus nackt ist oder ihre Kleider auch in Wasser verwandelt werden. Letzteres scheint der Fall zu sein, oder aber ihre Kleidung wird unsichtbar. Sicher ist, dass sie sich glatt und geschmeidig durch Flüsse, Bäche und Wasserleitungssysteme bewegen kann.

Lady Heumarkt hat in ihrer Kindheit eine radioaktive Erdbeere gegessen und wurde daher sowohl superfett als auch superstark. Ihr ziviler Name, Anna Schwarz, ist übrigens auch ein Deckname. Sie war wie der erste Captain während des Kalten Krieges tätig.  Dann gab es eine Gruppe von Helden in Wien namens die Wiener Wächter, wo der erste Captain Austria Vorsitzender war. Die WW scheinen eine Lokalabteilung von SOCRATES zu sein.

Der vierte in der Heldentruppe taucht mitten im Heft 1 auf. Er nennt sich den Bürokraten und ist im Alltag der anonyme Steuerberater Max Mustermann. Er hat absolutes Gedächtnis, einen Polizeifunkempfänger im Gehirn und kann Gas und Rauch kurzweilig in feste Gegenstände verwandeln. Er redet ein bisschen steif und computer-ähnlich, ungefähr wie der Androide Data in Star Trek.

Die Story

Im Heft 1 taucht ein mysteriöser Basilisk in Wien auf, greift beliebige Frauen auf der Straße an und zerstört ihre Handys. Die ersten vier Hefte drehen sich um diese Ereignisse, mit einem kleinen Seitensprung hin zu einem distrahierenden Bankräuber mit Brille, Bart und Bauch. Dieser hätte auch ein Bad Guy in Tim & Struppi sein können und erschreckt seine Opfer mit Halluzinationen, genauso wie Scarecrow in Batman. Die heutigen Superhelden in Österreich sind noch nicht organisiert, aber das kommt vielleicht in einem späteren Heft. Sie haben jedenfalls eine gute Beziehung zur Wiener Polizei und Stadtverwaltung zu haben, vermutlich dank der Wiener Wächter. Ich habe nur die ersten vier Hefte gelesen, bald erscheint jedoch das siebte Heft, in dem Tirol die Szene der Geschehnisse ist.

Liga Deutscher Helden

Liga Deutscher Helden. Oben von links: Chimäre, Jeck und Gamsbart. Vorne von links: Captain und Lorelei. © Harald Havas, ASH

In diesem Heft Nummer 0 kämpfen vier Superpersonen gegen eine Hirschkuhmutantin in Frankfurt am Main. Die vier Kämpfer sind:

  • Lorelei, die Wasser beim Singen kontrollieren kann;
  • Jeck, der närrische Kräfte hat, jedoch nicht mit dem Joker zu verwechseln ist;
  • Gamsbart, ein bayerischer Kraftkerl, dessen Name seine Frisur beschreibt;
  • und Chimäre, die sich in Tiere verwandeln kann.

Der Teamleiter namens Captain ist nicht physisch vor Ort, sondern erscheint als ein Hologram. Seine Tätigkeit beschränkt sich auf Reden. Im ersten ASH-Heft erwähnt Captain Austria das Münchner Kindl, dem ein Wolpertinger begegnet sein soll. Ein Wolpertinger ist ein kleines süddeutsches Hasen- oder Eichhorn-Fabeltier, das vermutlich mit Scrat in „Ice Age“ verwandt ist. Die deutschen Superheld-Mutanten sind offensichtlich keine geheime Bürgerwehr, denn LDH arbeitet mit Mutations-Einsatz-Trupp bei der deutschen Bundespolizei zusammen. „Liga Deutscher Helden“ wird im Herbst als dreiteilige Miniserie erscheinen.

Die originell deutschsprachigen Superheldencomics sind sehr erfrischend. Ich finde es cool, dass Lady Heumarkt sowie einige der Nebenfiguren Dialekt reden. Die Story ist vielleicht nicht ganz so originell, aber die Figuren sind von der österreichischen Kultur inspiriert: Heumärkte, Sagen und Bürokratie. Captain Austria hat die meisten Ähnlichkeiten mit amerikanischen Superhelden und ist quasi wie eine Kombination von Captain America und Batman. Ich freue mich auf die weiteren Ausgaben von ASH und auf die Liga Deutscher Helden, die bald erscheint.

Targeir Attestog

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