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Born to be Blue

Chet Baker – Die Geschichte des King of Cool

Am 8. Juni startet Born to be Blue in den deutschen Kinos. Der Film erzählt vom legendären Comeback des „James Dean of Jazz“, Chet Baker. Ob sich die Kinokarte auch für Nicht-Jazzfans lohnt, verraten wir euch in unserer Kritik.

Auf dem Boden einer Gefängniszelle liegt eine Trompete. Davor kauert sich ihr Besitzer, Jazz-Legende Chet Baker, zitternd in Embroyanlhaltung. Bereits die erste Einstellung macht klar, wo sich der von Ethan Hawke verkörperte „King of Cool“ zu Beginn von Born to be Blue befindet: Ganz unten.

Ethan Hawke als Jazz-Legende Chet Baker © AlamodeFilm

Ein Comeback nach dem Comeback

Baker, der in den 1950ern den Jazz nachhaltig veränderte, ist im Jahr 1966, in dem der Film einsetzt, nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Drogensucht hat den Jazz-Trompeter die Kontrolle über sein Leben vollkommen verlieren lassen. Als sich Baker ein Ausweg aus dem Gefängnis und eine zweite Chance – in Form eines Films über sein Leben – bietet, scheint es in seiner Karriere wieder aufwärts zu gehen. Bei den Dreharbeiten lernt er Jane (Carmen Ejogo) kennen und beide kommen sich näher.

Doch die Hoffnung auf einen Neustart erlischt schnell, als Baker von seinem früheren Drogendealer, dem er noch Geld schuldet, brutal zusammengeschlagen wird. Das Filmprojekt wird eingestellt, weil Baker durch seine Verletzungen für längere Zeit ausfällt. Viel schlimmer noch: Durch die bezogenen Prügel hat der Jazz-Musiker zahlreiche Zähne verloren. Mit einer Zahnprothese im Mund scheint es unmöglich, dass er je wieder seine Trompete erklingen lassen kann. Hier setzt die eigentliche Handlung des Films ein. Baker macht sich, begleitet von seiner neuen Liebe Jane, auf den Weg sein Trompetenspiel wieder zu erlangen und sich sein musikalisches Comeback zu erkämpfen.

Weder Fiktion noch Realität

Born to be Blue wirkt zwar wie ein Biopic, baut aber auch mehrfach fiktive Element in die Geschichte ein. So gab es zwar in der Realität Pläne für einen Film, in dem Chet Baker sich selber spielen sollte, gedreht wurde von diesem aber nicht eine Szene. Das hält Regisseur Robert Budreau nicht davon ab, im Laufe der Handlung immer wieder Sequenzen aus eben jenem Film – der in der Wirklichkeit nie realisiert, in Budreaus Version aber zumindest begonnen wurde – als Rückblenden an die Zeit vor Chets Drogenabsturz einzubauen.

In einer der fiktionalen Szenen trifft Chet auf Miles Davis. © AlamodeFilm

Budreus Film soll, ähnlich wie eine Jazz-Improvisation, nicht abbilden, sondern die Teile aus denen er besteht neu kombinieren. Das Ergebniss ist ein Film, der zwar auf einer realen Lebensgeschichte basiert, sich beim Erzählen dieser aber bei den Ereignissen und Figuren mehr Freiheiten nimmt als es ein Biopic sonst tut. Das Hauptaugenmerk legt Born to be Blue dabei auf die Beziehung zwischen Jane und Chet und ihre jeweiligen Charaktereigenschaften.

Verzeihbare Schwächen bei der Inszenierung

Inszenierungstechnisch kämpft der Film allerdings mit einigen Schwächen. Das liegt vor allem daran, dass Born to be Blue Jane und Chet nur wenige Minuten zur Entfaltung gibt, bevor der Schicksalsschlag die Haupthandlung des Films einleitet. Ohne eine wirkliche Möglichkeit, Sympathien für die beiden aufzubauen, fällt es schwer, Anteil an ihrer Geschichte zu nehmen.

Das macht auch der Umstand nicht leichter, dass die Story des Films sich inhaltlich relativ wenig entwickelt. Weder verändert sich die Beziehung der Hauptcharaktere im Laufe der Handlung auf gravierende Art (mit einer Ausnahme), noch gibt es größere Wendungen oder Einschnitte. All das kann man kritisieren, dennoch ist Born to be Blue weit davon entfernt, ein schlechter Film zu sein.

Alleine die überragende schauspielerische Leistung von Ethan Hawke macht den Film sehenswert. Zu keiner Sekunde zweifelt man an der Glaubwürdigkeit des von Hawke äußerst verletzlich und einfühlsam porträtierten Musiker. Dass die Handlung ohne größere Ereignisse verläuft, kann man dem Film nicht wirklich vorwerfen. Denn Born to be Blue versucht nicht eine möglichst aufregende oder wendungsreiche Geschichte zu erzählen, sondern die menschlichen Züge Chet Bakers herauszuarbeiten – und das gelingt dem Film alle Mal.

Born to be Blue wird nicht jeden begeistern. Wer mit langsamen und komplexen Erzählstrukturen nichts anfangen kann, wird sich schnell langweilen. Wer sich aber für eine grandios gespielte Charakterstudie einer Musiklegende, Jazzmusik oder Chet Baker interessiert, sollte durchaus einen Blick riskieren.

Thomas Pillgruber

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