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Viel Wind um ein bisschen Fußballromantik

Münchens Derby

 

Die Hauptribüne © Thomas Jensen

Rot gegen Blau. So einfach ließe sich die Rivalität der Bayern mit 60 beschreiben. Doch hinter diesen zwei Farben steht eine ganze Stadt, die fußballerisch am Limit lebt. Entweder man schwebt seit einigen Jahren dauerhaft auf Wolke sieben (als Bayernfan) oder in ständiger Abstiegsgefahr (als Löwe). Normalität ist jedoch ein Begriff der auf beide Vereine seit gewisser Zeit nicht mehr zutrifft. Wobei es noch nicht allzu lange her ist, dass sich der FCB und TSV noch auf Augenhöhe duellierten. Bevor sich einer der beiden 2004 mit dem Abstieg aus der 1. Bundesliga verabschiedete, war das Münchner Derby eines, das in Jahrzehnten, in denen die Bayern nationale Konkurrenz hatten, die ihnen regelmäßig die Meisterschaft streitig machte, die Massen elektrisierte. Doch diese Zeiten sind vorbei. 1860 ist momentan nur noch ein Schatten des einstigen Traditionsvereins  und Bayern ist vom Rest der deutschen Fußballvereine weit entfernt.

Nostalgie beider Fanlager

Vielleicht liegt in diesen Extremen aber auch der Grund für den Hype um das Derby der Amateurmannschaften der beiden Clubs. Dieses fand am letzten Sonntag um 13 Uhr im Zuge der Regionalliga Bayern wieder im Grünwalder Stadion statt. Allein schon der Name des Austragungsortes lässt mancher Löwenbrust einen Seufzer entweichen. Die Erinnerung an glorreiche Jahre, als man noch in einem eigenen Stadion beheimatet war, sind noch nicht völlig verblasst. Doch auch für die Bayern hat das Grünwalder etwas mythisches, verbrachte schließlich das legendäre Dreigestirn Beckenbauer, Müller und Maier hier seine sportliche Frühzeit, bevor der Verein ins neue Olympiastadion umzog. Inzwischen spielen also v.a. die Amateure im Grünwalder, das heutzutage nur noch 12.500 Plätze fasst.  Schließlich waren die Ränge immerhin zur Hälfte gefüllt und das „kleine“ Derby wurde vor stimmungsvoller Kulisse ausgetragen.

Zuviel des Guten?

Polizeiaufgebot auf der Kreuzung vor dem Stadion © Thomas Jensen

Fanmarsch der Bayern © Thomas Jensen

Dennoch war es „nur“ ein Regionalligaspiel. Eine Begegnung in Deutschlands vierthöchster Spielklasse. Das allerdings im Fernsehen übertragen wurde und zu dem die beiden Fanlager von einem riesigen Aufgebot der Polizei eskortiert und auch wieder vom Stadion weggeleitet wurden. Denn auf beiden Seiten herrscht ein hohes Aggressionspotenzial. Diese Fanfeindschaft entlädt sich dann leider komplett auf ein „unschuldiges“ Fußballspiel und die Frage, wie viel Aufmerksamkeit für eine Amateurbegegnung noch gesund ist, drängt sich auf. Im Stadion verlief alles glimpflich, im Außenbereich kam es jedoch zu Festnahmen.

Blau gewinnt

Zu Gast in ihrem geliebten Stadion: zündelnde 60-Fans © Thomas Jensen

Schade, dass derartige Störgeräusche immer wieder auftreten. Nicht stören ließen sich jedoch die Spieler des TSV, die zwei zu null gewannen. Die mit Heimrecht ausgestatteten Bayern, schafften es so gut wie nie, sich Torchancen zu erspielen, während 60 zweimal gnadenlos zuschlug und damit an den Bayern vorbei in der Tabelle auf Platz zwei zogen. Die Vorherrschaft, zumindest unter den Amateurteams in München, haben somit die Blauen inne. Allerdings auch nur in München, denn nicht weit entfernt spielt die SpVgg Unterhaching eine fabelhafte Saison und thront für beide Münchner Mannschaften uneinholbar auf Rang eins. Der Aufstieg in die 3. Liga wäre ein großer Erfolg und wahrlich schön. Für den Münchner Fußball wäre ein Aufstieg der 60er in die 1. Liga mindestens genauso schön. Ob das je wieder gelingt, steht zwar in den chaotischen Sternen, die auf den Verein scheinen, doch eins hat das letzte Wochenende wieder gezeigt: Die Stadt braucht wieder ein richtiges Derby!

Thomas Jensen

 

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