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Die Millennials – Unsere Zukunft?

Ein bisschen mehr Vertrauen!

Die Millennials werden von allen Seiten kritisiert: Zu wenig Passion und zu wenig Pathos in der Politik. Aber bedeutet das automatisch Desinteresse?

Ständig Beschwerden über unsere ach so unpolitische Generation: Mit den jungen Leuten könnte man heute keine Fenster mehr einwerfen, wie in den glorreichen 68ern! Dieser Individualismus wird auch nicht mehr mit voller Leidenschaft durchgezogen, dazu sieht man eindeutig zu wenig Irokesen. Und wann hat eigentlich das letzte Mal jemand seine nackten Brüste, mit wuchtigen Botschaften bemalt, ins Scheinwerferlicht gehalten, um für Geschlechtergleichheit und gegen Sexismus aufzutreten?

Unsere Waffe: Die Selbstverständlichkeit

Den Millennials deswegen Gleichgültigkeit und Angst gegenüber politischer Auseinandersetzung vorzuwerfen, ist nicht nur nervig, sondern auch falsch und kurzsichtig. Wir haben ein anderes, wirksames Mittel gefunden, um im Alltag für unsere Grundwerte einzustehen: Die Selbstverständlichkeit. Für unzählige junge Leute bis ins Alter der frühen 30er hinein ist es längst offensichtlich, dass es zwischen Nationalitäten und Geschlechtern weniger Unterschiede als Gemeinsamkeiten gibt, dass der Lebensweg die Sache des Einzelnen ist, genauso wie die Freiheit der Partnerwahl. Wer im privaten Kreis ununterbrochen seine Offenheit gegenüber diesen Themen betont, macht sie erst zu einer „Eigenart“, die gesondert vom „Normalen“ besprochen werden muss. Unsere unbestechliche Sicherheit in unseren Werten ist unsere Waffe gegen rückwärtsgerichtete Meinungen und keifende Illiberale.

Wir sind durch die Ereignisse unserer Kindheit schneller erwachsen geworden

Dennoch ist die Frage nicht unberechtigt, die sich mit Blick auf die gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen stellt: Reicht diese Immunität gegen konservative Meinungen aus, um das gesamte politische Zusammenleben gegen die rechtspopulistische Angstmache zu schützen, die immer lauter und radikaler wird? Wie verhalten wir uns gegenüber der fremdenfeindlichen und nationalen Stimmung, die in der AFD, FPÖ, Front National oder PVV eine weitreichende Stimme gefunden hat?
Die aktuelle Lage ist eine Bewährungsprobe. Und auch in dieser Auseinandersetzung kann unsere kühle Rationalität ein entscheidender Vorteil sein. Die Ereignisse unserer Kindheit zwischen wirtschaftlichen Rückschlägen und Terrorismus haben die Millennials nicht geschwächt. Wir sind realistischer und schneller erwachsen geworden. Dadurch läuft der Protest nicht in zielloser Wut durch die Straßen und wir begnügen uns nicht mit utopischen Parolen à la make love, not war. Die liberale Generation Y kann sich auf eine Ebene mit der konservativen Gegenmeinung begeben und hat dadurch vielleicht mehr Chancen als die vorherigen Generationen junger Menschen, gehört zu werden. Das zeigt sich an einer neuen Linie politischer Vertreter, die sich in Europa abzeichnet. Gegen die schon genannten, pöbelnden Nationalisten formatieren sich die Millennials mit weltoffenen, pro-europäischen Kandidaten, wie dem österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen, dem französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron oder den Vertretern der großen, deutschen Parteien.

Wir hatten in den letzten zehn Jahren nicht mit solchen Polarisierungen zu kämpfen wie jetzt. Aber auch gegen diese können wir uns wehren. Nicht in der Art der 68er oder der Hippies, sondern auf unsere Weise.

Anne-Kathrin Born

Ihr stimmt nicht zu? Hier findet ihr die Gegenposition zum Thema!

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