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Der Serienguide: The Newsroom – Eine Ode an den Journalismus

Auf der Suche nach Serien-Nachschub?

Seit einigen Jahren wandelt sich die TV-Landschaft. Galt es früher noch als Todesurteil für die Karriere eines Schauspielers, wenn er vom Film zu einer Serie wechselte, toben sich die Darsteller mittlerweile sowohl auf den großen, als auch auf den kleinen Leinwänden aus. Doch nicht nur, dass Serien immer hochkarätiger besetzt werden, auch inhaltlich trauen sich die Produzenten immer mehr! Bei der Flut an neuen und grandiosen Serien kann man allerdings leicht den Überblick verlieren. Deswegen möchte ich euch regelmäßig einige Serienjuwele vorstellen, die ihr vielleicht noch nicht kennt. Dieses Mal geht es um:

The Newsroom

©HBO

Will McAvoy nimmt einen Pressesprecher ins Verhör ©HBO

„Können sie sagen, warum Amerika das großartigste Land der Welt ist?“. Diese Frage läutet die Handlung der vom bekannten Drehbuchautor Aaron Sorkin (The Social Network) erdachten Serie „The Newsroom“ ein. Denn die Antwort des berühmten fiktiven Nachrichtensprecher (engl. Anchorman) Will McAvoy, gespielt von Jeff Daniels (Der Marsianer), besteht nicht aus ähnlich nichtssagenden Plattitüden wie die seiner Vorredner, sondern aus einem veritablen Ausraster.

„Wir sind siebter in lesen und schreiben, zweiundzwanzigster in Naturwissenschaft, neunundvierzigster in Lebenserwartung. […] In nur drei Kategorien sind wir die Nummer Eins der Welt. Anzahl der inhaftierten pro Kopf, Anzahl der Erwachsenen die an Engel glauben und in Rüstungsausgaben […]. Wenn ihr fragt, was Amerika zum großartigsten Land der Welt macht, weiß ich verflucht nochmal nicht wovon ihr redet.“

Lang und breit erklärt er dem aus  Studenten bestehenden Publikum sowie dem Moderator und den anderen Gästen der politischen Diskussionsrunde bei der diese verheerende Frage fällt, dass Amerika seiner Ansicht nach schon lange nicht mehr so großartig ist, wie manch einer vielleicht noch glaubt.

„Vielleicht waren wirs mal. Wir standen für Gerechtigkeit. Wir kämpften aus moralischen Gründen, wir haben Gesetze aus moralischen Gründen erlassen oder gekippt, wir haben Armut bekämpft, nicht arme Menschen. […] Wir griffen nach den Sternen, handelten wie Menschen. […] Wir definierten uns nicht darüber, wen wir zuletzt gewählt hatten und ließen uns nicht so schnell einschüchtern. Wir waren in der Lage all das zu sein und zu tun weil wir informiert waren. Durch tolle Menschen, Menschen die wir achteten. […] Amerika ist nicht mehr das großartigste Land der Welt.“

Natürlich bleibt die flammende Rede des Nachrichtensprechers und Gesichts des Senders ACN nicht ohne Folgen.

Gute Nachrichten

Als Will drei Wochen nach dem Ausraster wieder in seine Redaktion kommt, hat sich einiges getan. So wechselt sein Ausführender Produzent (engl. Executive Producer) mit fast dem gesamten Team zu einer anderen Sendung. Als wäre das nicht schon genug, stellt der Chef der Nachrichtenabteilung Charlie Skinner auch noch Wills Ex-Freundin MacKenzie McHale als neue Ausführende Produzentin ein.

Die beiden verbindet eine bewegte Vergangenheit und so wehrt sich der Anchorman natürlich dagegen, in Zukunft eng mit seiner Verflossenen zusammen zu arbeiten. Auch die Pläne die McKenzie für die Nachrichtensendung hat, stoßen bei ihm zunächst nicht auf Begeisterung. Diese will nämlich die Sendung komplett umkrempeln, um der Öffentlichkeit wieder „gute Nachrichten“ anbieten zu können.

„Die Menschen wollen seriöse und integre Nachrichten. Nicht jeder, nicht viele, vielleicht fünf Prozent und fünf Prozent mehr von irgendwas macht den Unterschied in diesem Land aus. […] Der Journalismus muss wieder ein ehrbarer Beruf werden. Eine tägliche Nachrichtensendung mit einer Debatte, die einer großen Nation würdig ist. Anstand, Respekt, eine Rückkehr zu dem, was mal wichtig war. Schluss mit Zankereien, Klatsch und Voyorismus.“

Im Prinzip also genau das, was der Nachrichtensprecher während seines Ausrasters implizit angeprangert hat. Allerdings hält Will MacKenzies Plan von einer gleichzeitig guten und populären Nachrichtensendung zunächst für nicht umsetzbar. Nur um wenig später feststellen zu müssen, dass er eventuell vorschnell geurteilt hat.

Zeit für Don Quichote

Obwohl „The Newsroom“ mit drei Staffeln bereits seit geraumer Zeit vollständig abgedreht ist, hat sie doch eher den Status eines Geheimtipps innne. Ein sträflicher Missstand, bei dem durchwegs sympathisch, teilweise hochkarätig besetzten Cast (z.B. Dev Patel, Olivia Munn und Jane Fonda), den messerscharfen Dialogen und den interessanten Thematiken, welche die Serie aufgreift.

„The Newsroom“ ist dabei vor allem eines: Eine Ode an den klassischen Journalismus. Immer wieder drehen sich die Folgen um die Frage danach, wie gute Berichterstattung auszusehen hat. Wie Don Quichote wollen Will und sein Team den Kampf gegen die Windmühlen des Sensationsjournalismus aufnehmen, der zwar aussichtslos erscheint, aber dennoch die Schlacht wert ist. Dabei greift die Serie immer wieder reale Ereignisse auf, wie etwa die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010, oder die Erschießung von Osama bin Laden durch amerikanische Navy Seals im Jahr 2011.

Neben ethischen, moralischen oder politischen Fragen in Bezug auf die Berichterstattung, stehen die  Beziehungen der Charakter untereinander im Mittelpunkt der Serie. Die Charaktere sind dabei so liebevoll geschrieben und inszeniert, dass selbst klassische „Er will Sie und umgekehrt, aber keiner von beiden traut sich das auszusprechen“ – Geschichten, frisch und unterhaltsam ausfallen. Nur manchmal kommen diese zwischenmenschlichen Handlung ein wenig schwülstig daher und auch an dick aufgetragenem Patriotismus spart die ein oder andere Episode nicht.

Dennoch wer auf Dialogfeuerwerke oder die Filme von Aaron Sorkin steht, wird auch hier bestens unterhalten werden. Auch für alle, die sich generell für Journalismus interessieren, ist die Serie ein absolutes Muss. Die Sendung versucht dabei immer wieder aufzuzeigen, dass guter Journalismus nicht nur wichtig ist, sondern dass man ihn aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz immer noch betreiben kann. So bringt der Chef der fikitven Nachrichtensendung Charlie am Ende der ersten Episode den gnadenlosen Optimismus, den „The Newsroom“ jede Minute versprühen will, auf den Punkt.

„Weißt du was kleiner, in den alten Zeiten und vor 10 Minuten, zeigten wir gute Nachrichten. Und weißt du wieso? Wir hatten uns einfach dazu entschieden.“

 

Thomas Pillgruber

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