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Vom Vorlesungssaal zur Legendenerzählerin

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen –
Das Roman-Debüt von Ulla Scheler 

Ulla Scheler (c) Blende11

Ein toter Vogel, ein nasser Schlafsack und dann auch noch Blut. Diese Anzeichen führen zur Legende, die besagt, dass jedes Jahr ein junger Mann in einer stürmischen Nacht an jenem Strand stirbt. Für diese Legende schrieb Ulla Scheler, 22, ihr gesamtes Buch um. Ihre Vorliebe für Legenden und Märchen hat sie dabei schon lange.

„Es geht eine gewisse Macht von der Geschichte aus“, sagt die Studentin, die bis 2016 noch Psychologie an der LMU studierte. Mittlerweile studiert sie Informatik in Karlsruhe, doch sie ist sich sicher, dass sie den Rest ihres Lebens in München verbringen will. Diese Stadt hat sie gepackt wie das Schreiben, dass sie schon vor Jahren begann. Ihr Roman Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen ist dabei eigentlich nicht der erste, den sie verfasste. „Aber der erste, den ich gut genug fand, um ihn jemand anderem zum Lesen zu geben.“

„Wie es sich anfühlte, ihn zu sehen? Als hätte ich einen Monat lang durch einen Strohhalm geatmet.“

Über drei Jahre schrieb sie an dem Buch, verstaute das Skript in der Schublade und holte es zur Überarbeitung immer mal wieder heraus. Ein Genie, das die Geschichte einfach so runter schreibt, sei sie nicht. Frustrierend sei es manchmal gewesen, weil sie für jede geschriebene Seite mindestens drei Versuche dazu wegschmiss. Doch gerade diesen Aufwand liest man heraus. Die Kleinigkeiten der Legende, die Eigenarten der besten Freunde Ben und Hanna und vor allem das Ende sind detailliert und perfekt aufeinander abgestimmt. Man wird zurückversetzt in den Sommer nach dem Abitur – eine Zeit, die viele Studenten bestens in Erinnerung haben.

Auch für die Autorin war die Zeit nach dem Abitur sehr intensiv. Sie arbeitete als Kinderanimateurin in Marokko, doch was spaßig und locker klingt, endete mit einer Lebensmittelvergiftung und einem cholerischen Chef. Es zog sie weiter zum Fernsehen und zu Tageszeitungen. Doch ihr Interesse für den Menschen wuchs, sie tauschte Medien gegen Gehirnforschung. Zur Informatik kam sie nach ihrem Psychologie-Studium dann, weil sie technische Ergänzungen im Umfeld des Menschen erforschen wollte. Ihre Studiumskombination klingt dabei so verrückt, wie die Interaktion zwischen Mensch und Maschine manchmal sein kann.

Erschien 2016 im Heyne fliegt Verlag.

Verrückt klingt auch die Freundschaft zwischen Hanna und Ben. Zusammen aufgewachsen sind sie ein Herz und eine Seele, bis zu dem Tag, an dem Ben einfach verschwindet. Doch er kommt wieder und fordert Hanna auf, mit ihm zu verschwinden, bevor sich ihre Wege nach dem Abitur trennen. Hanna folgt ihm und will endlich herausfinden, wieso er so unberechenbar ist – und wie hängt eigentlich der Tod seines Vaters damit zusammen? Es folgt eine tragische Liebesgeschichte, mit der Ulla Scheler ein spannendes Debüt schuf.

„Da sind sie wieder, die Tränen. Die Wellen. Ebbe und Flut.“ 

Vor allem das Meer wird symbolträchtig für die gesamte Handlung. Es zieht sich durch die Geschichte und sorgt neben der passenden Atmosphäre auch für den Umschwung. Auch ihr nächster Roman, der Ende des Jahres erscheinen soll, setzt ein Element besonders in den Fokus. „Es wird jedoch kein Zyklus, auch wenn es diesmal um das Feuer geht“, sagt Ulla Scheler. Sie verriet jedoch, dass die Handlung in München spielen wird – die Stadt, die sie nicht mehr loslässt.

Ihr seid neugierig geworden? Dann schaut doch mal in die Leseprobe rein!

Sandra Will

 

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