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Route 66 – viel mehr als ein Roadtrip

 Die Geschichte der Route 66 ist auch die Geschichte Amerikas –  
Portrait eines Highways

Wüste, einsame Farmen und verlassene Häuser einerseits,  Glamour, Glitzer und Hollywood andererseits – die USA vereinen beides.  Mitten hindurch führt die wahrscheinlich ikonischste Straße der Welt: die Route 66. Kaum ein Land ist so sehr darauf ausgerichtet, alles mit dem Auto zu erledigen. Essen, Medikamente und Bargeld – für alles gibt es einen drive thru. Und so wie das Auto fest mit der amerikanischen Geschichte verbunden ist, so sind es natürlich auch die Highways. Die Route 66 verläuft von Chicago nach Los Angeles. Sie durchquert dabei acht Staaten: Illinois, Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexico, Arizona und Kalifornien. Ihre wechselhafte Geschichte spiegelt auch immer den Zustand Amerikas wider.

Nur die Straße und du - die Route 66 führt durch einsame Gegenden

Nur die Straße und du – die Route 66 führt durch einsame Gegenden

Als die Straße 1926 als Ganzes fertiggestellt wurde dauerte es nicht lange bis sie Zeuge einer der größten Krisen der amerikanischen Geschichte wurde. Im Zuge der Wirtschaftskrise zogen in den dreißiger Jahren tausende von verarmten Landarbeitern aus Oklahoma und Texas Richtung Kalifornien. Jahrelange Staubstürme hatten ihre Felder fast unbenutzbar gemacht und sie hofften auf den Obstplantagen im Westen Arbeit zu finden. Doch es gab längst nicht genug Arbeit für alle. Viele konnten, wenn überhaupt, nur zu Dumpinglöhnen arbeiten. So wurden die Hoffnungen der meisten bitter enttäuscht und die Route 66 zum Symbol ihrer Verzweiflung.

Doch der Highway durchlebte auch bessere Zeiten. Nach Ende des zweiten Weltkriegs war er die wichtigste Verbindung in den Westen. Neue Fabriken und Industriezweige lockten viele an die Pazifikküste. In dieser Zeit blühten die Städte entlang der Route 66 auf. Die Reisenden brauchten Benzin, Essen und eine Unterkunft. Die amerikanische Wirtschaft hatte sich mit dem New Deal erholt und der Tourismus wurde zu einer wichtigen Einnahmequelle. Die Route 66 stand für einen neuen, selbstbewussten Optimismus.

Ein typischer Anblick - eine verlassene Tankstelle

Ein typischer Anblick – eine verlassene Tankstelle

Doch nach und nach fiel die Route 66 der Modernisierung zum Opfer. Der teilweise nur einspurige Highway reichte nicht mehr aus und wurde nach und nach durch begradigte Interstates ersetzt. Damit wurden viele kleinere Städte abgeschnitten und es setzte ein Verfall ein, der bis heute andauert. In manchen Gegenden gibt es mehr verlassenen Motels als Einwohner; geschlossene Tankstellen und rostige Oldtimer erinnern an bessere Zeiten. Wie viele Amerikaner wurde die Route 66 vom Fortschritt überholt.

Heutzutage ist der Highway ist nicht mehr durchgängig befahrbar. Wer sich aber die Zeit nimmt und die alten Teilstücke fährt, wird mit einem legendären Road Trip belohnt. Man lernt ein ganz anderes Amerika kennen als es im Fernsehen gezeigt wird. In den kleinen Städten an der alten Route 66 erzählen die Einwohner gerne von den glorreichen Zeiten früher – und den Problemen jetzt. Die Route 66 ist deshalb nicht einfach nur ein guter Road Trip. Sie ist eine Möglichkeit ein zerrissenes Land besser zu verstehen.

Anne Hilsberg

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