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Im Bann der Räuber

Die hypnotisierende Inszenierung von Schillers Klassiker im Residenztheater

Der Weg ins Residenztheater zur Aufführung von Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ gestaltete sich schwieriger als gewohnt: bereits einen Monat vorher waren fast keine Karten mehr verfügbar und interessierte Theaterfans mussten gut 20 Minuten in der Warteschleife des Kartenvorverkaufs verbringen, ehe sie sich die letzten Karten erobern konnten. Dementsprechend hoch waren denn auch die Erwartungen an die Inszenierung.

Valery Tscheplanowa (Franz Moor), hinten Ensemble

© Thomas Dashuber Valery Tscheplanowa (Franz Moor), hinten Ensemble

„Die Räuber“ ist ein Drama von Friedrich Schiller in fünf Teilen. Es handelt von zwei Brüdern: Karl, der eine schöne Verlobte hat und vom Vater geliebt wird und Franz, der jüngere Bruder, der das schwarze Schaf der Familie ist. Letzterer neidet seinem Bruder seinen Status und hintergeht ihn, um die Gunst des Vaters und der Frau zu gewinnen, woraufhin der Bruder sich, verzweifelt und vom Vater verstoßen einer Räuberbande anschließt, womit er seinen gesellschaftlichen Fall zu besiegeln scheint.

Die Bühne war schlicht aber doch eindrucksvoll gestaltet: zwei gigantische sich drehende Laufbänder, auf denen sich denn auch die gesamte Handlung abspielte. Vor Beginn des Stücks nehmen die Musiker ihre Plätze auf der Bühne ein: zwei Geigen, ein Schlagzeug und ein Bass.

Mit Karabiner im Kostüm

Das Stück wurde mit einer außergewöhnlich großen Zahl von Schauspielern inszeniert, viele stellten die Räuberbande dar und bildeten gleichzeitig den Chor, der die Musikanten unterstützte. Die Kostüme waren sehr schlicht, aber es war eindeutig zu erkennen, wer den Räubern und wer der gehobenen Gesellschaft angehört, einziger Makel waren die Sicherheitsgurte, die die Schauspieler auf den sich drehenden Laufbändern tragen mussten, um sich auf den Bändern zu befestigen. Dies führte dazu, dass die Schauspieler beim Auf- und Abgang stets erst ihre Karabiner ein- und aushaken mussten, was die Darbietung doch etwas gestört hat.

DIE RÄUBER/Residenztheater

© Andreas Pohlmann Ensemble

Die Darbietung des Dramas selbst fand eher in Vortragsform statt, als dass es wirklich gespielt wurde. So blieb zwar der genaue Wortlaut erhalten – und dies ist ja bei vielen Stücken heutzutage nicht mehr der Fall und vielleicht genau deswegen etwas Besonderes – jedoch war es dadurch deutlich schwieriger dem Verlauf des Stücks zu folgen als in anderen Inszenierungen, da die Schauspieler praktisch nicht miteinander interagierten, unaufhörlich auf den Laufbändern geradeaus marschierten und den Blick stets nur auf das Publikum gerichtet hielten. Zudem wurde das Ganze vom steten Rhythmus der Trommeln untermalt, wodurch eine gewisse hypnotische Monotonie erzeugt wurde. Diese Inszenierung ist insofern jedoch ausgesprochen schlüssig, als das Drama nicht zur Aufführung, sondern ursprünglich nur zur reinen Lektüre gedacht war.

Diese ungewöhnliche und besondere Inszenierung ist keine leichte Abendunterhaltung. Doch wer Begeisterung für „Die Räuber“ oder zumindest das Genre des Dramas mitbringt, wird nicht enttäuscht.

Die nächsten Termine, um die Räuber zu sehen: 31.12.16, 01.01.16
Preis für Studenten: 8 €

Tonja Dingerdissen

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