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Filmtipp: Das Mädchen Wadjda

Das Mädchen Wadjda – Der erste Kinofilm einer saudi-arabischen Regisseurin

 

Die Hausarbeiten sind endlich abgegeben, die Tage werden wieder kürzer, es ist kalt und ihr habt Lust, einen Abend einfach mal gemütlich auf dem Sofa mit einem richtig guten Film zu verbringen, statt feiern zu gehen?
Dann habe ich eine Film-Empfehlung aus Saudi-Arabien für euch: Das Mädchen-Wadjda von Haifaa Al Mansour. Es ist der erste von einer Frau gedrehte Kinofilm aus dem  Königreich. Den Film entdeckte ich vor nicht allzu langer Zeit beim Filmfest München und war begeistert. Während der Filmfestspiele von Venedig im Jahr 2012 galt dieser Film nicht ohne Grund als „kleine Sensation“.

 

Wadjda und ihr Traum von einem Fahrrad
Das Mädchen Wadjda (2012, im Original nur Wadjda, ar.: وجدة) ist ein Film, der in der saudi-arabischen Stadt Riad spielt und die Geschichte der 10-jährigen Wadjda erzählt, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ein eigenes Fahrrad zu besitzen. Dann könnte sie endlich den Nachbarsjungen Abdullah in einem Rennen schlagen und mit ihm durch die Straßen flitzen.
Auf ihrem Schulweg kommt Wadjda an einem Spielzeugladen vorbei und entdeckt dort ein grünes Fahrrad, welches sie unbedingt haben möchte, obwohl es sehr, sehr teuer ist und es Mädchen und Frauen in Saudi-Arabien ohnehin untersagt ist, Fahrrad zu fahren.
Doch Wadjda, die in einer Gesellschaft mit strengen Konventionen aufwächst, besitzt Mut, eine gesunde Portion an Witz und denkt sich bald einen Plan aus, wie sie Geld für das Rad verdienen könnte…

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Wadjda und der Verkäufer des grünen Fahrrads ©Razor Film

Der erste in Saudi-Arabien gedrehte Kinofilm
Das Drehbuch zum Film schrieb Haifaa Al Mansour, die auch Regie führte. Es handelt sich um eine deutsch-saudische Produktion.
Das Besondere an der ganzen Sache ist, dass dieser Film als erster Kinofilm gilt, der komplett in Saudi-Arabien gedreht wurde. In Saudi-Arabien gibt es nämlich keine Kinos. Wer sich dort also für Kinofilme interessiert, muss nach Bahrain oder Kuwait reisen. Aber noch wichtiger: er wurde von einer Frau gedreht.  Die Filmcrew, die sich aus Deutschen und einheimischen Arabern zusammensetzte, stand in Riad, dem Drehort, also vor einigen Herausforderungen. Denn, wie dreht man einen Film in einem Land, in dem Kinos verboten sind, mit einer Regisseurin und einem Mädchen in der Hauptrolle, das Fahrrad fahren möchte?
Es war also nicht immer ganz einfach. Die Crew benötigte eine besondere Erlaubnis des saudi-arabischen Kulturministeriums. Während des Drehs gab es einige Dinge, die die Arbeit erschwerten: von der strikten Geschlechtertrennung bis hin zu den Gebetszeiten. Haifaa Al Mansour saß während der Dreharbeiten teilweise sogar in einem Van vor einem Monitor und gab von dort aus per Walkie-Talkie Regieanweisungen an die Schauspieler und das restliche Team.

Dreharbeiten in Riad ©Razor Film

Einblicke in den Alltag eines Mädchens in Saudi-Arabien
Der Zuschauer wird zum Beobachter in einer, für das westliche Publikum, fremden Welt. Er erhält Einblicke in das alltägliche Leben eines Mädchens in Saudi-Arabien. Die Frauen sind verschleiert und werden in einer Art Sammeltaxi zur Arbeit oder zum Einkaufen gefahren. In der Schule, die auch nach Geschlechtern getrennt ist, gibt es Koranvers-Rezitationswettbewerbe.
Grün und Beigetöne dominieren als Farbschema den Film. Grün ist gleichzeitig auch die Farbe der Religion, des Propheten – und des Fahrrads, das sich die Schülerin wünscht. Man schließt Wadjda, das Mädchen, das seine Chucks mit schwarzem Edding anpinselt, sofort ins Herz. Es gibt einige Szenen, in denen nicht viel gesagt wird, die aber eine unglaubliche Bild- und Filmsprache besitzen, nicht zuletzt durch die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Waad Mohammed.
Ein geeignetes Mädchen für die Besetzung der Wadjda zu finden, war schwierig, da viele Familien es ihren Töchtern verweigern, an einem Casting teilzunehmen. Waad Mohammed, die das erste Mal in einer Produktion zu sehen ist, passt wunderbar in die Rolle. Zum Casting erschien sie damals in ihren eigenen Chucks und war der Jury sofort sympathisch, denn sie hatte das bestimmte Etwas, vielleicht das frech-rebellische, das sie in der Rolle der Wadjda wunderbar zum Ausdruck bringt.

Abdullah schenkt Wadjda einen Helm ©Razor Film

Mehr sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten: ein bisschen Spannung muss bleiben für so einen großartigen Film. Wer also einmal Lust auf einen Streifen hat, an den man sich noch lange erinnern wird und dem eine interessante Produktionsgeschichte zu Grunde liegt, sowie eine mutige Frau als Regisseurin, dem lege ich Das Mädchen Wadjda sehr ans Herz. Ein Film, der bei uns mit Sicherheit mehr Aufmerksamkeit und ein größeres Publikum verdient hätte.
Neugierig geworden? Einen kleinen Vorgeschmack gibt zum Abschluss noch der Trailer:

©Koch Media Film

 

Ornella Cosenza

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