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Der Serienguide: Preacher – Whisky statt Messwein

Auf der Suche nach Serien-Nachschub?

Seit einigen Jahren wandelt sich die TV-Landschaft. Galt es früher noch als Todesurteil für die Karriere eines Schauspielers, wenn er vom Film zu einer Serie wechselte, toben sich die Darsteller mittlerweile sowohl auf den großen, als auch auf den kleinen Leinwänden aus. Doch nicht nur, dass Serien immer hochkarätiger besetzt werden, auch inhaltlich trauen sich die Produzenten immer mehr! Bei der Flut an neuen und grandiosen Serien kann man allerdings leicht den Überblick verlieren. Deswegen möchte ich euch regelmäßig einige Serienjuwele vorstellen, die ihr vielleicht noch nicht kennt. Dieses Mal geht es um:

Preacher

"Prediger" Jesse Custer ist kein gewöhnlicher Pfaffe.

„Prediger“ Jesse Custer ist kein gewöhnlicher Mann Gottes. ©AMC

Ihr wolltet schon immer mal einen Jungen sehen, dessen Gesicht aussieht wie das Loch, das sich in der Mitte eines gluteus maximus (so umschreibt man als Bildungsbürger das Wort „Arsch“) befindet? Eine Pilotfolge, bei der ein afrikanischer Priester, ein Satanist und Tom Cruise explodieren, entspricht eurer Vorstellung von gediegener Abendunterhaltung? Wenn ein irischer Vampir und amerikanische Prediger sich ordentlich einen hinter die Binde kippen, bekommt ihr auch direkt eine trockene Kehle? Und ein Schlachthausbesitzer mit der Attitüde eines Bürgerkriegsgenerals, der bei der Inspektion eines Kuhdarms keinen Unterschied zu einem menschlichen feststellen kann, klingt irgendwie sympathisch, oder zumindest interessant für euch? Dann hab ich eine schlechte und eine gute Nachricht für euch. Die schlechte, ihr habt wahrscheinlich ein paar Schrauben, eventuell auch einen ganzen Baumarkt, locker. Die gute: Wenn all das eure Neugierde geweckt hat, dann ist „Preacher“ Zucker für euch. Eine Serie über … naja … so ganz genau, weiß ich das selber noch nicht.

Kern der Geschichte ist der Priester Jesse Custer (Dominic Cooper: The Devil´s Double), der eines Tages an eine religiöse „Macht“ kommt. Mit dieser kann er durch die Kraft seiner Worte, Menschen zwingen, seinem Willen zu folgen. Zunächst hält er diese Gabe für ein Geschenk und versucht damit, die Sünder seiner Gemeinde zu bekehren. Nach und nach ergeben sich allerdings einige gewaltige Probleme. Die Serie verrät nur Stück für Stück, was eigentlich vor sich geht und entfaltet sich größtenteils über diverse Sidestorys. Sei es die Beziehung zwischen Jesse und seiner großen Liebe Tulip O´Hare (Ruth Negga: Warcraft the Beginning) oder die Hintergründe der zwei merkwürdigsten Babysitter Fiore (Tom Brooke: Radio Rock Revolution) und DeBlanc (Anatol Yusef: Boardwalk Empire), die versuchen Jessie ein Schlaflied zu singen und deswegen ein Hotelzimmer bis unter die Decke mit Leichen von ein und derselben Frau zupflastern.

Mehr abstruse und merkwürdige, aber dennoch interessante Charaktere und Erzählstränge als in „Preacher“ sind mir selten begegnet. Dazu hatte ich bei keiner Serie so viele“WTF“-Momente und mich dennoch so gut unterhalten gefühlt wie hier. Der Humor ist zwar teilweise ziemlich derb und es wird auch des Öfteren recht blutig, aber wen das nicht schreckt, kann ich nur empfehlen, sich die Geschichte des „Predigers“ anzuschauen.

Thomas Pillgruber

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