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Der Serienguide: Gangster für Anglistiker

Auf der Suche nach Serien-Nachschub?

Seit einigen Jahren wandelt sich die TV-Landschaft. Galt es früher noch als Todesurteil für die Karriere eines Schauspielers, wenn er vom Film zu einer Serie wechselte, toben sich die Darsteller mittlerweile sowohl auf den großen, als auch auf den kleinen Leinwänden aus. Doch nicht nur, dass Serien immer hochkarätiger besetzt werden, auch inhaltlich trauen sich die Produzenten immer mehr! Bei der Flut an neuen und grandiosen Serien kann man allerdings leicht den Überblick verlieren. Deswegen möchte ich euch regelmäßig einige Serienjuwele vorstellen, die ihr vielleicht noch nicht kennt. Dieses Mal geht es um:

Peaky Blinders – Gangs of Birmingham

Thomas "Tommy" Shelby, will hoch hinaus.Thomas „Tommy“ Shelby will hoch hinaus. © BBC

Wer kennt das nicht, man sitzt vor dem Rechner und die Hausarbeit liegt minimiert in der Taskleiste. Anstatt seinen Genius in 30.000 Zeichen zu verwandeln, wird selbiger von bewegten Bildern auf einer Mattscheibe stimuliert. Ich glaube, ich habe zu keinem Zeitpunkt in meinem Leben mehr Serien am Stück durchgeschaut als in den Hausarbeitsphasen. So begab es sich zu einer Zeit, als der Ruf der Uni mich ereilte, dass mein persönlicher Jiminy Grille nicht zugegen war. Frei der Fehlermeldung 404 folgend, hatte sich mein Gewissen in den Urlaub verabschiedet. Nicht bedacht hatte es allerdings, dass vorlesungsfreie Zeit nicht gleichbedeutend mit freier Zeit ist. Um den Hakenhänden der Hausarbeit zu entkommen, flüchtete ich mich in die Tiefen des Internets und fand dort: Birmingham, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Zu der Zeit spielt nämlich die Serie „Peaky Blinders“. Die erste Folge selbiger wurde zwar bereits 2013 ausgestrahlt, dennoch scheinen viele dieses Juwel der Serienkinematographie nicht zu kennen.

Hauptfigur der Serie ist Thomas „Tommy“ Shelby, gespielt von Cillian Murphy („Batman Begins“). Dieser führt mit seinen Brüdern, Arthur (Paul Anderson: The Revenant) und John (Joe Cole: Payback – Tag der Rache),  die Straßengang der „Peaky Blinders“ an. Der durch den Einsatz im Ersten Weltkrieg schwer traumatisierte Tommy hat eigentlich nur ein Ziel: Expandieren. Durch Gewehre der Armee, die den Blinders in der ersten Staffel in die Hände fallen, versuchen sie ihre Geschäfte voran zu treiben. Allerdings geraten sie dadurch ins Visier der Regierung und des auf sie angesetzten Chief Inspectors Chester Campbell (Sam Neill: Jurassic Park), welcher unerbittlich versucht, Tommy festzunehmen.

Dazu schleust er z.B. die Undercover Ermittlerin Grace (Anna Wallis: Annabelle), bei der Gang ein, die sich aber nicht entscheiden kann, ob sie Tommy und seine Geschäfte wirklich auffliegen lassen will, oder nicht. Nebenbei versucht auch die irische Rebellenorganisation IRA an die Waffen zu kommen, was die Situation auch nicht grade leichter macht. In der zweiten Staffel versucht die Gang, in London Fuß zu fassen und gerät dabei zwischen die Fronten des jüdischen Schwarzbrenner Alfie Solomon (Tom Hardy: Inception) und dem italienischen Wettbürobetreiber Darby Sabini.

Wer Ausstattungsfilme mag, wird mit dieser Serie seine helle Freude haben. Das englische Königreich unter George V im Jahre 1919 wird mit viel Liebe zum Detail wieder zum Leben erweckt. Noch dazu ist die Serie hochkarätig besetzt. Besonders der fast manisch getriebene Cillian Murphy gibt in der Hauptrolle eine grandiose Performance. Für alle BWLer, die sich nicht getraut haben, Anglistik zu studieren, sowie für die Anglisten selbst, ist die Originalversion der Serie ein absolutes Muss. Selten bekommt man so viele Versionen der englischen Sprache zu Ohren wie hier. Ob schottischer, irischer oder sonst ein englischer Akzent, in dieser Serie sind sie alle vertreten. Bisher sind drei Staffeln erschienen, wobei die dritte bisher noch nicht für Deutschland veröffentlicht wurde. Nachschub ist  in Planung, denn BBC hat die Serie bereits um zwei weitere Staffeln verlängert.

 

Thomas Pillgruber

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