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Von Telefonaten, Tätigkeiten und Sinnfragen

Das philosophisch-humoristische Podcast „Stefan Natzel auf der Suche nach dem Sinn“

„Was machst du so?“ Jeder von uns hat diese Frage sicherlich schon oft genug gestellt oder sie beantwortet. Mal bewusster und bestimmter, mal ungezwungener oder ohne darüber nachzudenken, welche Erwartungen in der Frage mitschwingen oder welche vermeintlichen Rückschlüsse die Antwort auf die eigene Person zulassen könnte. Doch kratzt man an der Oberfläche dieser scheinbar standardmäßigen Frage, tritt ein Problem zum Vorschein, das schon seit der Aufklärung existiert: Man wird über das definiert, was man beruflich tut. Es prägt den ersten Eindruck, den man von einem Menschen gewinnt. Schnell steckt man sein Gegenüber, wenn auch unbewusst, in eine Schublade, man ordnet ihn oder sie einer bestimmten Gruppe zu und zieht so automatisch Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Gesprächspartners. Doch welche Gewichtung hat meine berufliche Tätigkeit für mich, mit welcher Sache möchte ich meinem Leben Sinn geben?

Heiner Stöckle und Stefan Natzel (von links) (c) Miriam Fendt

Heiner Stöckle (links) und Stefan Natzel (c) Miriam Fendt

Die beiden Freunde Stefan Natzel und Heiner Stöckle setzen sich auf humoristische Art mit dem Thema Sinnfrage auseinander. Für das gemeinsame Podcast „Stefan Natzel auf der Suche nach dem Sinn“ ruft Stefan, der arbeitslose Akademiker mit dem Bachelor in Philosophie, bei Firmen an und fragt dort nach Arbeit. Denn das sei, laut Heiner, „die naheliegendste Option“, um eine Arbeitsstelle zu finden. Heiner, der ein Jahr lang Tontechnik in Schweden studiert hat, kümmert sich um die Technik und verleiht dem Ganzen den richtigen Ton. Bisher haben die beiden drei Audiopodcasts gemacht – und einen Deal: Sollte Stefan eine Zusage erhalten, muss er den Job dann auch machen. Ob er nun wirklich jede angebotene Arbeit annehmen würde? „Ja, der Deal sagt‘s, also würde ich das mit genauso viel Herzblut machen, wie Heiner die Brauerei Rapp liebt.“

Mit der Brauerei „Rapp“ startete das Projekt. Stefan fragte dort, ob er als Fahrer für die Brauerei arbeiten könnte, welche ihren Verdienst allein durch das Ausliefern von Getränken macht. Als nächstes klingelte das Telefon bei „Britta Wasserfilter“. Beim Recherchieren auf der Internetseite des Unternehmens fiel den Freunden auf, dass die Wasserfilter lediglich von Frauen und Kindern präsentiert wurden. Also versuchte Stefan sich als männliches Model zu bewerben, wurde von der kompetenten Gesprächspartnerin zum Marketing weitergeleitet, wo dann jedoch keiner den Anruf entgegennahm. Den letzten Anruf machte Stefan bei Jürgen Habermas – angetrieben vom Gerücht, er suche jemanden, der ihm die bestellten Bücher aus der Bayerischen Staatsbibliothek hole. Leider stellte sich schnell heraus, dass es nicht der Wahrheit entstammte und so war das Telefonat auch schon viel zu schnell beendet. Auch Stefan bedauert dies im Nachhinein: „Habermas hätte ich mehr fragen sollen. Bei Habermas war ich nervös.“

Denn Stefan telefoniert eigentlich gar nicht gerne und ruft dennoch als reale Person an, er spielt keine Rolle. Darin besteht auch der Unterschied zwischen „Stefan Natzel auf der Suche nach dem Sinn“ und den klassischen Klingelstreichen, die wir aus Radio oder Fernsehen kennen. „Die Intention von uns ist nicht, Leute zu verarschen. Klar hat das, was wir tun, einen humoristischen Aspekt. So ist aber einfach unser Habitus im Umgang mit der Umwelt“, beschreibt Heiner ihr Anliegen. „Wir rennen ja nicht weg, sondern wir suchen gezielt nach der Konfrontation mit dem Arbeitsmarkt.“

Heiner Stöckle und Stefan Natzel (von links) (c) Miriam Fendt

Heiner Stöckle (links) und Stefan Natzel (c) Miriam Fendt

Die Idee für das Podcast kam den beiden bei der Erarbeitung des Stücks „Sinnspagat – (M)ein Gott, ich lach doch nicht!“ vom Kollektiv „Theater Tut Weh“ , das am 17. Juni in der Mucca Halle Premiere feiert. Hier hatten sie sich intensiv mit der Sinnfrage beschäftigt und so vorab schon Menschen gefragt, was ihnen Sinn gibt. „Und das ist super interessant, weil in den Gesichtern der Leute etwas passiert. Weil sie vielleicht einen Angriff auf ihre Lebensweise erleben oder so. Oder merken, dass sie sich noch nie Gedanken darüber gemacht haben“, erklärt Heiner.

Die Auseinandersetzung mit der Frage ist wichtig und trifft uns im alltäglichen Leben oft auf dem falschen Fuß. Wer nach dem Hören der Podcasts mit Stefan und Heiner in Kontakt treten möchte, ist herzlich dazu eingeladen, Feedback oder Nachfragen an die beiden zu schicken. Ein konkretes Ziel verfolgen sie mit ihrem Podcast nicht, denn es könne erst dann richtig gut werden, wenn man kein gezwungenes Ziel hat, sagt Stefan. Sicher ist trotzdem, dass die beiden nicht aufhören, sich wöchentlich zu treffen und sich Neues einfallen lassen, um ein wenig Philosophie in unseren Alltag zu bringen.

Wir sind gespannt und wünschen weiterhin viel Erfolg!

Hier könnt ihr übrigens alle Folgen anhören und hier geht’s zur Facebook-Seite!

Miriam Fendt

1 Kommentar

  1. Laut Duden heißt es übrigens ‚der Podcast‘ und nicht ‚das Podcast‘.

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