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Quinoa statt Vollkornsemmel

Morgens auf dem Weg zur Uni mit einer warmen Breze zum Coffee to go den Tag beginnen. Mittags zwischen Vorlesung und Seminar mal eben zum Bäcker laufen, um eine dick belegte Käsesemmel zu holen. Zwischendurch eine Schachtel Kekse essen, Eis in der Waffel genießen, oder sich in einem Café ein riesiges Stück Kuchen gönnen. Abends mit Freunden Pizza essen gehen und zum Nachtisch eine Ladung Tiramisu verspeisen. Klingt alles ziemlich alltäglich, oder? Nicht, wenn man kein Gluten essen kann.

Als mir vor einem Jahr ein Arzt erzählt hat, dass ich eine Schilddrüsenautoimmunerkrankung habe und fortan unbedingt auf Gluten verzichten muss, war mein erster Gedanke: Ach du scheiße. Gluten ist ein Klebereiweiß und befindet sich in Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel und Grünkern, also in so gut wie allen herkömmlichen Teigwaren. Das Zeug ist wirklich überall! Sogar in Bier! Katastrophe. Nachdem ich mich ein paar Monate lang effizient vor der Wahrheit gedrückt habe, musste ich irgendwann einsehen, dass ich mich bald von meiner Schilddrüse verabschieden könnte, wenn ich meine Ernährungsgewohnheiten nicht umstelle. Das Problem ist nämlich, dass mein Immunsystem einen an der Klatsche hat und Schilddrüse nicht von Gluten unterscheiden kann. Deswegen greift es einfach mal beides an. Ganz super. So begann also letzten Oktober ein neuer Abschnitt für mich: Ein Leben ohne Gluten.

Eigenkreation: Süßkartoffeln, Quinoa, Feta-Käse und Zwiebeln

Eigenkreation: Süßkartoffeln, Quinoa, Feta-Käse und Zwiebeln (c) Stephanie Berens

Gar nicht so einfach, wie ich schnell feststellte. Am leichtesten war es noch, glutenfreie Nudeln zu finden. Ohne die wäre ich als Student auch echt aufgeschmissen. Mittlerweile gibt es zum Glück in manchen Supermärkten wie Tengelmann glutenfreies Brot, Mehl und Kekse zu kaufen, dm hat ein ganzes Regal voll mit Produkten der Marke Schär (nicht uneingeschränkt zu empfehlen, am Geschmack muss in manchen Fällen echt noch gearbeitet werden…) und auch Bio-Läden sind eine gute Anlaufstelle für glutenfreie Lebensmittel. Ansonsten ist man eben dazu verdammt, mehr Fleisch, Obst und Gemüse zu essen. Oder in meinem Fall auch nur Obst und Gemüse, überzeugter Vegetarier und so.

Obwohl man beim Durchprobieren der wenigen glutenfreien Brotmarken manchmal angewidert das Gesicht verzieht, ungläubig auf das Preisschild einer Packung Nudeln starrt oder gelangweilt an einer Reiswaffel knabbert, während ein Stück Torte wie eine Fata Morgana vor dem inneren Auge vorbei schwebt, hat eine solche Ernährungsumstellung auch positive Seiten. Ob man’s glaubt oder nicht. Erstens ist man dazu gezwungen, alle Inhaltsangaben auf sämtlichen Verpackungen durchzulesen. Dadurch merkt man oft erstmals, wie viel Schrott in Form von Geschmacksverstärkern, Farbstoffen, Konservierungsstoffen oder unnötigem Zucker in manchen Produkten steckt. Da gibt man sein Geld doch lieber für frisches Gemüse aus. Zweitens wird man beim Kochen sehr kreativ. Ständiges Selberkochen ist sowieso unbedingt notwendig, da glutenfrei leben und auswärts essen meistens zwei unvereinbare Konzepte darstellen. Jedenfalls experimentiere ich in der Küche nun mit Quinoa und Süßkartoffeln, freue mich über Erfindungen wie Falafel und Tomatenburger und habe die perfekte Mischung aus Kochbananen- und Kastanienmehl für die weltbesten Pfannkuchen ausgeklügelt.

Suppe im Katzentempel

Leckere Suppe im Katzentempel (c) Stephanie Berens

Mittlerweile habe ich mich also ganz gut mit den Alternativen zu glutenhaltigen Lebensmitteln angefreundet und kann auch endlich wieder an Bäckereien vorbeilaufen, ohne gleich sabbernd und mit sehnsüchtigem Blick am Schaufenster kleben zu bleiben. Solange ich zuhause kochen kann, ist also alles schön und gut. Dummerweise hält die Außenwelt neben solchen fiesen Versuchungen wie Bäckereien oder – noch schlimmer – Donuts auch noch eine ganze Latte anderer Probleme bereit. Das fängt schon damit an, wenn man mit Freunden essen gehen will. Im Prinzip hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man sucht hektisch alle online verfügbaren Speisekarten ab, um irgendwas glutenfreies zu finden, oder man gibt sich einfach gleich mit einem Salat zufrieden, natürlich nicht ohne dem Kellner vorher streng einzuschärfen, dass da um Himmels willen keine Croutons drauf dürfen! Und wenn man in ein Café geht, kann man sich gleich mal darauf einstellen, dass es bei einem Kaffee bleiben wird, während der Rest der Gesellschaft fröhlich überdimensionale Kuchenstücke in sich hinein mampft. Ich warte noch drauf, dass die Hipster-Cafés neben veganem Kuchen auch endlich glutenfreien Kuchen als lukrative Marktlücke entdecken… Zum Glück gibt es einige, wenn auch wenige, glorreiche Ausnahmen in diesem Restaurantdilemma: Der Katzentempel in der Türkenstraße zum Beispiel bietet durch die legendäre Happy Bowl oder superleckere Suppen auch glutenfreie Gerichte an, und bei Pizzesco am Rosenheimer Platz gibt es – haltet euch fest – glutenfreie Pizza!

Ihr lebt selbst glutenfrei? Habt Freunde, die kein Gluten essen können? Oder kennt weitere Restaurants/Cafés in München, die uns Gluten-Phobikern das Leben leichter machen? Hinterlasst doch einen Kommentar und erzählt von euren Erfahrungen!

Stephanie Berens

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