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Auf einen Soja-Latte mit den Philosophen

Die Chefredaktion der Philosophie-Zeitschrift Cogito über Sinnkrisen, Philo-Slams und das kleine Einmaleins der Betriebswirtschaft

Philosophie ist unglaublich theoretisch und hat nichts mit dem Alltag zu tun. Das sind die Vorurteile vieler Studenten über das altehrwürdige, aber schon sehr theoretische Fach. Stimmt nicht ganz, sagen Sandra Müller, Matteo Zicchetti und Max Pointner. Die drei bilden die Chefredaktion der Philosophie-Zeitung Cogito, die an der philosophischen Fakultät der LMU entsteht, und wollen in ihrem Stammcafé Lost Weekend bei einem Soja-Latte die Idee hinter Cogito erklären. „Grundsätzlich wollen wir philosophische Fragen auf die moderne Lebenswelt übertragen“, erklärt Chefredakteurin Sandra. Die 27-Jährige hat ihren Master in Philosophie gemacht, und während sie nun nach einer Doktorandenstelle sucht, widmet sie sich mit viel Engagement der Zeitschrift. „Wir wollen zeigen, dass Philosophie sehr wohl etwas mit unserem Leben zu tun hat“, betont Matteo. Das Thema der aktuellen Ausgabe ist: „Neuer Realismus – was ist heute noch real?“ Keine leichte Kost, soll es auch gar nicht sein. Das Ziel der Zeitschrift sei es nicht, philosophische Inhalte zu vereinfachen; vielmehr sollen die Leser durch verschiedene Sichtweisen zum Nachdenken angeregt werden. Dafür schreiben zu jedem Thema Autoren verschiedenster philosophischer Disziplinen Beiträge. Ein Honorar gibt es dafür nicht: „Das ist den meisten aber auch nicht wichtig, sie freuen sich, dass es eine solche studentische Zeitschrift gibt“, berichtet Finanzer Max. Das Team achtet darauf, kostendeckend zu arbeiten. „Alles was über Null ist, wird sofort in die neue Ausgabe investiert“, so Sandra. Für Studenten wird die Zeitung zum erschwinglichen Preis von einem Euro abgegeben, bei Kooperationspartnern wie im Café Lost Weekend kostet sie drei Euro. „Unsere Preispolitik funktioniert unter anderem deshalb, weil Matteo super ist in der Anzeigenakquise“, freut sich Sandra.

Max, Matteo und Sandra sind die schärfsten Kritiker ihrer Zeitschrift

Max, Matteo und Sandra sind die schärfsten Kritiker ihrer Zeitschrift.

Die Köpfe hinter der Ausgabe

Gewinnorientierte Anzeigenakquise und die theoretische Welt der Philosophie, passt das zusammen? „Hmm, das ist oft eine Gratwanderung“, gibt Matteo zu. Kostendeckend arbeiten und  Leser ansprechen, aber gleichzeitig das Niveau und die philosophische Relevanz der Zeitung nicht antasten, eine schwierige Sache. „Klar, mit reißerischen Themen und kürzeren Texten könnten wir sicher ganz andere Leser ansprechen, aber das Niveau macht uns aus“, betont Matteo. Ihre treuen Leser sind Philosophiestudenten, Dozenten und auch fachfremde Interessierte. „Der schönste Moment ist, wenn ein Leser herkommt und uns sagt ‚Mensch, ich habe lange gebraucht um das Heft durchzuarbeiten, aber ich habe viel neuen Input bekommen’“, strahlt Sandra. Sie ist seit der dritten Ausgabe dabei, aktuell wird die siebte Ausgabe verkauft. „Wir erscheinen zweimal im Jahr, jedes Semester einmal“, erklärt Max. So sei es von Haus aus schwierig, direkt Bezug auf aktuelle Themen zu nehmen. Die Vorbereitungszeit sei aber auch nötig, gibt Sandra zu Bedenken und nippt an ihrem Kaffee, es dauere jedes Mal, passende Gastautoren zu finden und ihre Einwilligung zu bekommen. Da sei bei den Redakteuren oft diplomatisches Geschick und eine taktvolle Erinnerung an Deadlines gefragt. „Wir selber schreiben eher selten Artikel“, erklärt Matteo. Vielmehr seien sie der Kopf hinter der Ausgabe. Lektorat, Layout und Ausgabenplanung, oft werden die drei Monate bis zur Deadline knapp. „Also kurz bevor die Ausgabe in den Druck geht, denk ich mir jedes Mal, wieso tust du dir das an?“, gibt Sandra lachend zu. Gerade sei die Redaktion gut besetzt, es gab aber auch schon andere Zeiten.

„Was ist heute noch real?“

Um auch in Zukunft auf genug Redakteure zurückgreifen zu können, versucht das Team in der Öffentlichkeit präsenter zu sein. Neben den Ausgaben gibt es nun Philo-Slams, bei denen verschiedene Slammer einen Text zum philosophischen Thema der Ausgabe präsentieren und im Anschluss eine Diskussion in Gang kommen soll. Der Philo-Slam findet meist rund um die Veröffentlichung der neuen Ausgabe statt. Der Slam zum Thema „Was ist heute noch real?“ im Lost Weekend bekam viel Zuspruch. „Für die Zukunft planen wir vier Slams im Jahr“, erklärt Matteo unternehmenslustig. Auch in den sozialen Medien wie Facebook ist das Team von Cogito nun aktiver und sie sind mit ihrer Öffentlichkeitsoffensive auch noch nicht am Ende, wie alle drei deutlich machen. „Im Vertrieb können wir noch deutlich besser werden“, erklärt Max. Angedacht wären Kooperationen mit anderen Fachschaften an der LMU oder auch ein deutschlandweiter Vertrieb mit anderen Philosophie-Fachschaften. „Wir sind das einzige Philosophie-Magazin dieser Form in Deutschland“, verrät Sandra nicht ohne Stolz. So könnten sich die drei definitiv auch einen kommerziellen Vertrieb über Zeitungskioske vorstellen. „Erst mal werden wir jetzt dann aber am Münchner Hauptbahnhof verkauft“, berichtet Matteo. Aus diesem Grund wird die Auflage für die nächste Ausgabe  von 1.000 auf 1.500 Stück erhöht. Den Vertrieb organisieren, Preise aushandeln und die Auflage kalkulieren, die drei verstehen etwas von ihrem Metier.  Klingt auf den ersten Blick deutlich mehr nach einem Job für BWLer als für Philosophen, was für das Redaktionsteam aber kein Problem darstellt. „Wir bleiben bei Cogito unserem Niveau absolut treu“, betont Sandra. Professioneller Auftritt und hochwertige Inhalte – ein solides Erfolgsrezept für eine spannende Zeitschrift.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Franziska Stadlmayer

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