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München vs. Hamburg – ein Vergleich

Ein Blick über den Weißwurst-Äquator

München – das bedeutet für mich als In-Bayern-Geborene einen Mix aus Heimatnähe und dem Tor zur großen weiten Welt. Hier vermischen sich Kulturen, beim Spazieren durch die Innenstadt ist Großstadtflair zu spüren und trotzdem wirkt München manchmal fast dörflich, wenn zum Beispiel ein ur-bayerischer Grantler in der U-Bahn vor sich hin schimpft oder man von hohen Gebäuden aus die Alpen sehen kann.

Vor ein paar Monaten ging es für mich einige Wochen lang für ein Praktikum nach Hamburg. Natürlich hatte ich etwas Respekt vor einer neuen Stadt, aber da ich durch München ja Großstadt-erprobt bin und sowieso nicht lange dort sein würde, machte ich mir nicht allzu viele Sorgen. Und so lernte ich direkt meine erste Lektion, denn:

Großstadt ist nicht gleich Großstadt.

In Hamburg angekommen fühlte ich mich erst einmal sehr verloren, die Stadt erschien mir viel größer und unübersichtlicher als München. Und auch wenn ich die Hansestadt mit der Zeit besser kennen und lieben lernte, gibt es doch einige Unterschiede, die mir mal in der einen, mal in der anderen Stadt besser gefallen:

Fischbrötchen vs. Leberkäs-Semmel

Klar, das Essen ist im hohen Norden definitiv anders als in Bayern, wobei in der ersten Woche meines Praktikums direkt „Bayerische Woche“ in der Kantine herrschte. Doch anstatt Heimatgefühle zu hegen, fand ich es eher interessant, wie die Gerichte in Hamburg zubereitet werden und fand dabei tatsächlich einige Unterschiede. Mit Fisch- bzw. Matjes-Brötchen konnte ich mich leider gar nicht anfreunden, die Fischfrikadelle schmeckte schon etwas besser – aber über die gute alte Leberkäs-Semmel geht dann doch nichts. Dafür sind die süßen Hamburger Franzbrötchen kaum zu toppen!

Der HVV und der MVV

Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber verglichen mit der HVV-App ist die MVG-App tatsächlich Gold wert, da Verbindungen wesentlich weniger umständlich gesucht und angezeigt werden. Außerdem berechnet die MVG die Umsteigezeiten realistisch. In Hamburg habe ich die Anschlussbahn oftmals verpasst, weil ich nur zwei Minuten zum Umsteigen hatte, allerdings mindestens fünf Minuten dafür brauchte. Ein dickes Plus für Hamburg gibt es aber trotzdem, denn: Die Busse fahren nahezu pünktlich, was in München seltenst der Fall ist!

Warum nicht mal Boot statt U-Bahn fahren? (c) Charlotte Horsch

Warum nicht mal Boot statt U-Bahn fahren? (c) Charlotte Horsch

Ottensen vs. Schwabing

Wie schon beschrieben, fühlte sich Hamburg für mich direkt viel größer an als München. Und das lag nicht nur daran, dass ich mich in einer fremden Stadt befand. Hamburg wirkte auf mich viel bunter und vielseitiger. Auf der einen Seite die wunderschönen Altbauten in Ottensen, auf der anderen Seite das Schanzenviertel mit unzähligen Graffiti, Punks und abgenutzten Ecken. Nicht zu vergessen sind natürlich die Reeperbahn, die Speicherstadt oder der Hafen, welcher eine raue und gleichzeitig faszinierende Ausstrahlung hat. Hamburg scheint über unzählige verschiedene Facetten zu verfügen. München wirkt auf mich im Vergleich dazu nahezu provinziell. Die unterschiedlichen Möglichkeiten, die Hamburg bietet, scheinen hier nur reduziert zu finden sein, obwohl wir auch hier einige schöne Stadtviertel oder Gebäude haben und die Isar im Sommer wesentlich einladender zum Baden ist als die Elbe oder die Alster.

Fischkopf vs. Grantler

Darüber, dass sich die Menschen voneinander unterscheiden könnten, habe ich mir tatsächlich keine Gedanken gemacht, schließlich gibt es in jeder Großstadt nette und nicht so nette Leute. Allerdings hatte ich mit den Hamburgern beinahe nur positive Erfahrungen. Egal, ob ich nach dem Weg fragte, mich mit Bedienungen in Cafés unterhielt oder während des Praktikums neue Bekanntschaften knüpfte, alle waren grundsätzlich sehr freundlich zu mir. Eine Situation imponierte mir besonders: Als ich während der Rush Hour in einem überfüllten Bus stand, eingequetscht zwischen Kinderwägen und anderen Fahrgästen, blieben diese stets gelassen und umgänglich. Wer aussteigen wollte, gab den Mitfahrenden freundlich Bescheid und jeder machte lächelnd Platz. In München drückt man sich in der selben Situation gerne mal wortlos und grantig zur Tür hindurch und hat ohnehin die Fähigkeit ein „Entschuldigung“ wie ein „Fick dich“ auszusprechen. Gleichzeitig überraschte mich an Hamburg, dass dort die Armut mancher Menschen viel sichtbarer ist als in München. Häufig wurde in U-Bahnen gebettelt und an einigen Straßenecken lungerten recht zwielichtige Personen herum. Klar, auch in München gibt es einige Obdachlose, jedoch erschien mir die Masse in Hamburg größer oder auch einfach sichtbarer.

Die Speicherstadt besticht mit einmaliger Schönheit (c) Charlotte Horsch

Die Speicherstadt besticht mit einmaliger Schönheit (c) Charlotte Horsch

Ein paar Wochen in einer fremden Stadt reichen natürlich bei weitem nicht aus, um sich ein umfassendes Bild zu machen. Doch gerade deshalb war ich überrascht, dass mir diese – natürlich rein subjektiven – Unterschiede so schnell ins Auge gefallen sind. Abschließend bleibt nur zu sagen: Hamburg ist eine wunderschöne, vielseitige und bunte Stadt, die es sich zu besuchen lohnt!

Charlotte Horsch

 

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