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fastfood macht lustig

„Best of Life“ – Das Improvisationstheater im Schlachthof

Neulich habe ich mich mit meiner Mutter und meiner Schwester im alten Schlachthof in München getroffen, um das Weihnachtsgeschenk für meine Mama, was meine Schwester und ich noch auf den letzten Drücker gekauft hatten, einzulösen: Tickets für eine Vorstellung des Improvisationstheaters fastfood. Ich war noch nie bei einer solchen Veranstaltung und dementsprechend gespannt auf die Darbietung. Um 20 Uhr sollte das Ganze losgehen, ab 18.30 Uhr war Einlass. Als ich um kurz nach 19 Uhr dort ankam, war das Wirtshaus schon rappelvoll – da hätte ich mich mal lieber früher auf die Socken gemacht. Aber ich hatte Glück und konnte noch drei freie Plätze an einem Tisch ergattern, ganz vorne an der Bühne, wenn nicht schon fast auf der Bühne. Na super, dachte ich mir, jetzt bin ich die Erste, die aus dem Publikum ins Rampenlicht geholt wird.

Beim Improtheater im Schlachthof darf jeder seinen Senf dazugeben, auch das Publikum.

Beim Improtheater im Schlachthof darf jeder seinen Senf dazugeben, auch das Publikum.

Das Publikum gibt vor

Da meine Mama und Schwester noch später dran waren als ich, bekamen wir unser Essen erst kurz vor Beginn der Vorstellung. So erhielten wir auch gleich die Aufmerksamkeit der drei Schauspieler des fastfood-Theaters München, die uns an diesem Abend unterhalten sollten. Auf der ziemlich kleinen Bühne befanden sich lediglich zwei Frauen und ein Mann, zwei Stühle als Requisite und ein junger Mann am Klavier, der das Ganze vertonte. Los ging’s mit einer kleinen ‚Erregungsrunde‘, bei der das Publikum natürlich gleich miteinbezogen wurde. Durch ein bisschen Spaß, Schultermassieren des Vordermanns und jeder-ruft-seinen-Namen-so-laut-er-kann waren wir alle gleich locker und eingestimmt auf den Abend. Das Einbeziehen des Publikums setzte sich während des ganzen Abends fort – die Ideen für die Stücke kamen immer von unserer Seite. Mal waren es Gegenstände, mal Landschaften, mal Hobbies, die die Zuschauer vorschlagen sollten. Die Geschichten, welche die drei Schauspieler dann daraus spontan sponnen, waren wirklich beeindruckend und haben mit Sicherheit jeden im Raum zum Lachen gebracht.

Kurschatten, Prokuristen und Fingerhüte

Die verschiedensten Themen wurden uns sowohl in dramatischen, lustigen als auch spannenden Situationen vorgeführt und die Fähigkeit der Schauspieler, von einer Sekunde auf die andere die Emotion, die Sprache und die Rolle zu wechseln, war wirklich unglaublich. Dazu kam der Klavierspieler, der ja auch nie genau wusste, wie die Schauspieler im nächsten Moment reagieren würden, es aber trotzdem schaffte, dem Ganzen immer die passende Vertonung zu verschaffen. Man hat auch gemerkt, wie vertraut die Schauspieler miteinander waren, wie gut sie aufeinander eingehen und sich die Situationen und Sätze wie abgesprochen zuspielen konnten. Und mehr Requisite war gar nicht nötig, denn genau wie die Stücke war auch der jeweilige Raum oder die Landschaft einfach improvisiert und doch durch das Talent der Drei für den Zuschauer gut vorstellbar.

Die drei Schauspieler vom fastfood theater München, Karin Krug, Markus Zett und Christl Sittenauer (v.r.n.l.) (c) Hilda Lobinger

Die drei Schauspieler vom fastfood theater München: Karin Krug, Markus Zett und Christl Sittenauer (v.r.n.l.) (c) Hilda Lobinger

Improvisationstheater zum Abschalten

Zugegeben, ich war anfangs schon etwas skeptisch und ab und zu hatte man auch das Gefühl, das Gesagte passt jetzt nicht so zusammen. Aber spätestens nach der Pause war ich vollkommen überzeugt und musste während den Stücken, wie auch alle anderen im Raum, lauthals lachen. Am Ende bekamen wir als Zugabe sogar noch eine kleine, natürlich auch improvisierte Gesangseinlage, bei der das Thema wieder vom Publikum bestimmt wurde. Und so wurden wir mit einem Gutenachtlied über Naseschnäuzen nach Hause geschickt. Ich kann es wirklich jedem empfehlen, mal eine Vorstellung des fastfood-Theaters im Schlachthof zu besuchen: Es trainiert die Lachmuskeln, die Schauspieler freuen sich über die Zuschauer und geben ihr Bestes, den Alltag für zwei, drei Stunden in den Hintergrund zu rücken.

Isabel Spoerl

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