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Er fragt – Sie fragt

Er fragt Sie – Styling

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. “Schnurzelburzel” und “Honigmäulchen” stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

„Worin liegt für euch der Sinn, euch für die Uni (nicht) zu stylen?“ 

Lieber Schnurzelburzel,

Ich beginne die Antwort auf diese schwierige, weit gefasste Frage mal mit einem simplen, hier etwas abgewandelten Sprichwort: „So wie du kommst gegangen, so willst du empfangen werden.“ Mit dem Äußeren drücken wir unsere Persönlichkeit aus und verschaffen unserem Umfeld einen ersten Eindruck von uns. Die Ungeschminkte mit Rucksack, zerschlissenen Chucks und Rastas wird andere Lebenseinstellungen und Freizeitaktivitäten pflegen als die tagtäglich Durchgestylte mit Designer-Handtasche, 12-cm-Heels und platinblonden Haaren. Unser Äußeres trägt entscheidend dazu bei, wie wir auf andere wirken und wem wir sympathisch sind. Mit unserem Erscheinungsbild legen wir damit sozusagen den Grundstein für das Finden eines uns zuträglichen sozialen Umfeldes, in dem wir unsere Persönlichkeit entfalten und uns wohlfühlen können.

Doch das Äußere trägt nicht nur dazu bei, wie wir auf andere wirken. Mit einer gut sitzenden Jeans, einem dazu passendem Oberteil und dezentem Make-Up ist man, finde ich, definitiv weniger dazu geneigt, im Hörsaal oder Seminarraum schlaff vor dem Laptop zu hängen und dabei mit den Händen im Gesicht herumzufuhrwerken. So wie du kommst gegangen, so willst du dich doch auch fühlen: In der Uni sorgt ein gepflegtes Äußeres für eine aufrechte Haltung und bildet die Voraussetzung für eine angenehme und produktive Arbeitsatmosphäre. Zuhause können dann Skinny-Jeans und schicke Boots ruhig gegen Jogginghose und Kuschelsocken getauscht werden, dann fühlt man sich im Umkehrschluss gleich entspannter und es fällt leichter, einfach mal abzuschalten. Sich daher morgens wenigstens ein bisschen zu stylen, um dann mit aufrechter Haltung und – manchmal mehr, manchmal weniger – motiviert und positiv gestimmt in die U-Bahn steigen zu können, gehört für mich eben einfach dazu.

Äußerlichkeiten sind also doch wichtig – doch wo bleiben jetzt die inneren Werte? Ist der Charakter denn nicht noch viel wichtiger?

„Du hast echt einen tollen Charakter“ – dieses gut gemeinte Kompliment kann durch das mitschwingende „aber“ leider schnell zur Beleidigung werden. Bedeutet einen tollen Charakter zu haben, sich bloß nicht zu schminken und ja nicht auf sein Äußeres zu achten? Und hat wer das doch tut gleich einen schlechten Charakter? Meiner Meinung nach passen „toll“ und „Charakter“ nicht zusammen. Denn Charaktereigenschaften sind erstens subjektiv und können damit niemals pauschal gut oder schlecht sein. Zweitens  ist der „Charakter“ ein abstrakter und weitgefasster Begriff: Er beinhaltet Denkweisen, Moralvorstellungen und Eigenschaften. Man kann ein tolles Lächeln, einen tollen Ehrgeiz oder auch ein tolle Geduld haben – aber keinen „tollen“ Charakter.

Nicht abzustreiten ist dennoch, dass man einer Person, die Wert auf Äußerlichkeiten legt, oft einmal die Eigenschaft nachsagt, unselbstständig und abhängig von der Meinung anderer zu sein. Doch lässt das gleich komplett auf einen unsicheren, abhängigen oder gar selbstsüchtigen Charakter schließen? Ist der Vergleich mit anderen nicht einfach nur menschlich? Er gehört zum Alltag, wir wollen dazugehören, wir wollen alle mindestens genauso gut sein wie die anderen, und hin und wieder auch einmal der oder die „Beste“. Der Konkurrenzkampf unter dem weiblichen Geschlecht, bei dem es eben unter anderem neben Äußerlichkeiten auch ums „menschliche Balzverhalten“ geht, bleibt da nicht aus.

Wie sieht es jedoch aus, wenn man gar nicht unter Beobachtung steht? Wenn ich dann das Nächstbeste aus dem Kleiderschrank angele, nur um angezogen zu sein, kann ich doch genauso gut irgendetwas essen, nur um satt zu werden, irgendwie meine Zeit totschlagen, nur um beschäftigt zu sein. Mit welchem Ziel? Irgendwann aus meinem Trott aufzuwachen, mich überspitzt  nach dem Sinn des Daseins zu fragen und zu keinem Ergebnis zu kommen? Das ist zugegeben etwas weit hergeholt… Zusammengefasst sollte die „Verpackung“ jedoch sowohl zum Inhalt als auch zum Kontext passen. Denn ein stimmiges Gesamtbild ist die Voraussetzung, um mit sich selbst zufrieden zu sein und das auch auszustrahlen – und Letzteres, lieber Schnurzelburzel, ist sicher in eurem Sinne, oder?

Liebe Grüße,

dein Honigmäulchen

 

 

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