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26.000 Kilometer zu Fuß

20-Jähriger läuft für den guten Zweck bis nach Jerusalem

Er sieht aus wie ein normaler Backpacker in Begleitung eines Hundes, doch sein Weg unterscheidet sich von dem eines einfachen Backpackers in Europa: Er läuft für die Aktion „Jeder Kilometer zählt“ der SOS-Kinderdörfer und möchte am Ende 26.000 Kilometer zu Fuß gegangen sein. Der Erlös von circa zwei Millionen Euro geht weltweit an die SOS Kinderdörfer.

Cristian ist 20 Jahre, kommt aus Köln und läuft seit drei Jahren 50 bis 70 Kilometer täglich in West- und Südeuropa. Über christliche Pilgerwege und -stätten will er nach Jerusalem. Zu Fuß. Das dauert. Und deshalb hat er auch noch mindestens zwei Jahre Pilgern vor sich.

Christian ist bereits zahlreiche, christliche Stationen in West- und Südeuropa abgelaufen.

Christian ist bereits zahlreiche, christliche Stationen in West- und Südeuropa abgelaufen, auch der Jakobsweg ist Teil seiner Route gewesen.

Hier in Perugia, Mittelitalien, läuft er mir über den Weg. In Köln ist er gestartet, hat Frankreich durchquert und ist weiter nach Spanien und Portugal. Das einzige Verkehrsmittel, das er auf seiner Reise nutzen wird, ist ein Schiff, um Syrien zu meiden, für das er kein Visum bekommen hat. Auf der Straße erzählt er von seinem Vorhaben.

Maximal fünf Minuten hast du Zeit, um den Leuten interessante Dinge über dich zu erzählen, damit sie weiter zu hören.

Mit den Leuten ins Gespräch zu kommen ist mittlerweile kein Problem mehr für ihn. Viele interessieren sich für seine Hündin Pina, die er in Frankreich gefunden und seitdem dabei hat. Vor allem wenn er sie nach einem langen Tag auf den Schultern trägt, ist sie ein guter Aufhänger. In weniger als zehn Minuten erzählt er so einiges, weist mehrmals auf seine Spendendose in einem Cafe hin und ist dann auch schon eine Ecke weiter. Er lebt von Spenden und Almosen, weshalb er mit so vielen Menschen wie möglich sprechen will, um sich das nächste Abendessen zu sichern.

Sein Italienisch ist mittlerweile recht flüssig, in den letzten drei Jahren hat er neben Französisch auch Spanisch und Portugiesisch gelernt. Mittlerweile spricht er sieben Sprachen und das ist noch längst nicht alles. Türkisch wird er auf seiner Reise noch lernen, eventuell auch noch Albanisch oder eine andere Sprache. In seinem Zielland Israel will er dann auch noch Hebräisch lernen.

Über sieben Sprachen und über fünf Jahre soziales Engagement – dieser CV kann sich sehen lassen

Cristian ist christlich, katholisch getauft, glaubt jedoch nicht an die Institution der Kirche. Seinem Großvater hat er versprochen, nach Jerusalem zu gehen, daher kam auch die Idee, für die Aktion „Jeder Kilometer zählt“ zu laufen. Sein Leben mit 17 Jahren völlig umzuschmeißen, um für einen guten Zweck zu wandern, ist beeindruckend. Die Kilometerzahl, die er noch vor sich hat, ist beängstigend, doch auch aufregend.

Sandra Will

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