Wir schreiben München – schreibt mit!

Raglans: „Wir nehmen uns selbst nicht zu ernst.“

Die Dubliner Indie-Band „Raglans“ im Interview

Fast wäre mein Interviewtermin mit den Jungs von „Raglans“ nicht mehr zustande gekommen. Schuld daran ist die bayerische Polizei, die den Van der Band auf dem Weg nach München geschlagene zwei Stunden lang von oben bis unten durchsuchte. Als ich zum vereinbarten Zeitpunkt an der Theaterfabrik ankam, in der die Raglans an diesem Abend als Support für Lifehouse spielen sollten, hatte deshalb der Soundcheck gerade erst angefangen. Letzten Endes ergab sich zwischen Soundcheck und Auftritt aber doch noch eine Gelegenheit, die vier Jungs backstage zu treffen.

„Raglans“ sind eine Dubliner Indie-Band bestehend aus Ste, Rhos, Conn und Dan. Für ihr gleichnamiges Debütalbum erhielten sie in Großbritannien und Irland bereits viel Anerkennung und sind mit ihrer Mischung aus hymnischen Refrains, punkig angehauchten Gitarren-Riffs und guter Laune auf dem besten Weg, auch in Deutschland ein größeres Publikum für sich zu gewinnen. Grund genug, die vier Iren genauer unter die Lupe zu nehmen.

Auch live wissen die "Raglans", zu überzeugen. (c) JR Photography Live

Auch live wissen die „Raglans“, zu überzeugen. (c) JR Photography Live

Was bedeutet der Name „The Raglans“ ?

Ste: Wir heißen eigentlich nur „Raglans“ ohne das „the“ … aber das ist okay, viele machen diesen Fehler. „Raglans“ kommt von einem irischen Gedicht namens „On Raglan Road“. Es ist eines meiner Lieblingsgedichte. Wir haben aber eigentlich nicht zu viel über den Namen nachgedacht, den Leuten gefällt er, also behielten wir ihn.

Wie lange spielt ihr schon als Band zusammen?

Rhos: Etwa vier Jahre, und etwa ein Jahr zusammen mit Dan.

Und woher kennt ihr euch?

Rhos: Conn und ich sind sehr alte Freunde, wir kennen uns seit wir 12, 13 Jahre alt sind. Ste habe ich auf einem Festival kennen gelernt und Dan kam etwa vor einem Jahr dazu. Wir sind beste Freunde!

Wie würdet ihr eure Musik jemandem beschreiben, der euch noch nicht kennt?

Ste: Ich würde sie als Partymusik bezeichnen. Musik, die man auf einer Party spielen oder singen würde. Ihr kommt zu unseren Auftritten, wollt schwitzen und eine gute Zeit haben, Songs aus voller Kehle singen … das wollen wir mit unserer Musik erreichen. Und natürlich wollen wir auch rocken!

Was inspiriert euch beim Songs schreiben?

Conn: Andere Songs, außerdem Orte und Leute, die wir treffen. Dinge, die wir erleben. Ste schreibt alle Texte, also kann er das vielleicht besser beantworten, aber das ist meine Interpretation.

Ste: Wir haben die neuen Songs auf dem Land in Irland geschrieben. Also haben wir viele ländliche Anspielungen. Generell handeln die Texte von den letzten zwei Jahren unseres Lebens – wir haben hart gearbeitet, aber hatten eine gute Zeit.

Habt ihr musikalische Einflüsse oder Idole?

Rhos: Wir alle haben verschiedene musikalische Einflüsse, verschiedene Bands. Aber es gibt nicht die eine Band, von der wir besessen sind, es sind eher einzelne Songs, die uns beeinflussen.

Conn: Wir alle mögen unterschiedliche Sachen, aber wir teilen auch viele musikalische Vorlieben. Es ist also viel Crossover. Es gibt vielleicht fünf Bands, die wir alle mögen. Und viele Bands, die z.B. ich nicht mag, aber Ste schon, und so weiter.

Ste: Aber wir glauben nicht daran, Menschen zu idolisieren. Weil sie auch nur Menschen sind.

Rhos: Außer Dan, sein Idol ist Joe Perry. Und Slash!

Cool!

Rhos: Joe Perry ist nicht cool. (lacht)

Heute seid ihr Support für Lifehouse. Ihr habt auch schon mit anderen bekannten Bands wie The Libertines oder The Fray gespielt. Mit welcher Band habt ihr am liebsten gespielt?

Ste: Wir haben auf der Reunion-Show der Libertines gespielt, das war super. Für mich persönlich waren sie eine große Band, als ich aufgewachsen bin. Ich plante damals sowieso, nach England zu fliegen und zu ihrem Auftritt zu gehen, also war es natürlich super, nichts für das Ticket bezahlen zu müssen. Und dort zu spielen, war noch besser.

Conn: Ich glaube, mit den Jungs von Lifehouse. Sie sind echt nett und immer für eine gute Zeit zu haben. Sie benehmen sich nicht wie eine große Band, sie sind einfach normale Typen. Auch die Crew … wir sind einfach viele Leute, die eine gute Zeit zusammen haben.

Raglans (v.l.n.r): Rhos, Ste, Conn und Dan

Raglans (v.l.n.r): Rhos, Ste, Conn und Dan (c) Raglans

Als ich in Dublin war, hatte ich das Gefühl, dass es dort eine wirklich lebendige Musikszene gibt. In fast jedem Pub wird Live-Musik gespielt. Wie hat euch das in eurer Musik beeinflusst?

Ste: In Irland ist es Tradition, auf Festen oder Zusammenkünften zusammen Lieder zu singen und zu spielen. Man ist also von klein auf umgeben von Musik, egal wo man aufwächst. Das scheint ein irisches Ding zu sein. Das geht dann so weiter, und wenn man anfängt, in Pubs zu gehen, gibt es dort immer Live-Musik. Das erwarten die Iren aus ihrer Tradition heraus. Das kann manchmal super sein, manchmal ist es auch ein bisschen viel. Aber alles in allem ist die Musik natürlich sehr förderlich für unsere Kultur, und es hat uns definitiv geholfen.

Conn: Es gibt viele Bands in Dublin! Ich würde sagen, jeder in Dublin im Alter von 15 – 40 Jahren ist höchstwahrscheinlich in einer Band. (lacht)

Euer Video zu „Natives“ ist ziemlich verrückt. Wie seid ihr auf die Idee für das Video gekommen?

Rhos: Finn macht alle unsere Musikvideos, er ist ein guter Freund von uns. Größtenteils sind die Videos seine Geistesprodukte. Wir haben kleine Meetings, aber generell kommen die Ideen von ihm und er sagt uns, was zu tun ist, welche Kleidung wir tragen sollen, und so weiter. Aber wir haben kleine Inputs hier und da… Etwa der Teil im „Natives“-Video, in dem ich den Hund halte, erinnerst du dich daran? Das ist nur im Video, weil der Hund ins Bild lief und ich ihn spontan aufgehoben habe.

Ste: Ich glaube, wenn Finn uns seine Ideen vorschlägt, kann er sicher sein, dass er grenzenlosen Ideenreichtum zeigen kann, weil wir alles mitmachen. Mit anderen Bands, mit denen er gearbeitet hat, wäre es nicht möglich gewesen, ein Video wie „Natives“ zu drehen, weil die die ganzen creepy Sachen nicht mitmachen würden, die seltsamen Schnurbärte zum Beispiel. Aber wir nehmen uns nicht zu ernst. Ich denke, wenn Bands sich zu ernst nehmen, wirkt das nicht authentisch.

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Ist ein neues Album in Planung?

Rhos: Wir schreiben zurzeit die Songs für unser zweites Album. Wir haben schon ein paar neue, die wir auf dieser Tour spielen. Wenn wir mit der Tour fertig sind, werden wir ein paar mehr schreiben, und dann werden wir es hoffentlich bald aufnehmen.

Ste: Außerdem planen wir eine eigene Headliner-Tour in Deutschland im Dezember. Also, bleibt dran!

Die „Raglans“ spielen im Dezember vier Deutschland-Shows:

5.12.15 – Hamburg, 7.12.15 – Köln, 8.12.15 – Berlin, 10.12.15 – Frankfurt

Katja Reinhardt

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.