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Liebe geht durchs Netz

Wo Liebe ist, ist auch Veränderung

Das Zeitalter von Tinder, ElitePartner, Facebook und Co. beschwört das Ende der Liebe hervor. Die Romantik ist tot, totgeschwiegen, totgeschrieben. Zumindest ist das in den Köpfen vieler verankert, insbesondere in denen der Generation der Schreibmaschinen, der Füllfederhalter, der Liebesbriefe. Vorbei sind die Zeiten, in denen dem Schwarm aus dem Haus gegenüber jahrelang schöne Augen gemacht wurden, bevor sich das erste „Grüß Gott“ aus seinem Mund entlocken ließ. Vorbei sind die Zeiten, in denen der Radius potentieller Partner innerhalb des eigenen Dorfes oder gar der eigenen Straße lag. Vorbei sind die Zeiten, in denen romantische Liebesbriefe an die Urlaubsbekanntschaft geschrieben wurden, die diese nach tagelanger Sehnsucht endlich auch lesen konnte.

Dagegen lässt sich prinzipiell nichts sagen. Zeiten ändern sich und im Normalfall ist das auch gar nichts Schlechtes. Skepsis liegt aber wohl im Wesen des Menschen und bei jeder Art Veränderung macht sich diese bemerkbar – fundiertes Nachdenken wird dabei zunächst nebensächlich. Doch im Nachhinein wird den meisten bewusst, dass jede Veränderung auch ihr gutes hat – zwar nicht allen, aber den meisten. Veränderung bedeutet nicht immer nur Angst vor der Ungewissheit, sondern auch Lust auf etwas Neues, Neugierde, Nervenkitzel. Und sind nicht genau das auch die Dinge, die wir an der Romantik, an der Leidenschaft so lieben?

Löst sich Online-Liebe in der Realität zu schnell in Luft auf?

Löst sich Online-Liebe in der Realität zu schnell in Luft auf?, (c) Christina Bacher

Schnelle Liebe im Online-Zeitalter

Heutzutage gilt es, Dinge so schnell wie möglich zu erledigen. Für unnötiges Warten bleibt daher keine Geduld und vor allem auch keine Zeit. So erscheint die schnelle Liebe im Online-Zeitalter eigentlich perfekt. Und nur weil die Liebe im Netz schnell beginnen kann, heißt es doch nicht, dass sie auch schnell wieder endet, oder? Wenn der potentielle Partner auf Tinder gesichtet wurde, genügt der Daumen, der schnell übers Display wischt. Und heißt es dann noch „It’s a match“, steht einem Treffen quasi nichts mehr im Weg. Doch nicht nur das Kennenlernen ist in der heutigen Zeit wesentlich einfacher und schneller, sondern auch die Kommunikation im weiteren Verlauf einer Beziehung. Egal ob der andere auf der letzten Party, auf Tinder oder im Supermarkt gesichtet wurde, ein paar Klicks auf Facebook und der passende Name erscheint auf dem Desktop, eine Nachricht wird geschrieben und im besten Fall schon bald die Nummer ausgetauscht, damit das Spiel auf WhatsApp fortgeführt werden kann. Online sind wir dabei immer, ob wir wollen oder nicht und manchmal ist es ein Vorteil, manchmal aber eben auch nicht. Oftmals geht online nämlich auch der ein oder andere gute Fang durchs Netz hindurch, wird einfach weggeklickt und verpasst die Chance, real zu werden. Doch leider entspricht die Online-Welt nicht immer der Realität. Sitzt einer der eigentlich so perfekten Kandidaten nach wochenlangem Schreiben dann endlich gegenüber, ist die Enttäuschung oftmals groß. Zudem gibt es nicht selten wahre Online-Poeten, die im echten Leben, nur Unsinn von sich geben können. Klar – digitale Kommunikation in Sachen Liebesdingen kann intim, echt und auch sehr romantisch sein, oder eben doch nicht.

Besser langsam und richtig als schnell und falsch

Folgt man in Sachen Liebesgrundsatz dem Online-Riesen Google, ist schnell immer besser als langsam, denn Zeit ist bekanntlich wertvoll. Doch sollte man sich im Umkehrschluss für so etwas wertvolles wie die Liebe nicht Zeit nehmen? Leidenschaft entsteht bekanntlicht schnell, genauso wie der erste Online-Kontakt. Doch Fakt ist, dass echte Liebe ohne Zeit überhaupt keine Chance hat, real zu werden. Auch wenn das Herantasten und Flirten meist im Netz stattfindet, ohne ein Treffen im echten Leben kommt die Liebe eben doch nicht aus. Spätestens dann ist klar, ob es wirklich funktionieren kann oder nicht. Klappt es nicht, liegt ein weiterer Beweis dafür vor, dass eben auch im Netz hin und wieder ein Fisch hängen bleibt, der nicht das Potential zum Traumprinzen hat. Ob davor romantische Briefe oder WhatsApp-Nachrichten ausgetauscht wurden, spielt dann auch keine Rolle mehr. Funktioniert es doch, kann der Grund, aus dem es zu dem Treffen kam, eigentlich egal sein. Und ganz vielleicht macht die schnelle Online-Kommunikation es auch leichter, sich dem anderen ganz langsam im echten Leben zu öffnen. Weiß dieser schon, dass man das neue Profilbild mag, ist das erste schüchterne Lächeln nur noch einen kleinen Schritt entfernt. Und macht es denn wirklich so einen großen Unterschied, ob man minutenlang gedankenverloren auf das Handy-Display starrt, bis man das große rote Herz endlich abschickt oder ob man die gleiche Zeit vor dem Briefkasten des anderen verbringt?

Es gibt kein Geheimrezept für die Liebe und daran ändert auch Tinder oder Facebook nichts. Auch im 21. Jahrhundert wird die Liebe nicht zur Leichtigkeit. Und wo sie sich letztendlich findet – ob nur einen Klick entfernt oder doch eine Haustüre – ist im Endeffekt auch egal, solange man der Liebe trotz schnelllebigem Online-Zeitalter auch die Möglichkeit gibt, ins echte Leben zu gelangen – und vielleicht auch zu bleiben.

Christina Bacher

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