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Jugend rettet

Ein Schiff, zwei Crews, 12 Jugendliche & eine Mission:
Menschenleben retten

In der Nacht vom 18. auf dem 19. April 2015 ertranken ungefähr 800 Menschen im Mittelmeer. Sie alle waren auf dem Weg von Libyen nach Italien – auf der Flucht vor dem Krieg in der Heimat.  Die Nachrichten heutzutage sind voll von Berichten über Unglücke und Rettungsaktionen – aber vor allem über ertrunkene Männer, Frauen und Kinder. Wer diese Bilder sieht, fühlt sich oft machtlos – was können wir denn schon tun, um diese Ereignisse zu verhindern? Diese Frage stellte sich im April auch Jakob Schoen (19) aus Berlin – und deshalb wird er nächstes Jahr gemeinsam mit seinem Team für sechs Monate aufs Mittelmeer fahren, um Menschen in Seenot zu retten.

„Wenn wir die Menschen nicht retten, brauchen wir gar nicht darüber zu diskutieren, wer sie aufnehmen soll.“ – Jakob Schoen

Jakob Schoen ist Gründer und 1. Vorsitzender von Jugend rettet (c) Jugend rettet

Jakob Schoen ist Gründer und 1. Vorsitzender von Jugend rettet (c) Jugend rettet

Ja, ihr habt richtig gehört: Bei diesem Projekt geht es nicht um Klamottenspenden auf dem Flohmarkt oder darum, eine bestimmte Meinung in der Flüchtlingskrise zu vertreten. Jakob und sein Team werden selbst aufs Mittelmeer rausfahren, die gefährliche Übergangsroute immer und immer wieder entlang fahren und Flüchtlingen eine sichere Überfahrt nach Italien ermöglichen.

Wie viel Arbeit, Organisation und vor allem psychische Stärke hinter so einem Vorhaben steckt, kann sich wohl kaum einer von seiner Couch daheim aus vorstellen. Jakob hat sein Abitur in der Tasche und wollte eigentlich dieses Jahr mit dem Studium anfangen – doch aus einer Idee ist schnell ein Vollzeit-Job geworden. Vom mittlerweile eingerichteten Büro in Berlin sind er, seine Mitgründerin Lena Waldhoff und die weiteren Mitglieder seines Teams in ganz Deutschland unterwegs, um Jugend rettet vorzustellen. Dazu haben sie bereits Botschafter in 14 deutschen Städten engagiert, die das selbstverwaltete Projekt vor Ort vertreten – und zu Spenden aufrufen. Denn natürlich bekommt man ein Schiff inklusive Besatzung nicht umsonst – insgesamt benötigt das Projekt ca. 270.000 Euro. Eine riesige, aber dennoch nicht unerreichbare Summe – allein in der ersten Spendenwoche sammelte Jugend rettet bereits 6.500 Euro fürs Schiffskonto.

Das Schiff wurde eigenhändig von den Gründern ausgesucht. (c) Jugend rettet

Das Schiff wurde eigenhändig von den Gründern ausgesucht. (c) Jugend rettet

Das Schiff selbst, ein holländischer Fischtrawler, steht momentan in Holland und wartet auf seinen Einsatz. Dieser soll im Juni 2016 losgehen und insgesamt sechs volle Monate dauern. Besetzt wird das Boot von zwei Crews, die sich alle drei Wochen abwechseln – mit dabei natürlich Jakob und sein Team selbst. Dazu muss man wissen: Ungefähr 33 Prozent aller Soldaten, die auf dem Mittelmeer im Einsatz waren, leiden nach ihrer Rückkehr an posttraumatischen Störungen.

„Wir versuchen, uns vorzubereiten – das wird psychisch definitiv nicht einfach.“

Das Schiff: ein holländischer Fischtrawler (c) Jugend rettet

Das Schiff: ein holländischer Fischtrawler (c) Jugend rettet

Mit an Bord befinden sich auch zwei Ärzte – denn die Menschen auf den viel zu kleinen Schlauchbooten sind dehydriert, erschöpft und oft verletzt. Im Winter wird dann die Kälte zu einem ganz neuen Problem werden. Die Mission ist also definitiv nicht ungefährlich: Was sagen die Eltern der beiden Gründer dazu, dass ihre Sprösslinge sich an ein derartiges Projekt heranwagen? Familie Schoen sagt „Mach mal!“ – Familie Waldhoff dagegen ist etwas kritischer: „Meine Mama hatte Angst, dass das, was wir machen, illegal sein könnte.“, erzählt Lena. Doch das Gesetz ist ganz auf der Seite des mutigen Projekts. Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1982 legt fest:

“Jeder Staat verpflichtet den Kapitän eines seine Flagge führenden Schiffes, […]  jeder Person, die auf See in Lebensgefahr angetroffen wird, Hilfe zu leisten.“

Das Kernteam: Valentin, Sahra, Alex, Lena, Jakob und Sonja. (c) Jugend rettet

Das Kernteam: Valentin, Sahra, Alex, Lena, Jakob und Sonja. (c) Jugend rettet

Bis zum Ablegen im Juni ist noch viel zu tun: Das Schiff muss gekauft und nach Deutschland überführt, ausgestattet und umgebaut werden, das Geld dafür und die Rettungsmission an sich muss zusammen kommen und vor allem: Die Welt muss von Jugend rettet erfahren. Wer spenden und mithelfen möchte, kann das auf der Website oder Facebook tun – und kann vor allem von der Couch aufstehen und Freunden und Familien davon erzählen. Denn egal wie ohnmächtig wir uns manchmal fühlen – durch Projekte wie Jugend rettet und auch die Kiron University hat unsere Generation die Chance, etwas zu verändern.

Viktoria Lack

5 Kommentare

  1. Finde Euch supertoll! Macht weiter so und vielen Erfolg! Habe soeben 50,00 gespendet für Euer Vorhaben.

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    • Hallo, ich bin ein sehr hilfsbereiter Mensch, allerdings nicht bei Menschen, die sich selbst und wissentlich in eine lebensbedrohliche Lage gebracht haben, und das beginnt auch schon bei Lybien, die Lage dort dürfte sich längst herumgesprochen haben. Und die angegebenen Fluchtgründe, besonders bei Afrikanern, lassen sich auch nicht überprüfen. Die wirtschaftliche Lage ist kein Asylgrund. Und wie von der ehemaligen DDR bekannt ist, führt gerade die Flucht der Menschen zum weiteren Niedergang eines Landes. Desshalb wäre es viel sinnvoller (auch billiger für alle), den Ländern in Afrika unter die Arme zu greifen, ich kenne solche Menschen und bewundere sie.
      Eigentlich ist es auch Erpressung, weil sich die Menschen wissentlich in Gefahr begeben und sie dann gerettet werden müssen. Auch die weitere Versorgung ist eine Erpressung, denn Zurückbringen ist nicht möglich, und versorgt man sie nicht, werden sie zwangsläufig kriminell oder gar Terroristen wegen der Perspektivlosigkeit.
      Ich habe große Schwierigkeiten damit, Mitgefühl für Menschen zu haben, von denen ich mich erpresst fühle. Da eine Rettung und gute Versorgung zu nur noch mehr Flüchtlingen führt, sollte man die Menschen zwar retten, sie dann aber in gut geführten und gut ausgerüsteten Lagern gut versorgen, um sie später wieder in ihre Heimatländer zurückzubringen. Wenn sie in Europa unterkommen, wird das nur als weitere Enladung für weitere Flüchtlinge wirken. Das wissen auch die italienischen Behörden, und Italien ist als ein sehr menschenfreundliches Land bekannt. Aber für alles gibt es irgendwo und irgendwann eine Grenze. Es ist Ihnen sicher auch bekannt, daß sich Menschen, die sich selbst eingeladen haben, eher unbeliebt machen.

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  2. Habe soeben 50,m00 für Euren Plan gespendet und wünsche Euch viel Erfolg! Finde euch supertoll!

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    • Und Gedanken darüber, dass jeder fremde Mensch der in unser total übersiedeltes und überschuldetes Ländchen geschaufelt wird, ungeheure Folgekosten verursacht (für die der Steurzahler aufkommen muss), machen sich die Traumtänzer keinen Augenblick Gedanken ? Die Dreistigkeit, der deutschen Stammbevölkerung diese Lasten aufzubürden, kommen die naiven Leutchen auch nicht. Guntram

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  3. Hallo, auch ich finde Euch supertoll und möchte Euch helfen.
    Ich bin vermögend, habe aber leider keine Kinder.Ich werde
    eine grössere Summe an Euch überweisen.Die gleiche Summe
    kommt dann jeses Jahr auf Euer Konto. Ich benötige aller-
    dings eine abzugsfähige Quittung, setzen Sie sich bitte mit mir
    in Verbindung.Gruss Thomas Groh

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