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Er fragt – Sie fragt

Sie fragt Ihn – Vertrauen

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. “Schnurzelburzel” und “Honigmäulchen” stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

„Vertrauen ist gut – aber ist Kontrolle wirklich besser?“

Liebstes Honigmäulchen!

Heutzutage ist es schon erschreckend leicht geworden, seinen Partner zu kontrollieren. Schon mit zwei Touchscreen-Berührungen ist man in der tiefsten Privatsphäre eines Menschen angekommen. Aber liebes Honigmäulchen, wie fändest Du das, wenn Dein Freund kontrolliert, was in Deinen Mails und SMS steht? Wenn er kontrolliert, mit wem Du chattest und mit wem Du wann telefoniert hast? Fehlt doch nur noch, dass er auch kontrollieren kann, wo Du Dich in seiner Abwesenheit herumtreibst. Ist das nicht eine unangenehme Vorstellung? Ich möchte nicht rund um die Uhr auf Schritt und Tritt beobachtet werden. Allerspätestens hier geht für mich Kontrolle in der Beziehung zu weit!

„Nehmen Sie ruhig meine Daten, Herr Minister“

Es gibt Menschen, die scheinen für Kontrolle aber einen ganz anderen Maßstab zu haben. Bundesjustizminister Heiko Maas ist ein ideales Beispiel für einen Mensch mit anderem „Maasstab“. Der hat nämlich mit seinem Ministerium einen neuen Gesetzesentwurf vorgelegt, der das Speichern von Vorratsdaten erlauben soll. Klingt erstmal so, als würde einen das nichts angehen. „Aaaach, ich habe nichts zu verbergen… Nehmen Sie ruhig meine Daten, Herr Minister!“ Aber letztlich heißt das nichts anderes, als dass Heiko Maas und Konsorten zukünftig ganz genau wissen wollen, mit wem Du wann telefonierst, simst, chattest und mailst. Hinzu kommt noch, dass er, die Polizei, Dein Provider und die Geheimdienstler genau wissen, wo Du gerade bist, wann Du Dich Woche für Woche auf dem Heimweg befindest und ob Du gerade die Arbeit, die Vorlesung oder den Unterricht schwänzt.

Was ich privat mit meinem Handy mache, bleibt auch privat

Kontrolle in diesem Ausmaß ist definitiv zwanghaft und ein Grund, um Schluss zu machen – sei es mit dem Bundesjustizminister oder der Freundin. Zum einen gilt: Was ich privat mit meinem Handy mache, das bleibt auch privat. Keiner hat das Recht in meinen Chats, Online-Accounts und Telefonlisten herumzuschnüffeln, wenn ich das nicht will. Und schon gar nicht zu kontrollieren, wo ich wann war. Das ist alles ein Teil meiner Privatsphäre.

Zum anderen geht es nicht darum, ob ich etwas zu verbergen habe. Es geht um fehlendes Vertrauen in mich als Freund oder eben als Bundesbürger. Es ist doch ein klarer Misstrauensbeweis, wenn meine Freundin mein Handy beispielsweise nach Chats mit anderen Mädchen durchforstet. Dabei ist doch Vertrauen das Gerüst einer funktionierenden Beziehung. Kontrolle – in diesem Kontext gleichzusetzen mit Misstrauen – reißt dieses Gerüst Stück für Stück ein, bis nichts mehr davon übrig ist.

„Vertrauen ist gut, Kontrolle der Anfang vom Ende“

Klar ist aber auch: Von nichts kommt nichts. Vertrauen muss sich im Laufe einer Beziehung entwickeln. Das klappt nur, wenn man aufrichtig, offen und ehrlich zueinander ist.  Wer Fragen umgeht, wenig mit dem Partner über sich und sein Leben spricht und sich nicht an Abmachungen und Versprechungen hält, muss sich nicht wundern, wenn ihm der Partner misstraut. Und Misstrauen in der Beziehung führt nur zu Streit, schlechtem Gewissen und Distanz.

Ist also Vertrauen gut und Kontrolle besser? Im Hinblick auf zwischenmenschliche Beziehungen sicher nicht. Passender wäre: „Vertrauen ist gut, Kontrolle der Anfang vom Ende“ – entweder der Anfang vom Ende der Beziehung oder eben der Anfang vom Ende der Amtszeit. In diesem Sinne: Liebe Mädels, lieber Heiko, lasst die Finger von unseren Handys.

In ewiger Treue,

Dein Schnurzelburzel

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