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Was soll nur aus uns werden?

 Oder: Warum vernünftige Entscheidungen nicht immer auch die richtigen sind

Es ist ein ganz normaler Dienstagmorgen und ich sitze mit einer Tasse Kaffee am Schreibtisch an meiner KW-Hausarbeit, die ich bald abgeben muss. Aber anstatt etwas Sinnvolles zu Papier zu bringen, lese ich lieber den Modulplan für das Pharmaziestudium durch. Pharmazie, ein Studiengang, den ich mir nach dem Abi mal halbernst überlegt und dann doch irgendwie wieder verworfen hatte. Ich frage mich, wie das jetzt – nach ziemlich genau einem Jahr Studium – wohl wäre, wenn ich mich damals wirklich für Pharmazie und nicht für Kommunikationswissenschaft entschieden hätte. Vernünftiger wäre es wohl gewesen – zumindest wenn man auf das allgemeine Klischee hört, dass sämtliche Geistes- und Sozialwissenschaftler sich später mal um die Taxigäste streiten dürfen.

Aber Moment, was genau ist denn nun dieses „vernünftig“?

„Mach was Vernünftiges“ trichtern uns unsere Eltern schon seit Jahren ein, damit „was Gescheites“ aus dir wird. Wer entscheidet denn aber nun was genau das ist? Ein Studium, bei dem man davon ausgehen kann, später mal einen guten – bzw. überhaupt einen – Job zu bekommen? Ganz schön schwere Entscheidung, bei tausenden verschiedenen Studiengängen den richtigen rauszusuchen. Oder sollte man überhaupt noch studieren? Handwerks- und andere Ausbildungsberufe suchen immerhin händeringend nach Auszubildenden. Da müsste man sich keine Sorgen machen, dass man sich jahrelang mit Prüfungen und Hausarbeiten abmüht, nur um dann vom Praktikum ins Volontariat und wieder zurück zu hüpfen, weil man mit einem B.A.-Abschluss heutzutage ja nirgends mehr einen Blumentopf gewinnt. Wer dann aber doch über das Gehalt eines Maurers hinaus oder unbedingt studieren will, dem sei wohl geraten sich irgendetwas Naturwissenschaftliches zu suchen – da bekommt man nach dem Studium ja schließlich sicher was, oder?!

Bei so vielen verschiedenen Möglichkeiten weiß man oft nicht, was das Richtige für einen ist

Bei so vielen verschiedenen Möglichkeiten weiß man oft nicht, was das Richtige für einen ist

Aber, mal ehrlich:

Nur weil man als Kind gerne Suppe aus Gras, Blumen und Vogelbeeren gekocht hat, gibt man noch lange keinen guten Pharmaziestudenten ab und jemand, der sich irgendwann einmal eine Seifenkiste zusammengezimmert hat, ist noch lange kein Maschinenbauer! Da ist es vielleicht doch schlauer mal darauf zu achten, ob man in der Schule zumindest ansatzweise etwas mit Mathe, Chemie und Co. anfangen konnte.

Und ist es nicht sowieso am vernünftigsten einfach das zu machen, was einem Spaß macht und sich nicht weiter um irgendwelche Statistiken und Klischees zu kümmern? Sich den Großteil seines Lebens mit irgendwas zu beschäftigen worauf man eigentlich gar keine Lust hat, klingt zumindest für mich ziemlich unvernünftig.

Also weiter geht’s mit der KW-Hausarbeit. Beim Taxifahren lernt man sicher interessante Leute kennen!

Laura Fehn

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