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Spieglein, Spieglein an der Wand…

Die Schönheitsideale der Welt

Schön ist relativ: In den 50er und 60er Jahre waren es Frauen wie Marilyn Monroe und Sophia Loren, die mit ihren weiblichen Kurven verzauberten und es geschafft haben, jeden Mann um den Verstand zu bringen. Heute sind es mehr die Size Zero Models, die auf Werbekampagnen und in Zeitschriften zu sehen sind. Dennoch ist Schönheit mehr als nur ein Trend, der kommt und geht. Beurteilt man jemanden als schön, stellt sich die Frage: Was heißt schön sein eigentlich? Attraktiv, bewundernswert? Ist Schönheit unvergänglich? Oder (die nervigste aller Aussagen) kommt wahre Schönheit tatsächlich von innen? Eindeutige Antworten gibt es nicht und wer meint, sich damit zu beschäftigen sei nur oberflächlich, täuscht sich. Es stecken oft tiefgründige Gründe dahinter, warum heutzutage so viele dem Schönheitswahn verfallen sind.

Marylin Monroe: bis heute eine Ikone.

Marylin Monroe: bis heute eine Ikone.

In den vergangenen Wochen des Hochsommers nutze wahrscheinlich ganz Deutschland jeden Sonnenstrahl um sich zu bräunen. Während man hier und in vielen weiteren europäischen Ländern versucht mit Bräunungscreme und Solarium selbst im Winter einen Teint à la 4 Wochen Karibikurlaub zu bekommen, gilt in Indien genau das Gegenteil. Indien ist wohl eines der Länder mit der breitesten Palette an Hautfarben: Von Schneeweiß bis Dunkelbraun ist alles vorhanden. Leider spiegelt sich das Kastensystem Indiens darin wieder. Ein heller Hautton ist zunehmend von der wohlhabenden Klasse vertreten, ein Dunklerer hingegen von der unteren und armen Klasse und wird somit als hässlich gesehen. Schon zu früheren Zeiten war dunkle Haut ein Zeichen dafür, dass man der Arbeiterklasse angehörte. Durch die Arbeit auf dem Feld war man ständig der Sonne ausgesetzt und die Haut bräunte sich somit. Besonders schwer haben es junge Mädchen, die unter dem Druck stehen möglichst schnell verheiratet zu werden. Aus diesem Grund gibt es in Indien und vielen anderen Ländern Asiens unzählige Beautyprodukte, die einen helleren und strahlenden Teint versprechen. Die Werbungen zeigen, dass einem mit heller Haut jegliche Möglichkeiten offen stehen und man, von Schauspielerin bis Sängerin, jeden Beruf erlangen kann. Entsprechende Qualifikationen spielen dabei anscheinend keine Rolle. Diese Botschaft ist nicht nur rassistisch und demütigend, die Cremes sind zudem sehr aggressiv und die Bleichmittel hinterlassen schwere Schäden auf der Haut. Den Wunsch nach hellerer Haut gehen nicht nur Asiaten nach, sondern auch viele Afro-Amerikaner. In Afro-Shops gibt es diverse Bleichcremes für die Haut und chemische Mittel für glattes Haar. Das alles mit dem Ziel, dem westlichen Schönheitsideal näher zu kommen. Während der Zeit der Sklaverei entschied ein hellerer bzw. dunklerer Hautton, ob man dem Schicksal als Haus- oder Feldsklave ausgeliefert wurde. Umso erschreckender, dass sich bis heute viele auf Grund ihrer sehr dunklen Hautfarbe nicht akzeptiert fühlen und glauben einem bestimmten Ideal entsprechen zu müssen. Selten sind es sehr dunkle Afro-Amerikaner, die im Fernsehen oder in Zeitschriften vertreten sind. Meistens sind es die helleren Typen mit westlichen Gesichtszügen. Auch bei Berühmtheiten wie Nicki Minaj gab es Gerüchte um eine Hautaufhellung.

Indische Braut mit heller Haut

Indische Braut mit heller Hait

Den Körper Mutter Natur überlassen? Niemals.

Der Schönheitswahn macht jedoch auch bei der weißen Bevölkerung in den USA kein Halt. Besonders in Los Angeles geht es um sehen und gesehen werden. Man weigert sich mit Händen und Füßen gegen das Älter- und Dickerwerden, sei es mit Botox, Schönheitsoperationen oder ein weiteres, neu entdecktes Zaubermittel. Dabei werden nicht nur kleine Markel korrigiert. Oftmals sind die Personen hinterher nicht wiederzuerkennen und fast schon entstellt. Dabei ist das Ziel nicht nur Perfektion, sondern ihrem Vorbild der Kindheit so nahe wie möglich zu kommen, der Barbie Puppe. Auch in Brasilien ist ein perfekter Körper wichtiger wie kaum sonst wo, denn zu Traumstränden gehören Traumkörper. In kaum einem anderen Land werden so viele Schönheitsoperationen durchgeführt wie in Brasilien. Als besonders schön gilt hier ein großer, runder Po, der am Strand und natürlich während des Karnevals stolz gezeigt wird. Den Frauen geht es dabei jedoch um mehr, als nur hübsch auszusehen. Ein perfekter Körper ist ein Statussymbol und zeigt, dass man das nötige Kleingeld für Kosmetika und Operationen hat. Während die Frauen in Brasilien kein Fettpölsterchen mehr übrig lassen, werden junge Frauen in Westafrika hingegen gezwungen, mehr Gewicht zu zulegen. In Mauretanien werden Mädchen im jungen Alter gemästet um so bessere Chancen auf eine Heirat zu haben. Dicke Frauen werden als gesund und reich gesehen und sind somit der Stolz der Familie.

So absurd und unterschiedlich die Schönheitsideale der Welt sind, liegt es an einem selbst, wie viel Bedeutung man ihnen zuschreibt. Es ist nun mal zu unterscheiden, ob man nur etwas Makeup auflegt oder sich versucht eine Maske aufzusetzten (im wahrsten Sinne des Wortes). Also warum einem Mainstream-Vorbild nacheifern, wenn man Individualität bewahren kann – denn „Schönheit reicht, um ins Auge zu fallen. Aber man benötigt Charakter, um im Gedächtnis zu bleiben.“

Aida Yohannes

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