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Sicher mit dem Radl durch die Stadt

So gelingt der unfallfreie Ritt auf dem Drahtesel

Sommer in der Radlhauptstadt: Im Laufe der letzten 10 Jahre hat sich der Radverkehr in München verdoppelt. 2010 wurde der bayerischen Hauptstadt sogar der Titel „Fahrradattraktivste Stadt“ verliehen. Doch auch bei dem beliebten Volkssport ist Vorsicht geboten. Denn eine Tour frei nach dem Motto „Rauf aufs Rad und nichts wie los“ kann schnell gefährlich werden! Ein Münchner Verkehrspolizist entlarvt versteckte Gefahrenquellen und beliebte Fehltritte.

Fahrradfahren

Auch Fahrradfahrer sind Teilnehmer im Straßenverkehr: Da ist Vorsicht geboten.

Beim Autofahren ist Radiohören erlaubt. Darf ich auch als Fahrradfahrer über Kopfhörer Musik hören?

Das Musikhören über Kopfhörer ist nicht verboten, das Gehör des Fahrzeugführers darf jedoch nicht durch Geräte beeinträchtigt werden. Dies ist im Regelfall bei Musikhören über Kopfhörer der Fall. Ein Verstoß wird mit einem Bußgeld von 10 € geahndet. Wird die Lautstärke jedoch auf ein Minimum reduziert, oder der Kopfhörer nur auf einer Seite getragen, kann Musikhören in Ausnahmefällen doch zulässig werden.

An machen Kreuzungen werden Signale für Fahrradfahrer angezeigt, meistens jedoch gibt es nur Ampeln für Fußgänger und Autofahrer.  An welchem Signal muss ich mich als Fahrradfahrer orientieren?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Baulich gibt es so viele Möglichkeiten, Radfahrer zu führen. Grundsätzlich gilt: Für Radfahrer zählt die Ampel für den Kraftfahrzeugverkehr. Manchmal ist es aber möglich, dass der Radfahrer nicht direkt neben der Straße geführt wird und er die „großen“ Lichtzeichenanlage gar nicht überquert. In diesem Fall zeigt die „kleine“ Lichtzeichenanlage, nämlich die für Fußgänger, Radfahrern ihr Signal.

Die Bußgelder sind vom Verstoß abhängig: Während die Fahrt über eine rote Fußgängerampel mit 60 € bestraft wird, kostet das Überqueren einer „großen“, roten Ampel schon 100 €.

„Geisterradler sind eine der Hauptunfallunrsachen im Fahrradverkehr“

Auf dem Fahrradweg ist viel weniger Verkehr, als auf der Straße. Da ist es doch bestimmt kein Problem, wenn ich ein kurzes Stück auf der Gegenspur zurücklege, oder?

Sogenannte Geisterradler sind eine der Hauptunfallursachen im Fahrradverkehr. Diese Gefahrenquelle wird konsequent beanstandet! Ist ein Radweg mit Verkehrszeichen als solcher gekennzeichnet, muss er auch benutzt werden. Sind keine Schilder angebracht, KANN er benutzt werden. In der Gegenrichtung darf er nur benutzt werden, wenn dies durch Beschilderung freigegeben ist. Geisterfahrer werden zur Kasse gebeten: Mit mindestens 20 €, aber abhängig vom Gefahrenpotential für andere Verkehrsteilnehmer, kann so eine Fahrt auf der Gegenfahrbahn schnell teuer werden.

Verkehr

Im Kampf gegen Autos und Roller haben Fahrradfahrer schlechte Karten. Deshalb gilt: Augen auf im Straßenverkehr.

Oh nein, es beginnt plötzlich zu regnen! Zum Glück habe ich einen Regenschirm dabei. Darf ich diesen beim Fahrradfahren verwenden?

Sind an beiden Lenkerseiten Bremsen angebracht, dürfte eine Hand theoretisch einen Regenschirm halten. Doch spätestens, wenn eine Fahrtrichtungsänderung angezeigt werden muss wird klar, muss auch die andere Hand vom Lenker genommen werden – und das ist ein klarer Verstoß gegen § 23 der StVO. Einem Regenschirm ist somit immer eine Regenjacke vorzuziehen.

Gleiches gilt übrigens fürs Handy: Da das Unfallrisiko durch die zusätzliche Ablenkung eines Telefongesprächs oder einer Nachricht erhöht ist, droht eine Strafe von 25 €.

Mein schlankes Fahrrad stört bestimmt niemanden, wenn ich es parke – oder doch?

Auch Fahrräder dürfen nur auf dafür vorgesehen Flächen geparkt werden. Bleibt noch ausreichen Platz für Fußgänger, wird ein Abstellen auf dem Gehweg jedoch meistens geduldet. Meist ist es nicht ein einzelnes Fahrrad, das für eine Behinderung sorgt – sondern die vielen anderen, die sich dann fröhlich dazu gesellen. Als Orientierung dient  der gesunde Menschenverstand: Das Fahrrad einfach nicht an Orten abstellen, an denen es andere Verkehrsteilnehmer behindern oder gefährden könnte.

Fahrrad_Parken

Grundsätzlich gibt es kein Parkverbot für Fahrräder – es darf jedoch andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden.

Ich bin ein sehr sicherer Fahrer, einen Helm brauche ich nicht.

Helmpflicht besteht im Straßenverkehr tatsächlich nicht. Zum Schutz der eigenen Gesundheit und des Lebens wird jedoch eindringlich empfohlen, einen Helm zu tragen. Die häufigsten Verletzungen bei Radfahren sind tatsächlich Kopfverletzungen, die oft tödlich ausgehen Untersuchungen zur Folge, hätte ein Großteil der verunglückten Radfahrer den Unfall mit einem Helm überlebt.

„Ein Großteil der verunglückten Radfahrer hätten den Unfall mit einem Helm überlebt.“

Oft fahre ich spontan nachts mit dem Fahrrad nach Hause. Wie praktisch, dass ich mein Licht einfach in die Handtasche stecken kann. Ist mein Fahrrad mit einem mobilen Licht für den Straßenverkehr gerüstet?

Bis zum Sommer 2013 war ein Dynamo Pflichtausrüstung an jedem Fahrrad. Heute genügt auch eine batteriebetriebene Beleuchtung. Entscheidend ist, dass das Fahrrad bei Dunkelheit eine vernünftige und vor allem funktionsfähige Beleuchtung aufweist. Konkret muss der Fahrer eine klare Sicht haben und von anderen Verkehrsteilnehmern gut gesehen werden.

Viele meiner Freunde haben kein Fahrrad. Dass wir schneller vorankommen, bringe ich sie oft auf dem Gepäckträger nach Hause. Was droht mir, wenn die Polizei uns dabei erwischt?

Dieser Verstoß belastet den Geldbeutel mit einem Bußgeld von 5 € am geringsten. Das Gefahrenpotential bleibt jedoch enorm: Bis hin zum Abtrennen von Extremitäten, die sich in den Speichen verfangen haben, sind bei derartigen Ausflügen schon zahlreiche schwere Unfälle passiert.

Johanna Böllmann

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