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Feiges Flirten

Mit so einer Anmache? Nein, danke!

Es ist mal wieder einer dieser Tage, an denen man sich gerade noch so vor die Tür traut. Das auserkorene Ziel: Nur mal schnell zum Gartencenter düsen. Der Garten schreit schon förmlich nach frischer Erde und auch den Anblick der hängenden, depressiven Blumen kann ich längst nicht mehr ertragen. Ich wage einen kurzen Blick in den Spiegel. Und genau da liegt auch das Problem. Ein müdes Gesicht blickt mir kraftlos entgegen. Der Stress der letzten Tage zeichnet sich deutlich darin ab. Schnell noch ein wenig Gesichtscreme auftragen, die herabhängenden Haare (selbst die wirken heute elanlos) werden kurzerhand mit einem Haargummi primitiv zurückgebunden. Schmuck oder gar Make-up schlage ich mir gleich aus dem Kopf. Mit dem Auto sind es wenige Minuten bis zum Gartencenter und wieder daheim angekommen, möchte ich direkt mit der schweißtreibenden Gartenarbeit beginnen. Und so greife ich auch gezielt nach einem bereits getragenen T-Shirt, dessen Duft schon fragwürdig aber noch im Bereich des Machbaren ist. Ein letzter Blick zeigt mir, dass meine Bemühungen nicht wirklich viel verändert haben. Dann muss es so eben gehen, denke ich und schnappe mir die Autoschlüssel.

Halt, ihr lieben Männer, so nicht!

Halt, ihr lieben Männer, so nicht!

Ein Pfeifen à la feinster Bauarbeiter-Manier

Welch ein Glück, im Gartencenter laufe ich tatsächlich keinem mir bekannten Gesicht über den Weg. Mit hängenden Schultern, einem kleinen runden Buckel und schlurfenden Schritten suche ich mir meinen Weg durch die vielen Regale und Angebotsecken, Hauptsache nicht auffallen. Mir fällt förmlich ein Stein vom Herzen, als ich mich mit dem vollen Einkaufswagen schnaufend durch die Ausgangstüre bewege. Draußen empfängt mich eine erbarmungslose Hitze. Mächtige 36 Grad strahlen mittlerweile vom Himmel. Mit klebenden Klamotten und einer hängenden Haarsträhne im Gesicht bringe ich meine letzten Kräfte auf und hebe den schweren Sack Blumenerde in den Kofferraum. Und genau in diesem Moment passiert es. Ein kleiner knallroter Transporter bleibt auf Höhe meines Autos stehen. Durch die halb heruntergedrehte Fensterscheibe taucht ein rundes, fast schon schwammiges Gesicht auf, ein lautes Pfeifen à la feinster Bauarbeiter-Manier ertönt und mit einem fetten Grinsen im Gesicht tritt der Fremde wieder auf das Gaspedal. Fassungslos lässt er mich mit der schweren Blumenerde in den Händen zurück.

Männer und die stille Jagd

Ich verstehe es nicht, werde es wohl nie verstehen. In dem wohl unsexiesten Outfit, in einer absolut erbarmungslosen Pose und am Ende meiner Kräfte pfeift mir ein wildfremder Kerl hinterher – warum nur? Was stimmt mit euch Männern nicht? Mal ganz im Ernst: Wenn wir Frauen stundenlang im Bad stehen, uns Dutzende Schichten Make-up ins Gesicht auftragen, den neuesten Lippenstift in exakten Zügen auf die Lippen malen und die Wimpern zum dritten Mal nachtuschen – ja dann können wir uns sicher sein, dass wir von euch nicht beachtet werden. Auch das engste Kleid, die höhsten Schuhe und der teuerste Schmuck kann daran nichts ändern. Natürlich schaut ihr uns hinterher, bewundert vielleicht sogar unser Äußeres, wenn wir denn euer Typ sind. Aber all das macht ihr im Stillen. Nur ganz selten traut sich einer eurer Spezies doch in den Vordergrund zu treten, Blickkontakt aufzunehmen und uns anzusprechen. Aber da ist ein Sechser im Lotto fast schon wahrscheinlicher. Stattdessen wartet ihr auf einen Moment unserer absoluten Verletzbarkeit.

„Nur wenn ihr euch stärker und mächtiger fühlt, dann ergreift ihr, liebe Männer, die Initiative“

Oder sehe ich das falsch? Aber warum nur, ist dann dies nicht die erste Situation gewesen, in der Frau feige angeflirtet wird? Wenn ich in Sportklamotten, natürlich mal wieder ungeschminkt und mit fettigen Haaren zum Joggen aus der Haustür trete, dann kann ich alles darauf verwetten, dass ich genau in dieser Zeit wieder irgendeinen Spruch, ein Zwinkern oder gar ein unglaublich einfallsreiches Pfeifen über mich ergehen lassen muss. Und so geht es nicht nur mir. Wie lange schon versucht das weibliche Geschlecht diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen? Wie viele Mädelsrunden sind dabei schon draufgegangen, wie viele Kaffees wurden getrunken, wie oft wurde bei der Frage ein Kopf geschüttelt? Zu oft.

Frauen wollen nun mal mehr

Wir Frauen freuen uns schon über Komplimente, aber bitte dann auch ernst gemeinte!

Wir Frauen freuen uns schon über Komplimente, aber bitte dann auch ernst gemeinte!

Dabei ist es doch ganz leicht. Natürlich mögen wir Frauen es, von euch Männern Komplimente zu bekommen, angelächelt zu werden und uns auf das Spiel eines harmlosen Flirts einzulassen. Nichts schöner als das.

„Flirten? Ja, aber dann bitte auch mit Niveau!“

Aus einem fahrenden Auto einen feigen Pfiff von der Seite zu bekommen, das kann ja wirklich nicht als echtes Kompliment aufgenommen werden. Ist es denn wirklich zu viel verlangt, wenn wir mehr wollen? Mehr Niveau, mehr Kreativität, mehr Leidenschaft? Nur dann können wir euch auch ernst nehmen. Oder wollt ihr das in Wahrheit gar nicht? Vielleicht ist euer Verhalten auch nur als ein reines Machtspiel zu verstehen, eine Dominanz, die ihr uns gegenüber beweisen wollt. Aber in dem Fall sollten wir Frauen vielleicht mal zurückpfeifen. Mal sehen, was dann passiert.

Andrea Hornsteiner

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