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Er fragt – Sie fragt

Er fragt sie – Gefühle

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. “Schnurzelburzel” und “Honigmäulchen” stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

„Dürfen wir Männer Gefühle zeigen oder sollen wir das sogar?“

Schnurzelburzel, ganz einfach: NATÜRLICH. Und weil du jetzt zweifelnd und ungläubig dieses Wort einfach überlesen hast, hier nochmal zum Mitschreiben: NATÜRLICH!

Einige, wenn nicht sogar die Mehrheit der Männer, ist, so bekomme ich es als Frau tagtäglich mit, wohl schon von klein auf damit beschäftigt, möglichst hart und cool zu wirken. Es scheint eine innere Notwendigkeit zu sein, jeden Tag aufs Neue beweisen zu müssen, dass ihr viel wegstecken könnt, dass ihr immer den Überblick behaltet, nüchtern und besonnen Probleme lösen könnt und – gaanz wichtig – bei rührenden Filmen oder  Situationen nicht Pipi in die Augen bekommt…Wenn ihr sowas überhaupt schaut. Ein Indianer kennt keinen Schmerz oder so ähnlich… Wohl auch keinen seelischen? Ja, dieser Satz klingt euch allen in den Ohren. Auf der anderen Seite ist die Verunsicherung evident, denn heutzutage scheinen viele Frauen danach zu schreien, ihr Mann möge doch bitte einfühlsamer, sensibler, liebevoller und ach, ganz einfach nicht so ein gefühlsmäßiger Eisblock sein. Und die Männer? Die sind rat- und sprachlos. Na, was nun? Es ist doch so:

„Männer und Frauen haben die gleichen Gefühle, man mag es kaum glauben!“

Wut, Trauer, Freude, Angst, Neugier, Zweifel, Überschwang, Panik, Ausgelassenheit und noch viele mehr. Alles da, alles gleich. Doch das, was sich unterscheidet, ist die Wahrnehmung dieser Gefühle. Genauso wie die Auslebung. Wenn eine Frau Angst hat, der Hagel könnte das Autodach zerbeulen, hat der Mann vielleicht schon Panik. Und wenn ein Mann sich freut, dass die Frau sich die schöne rote Unterwäsche gegönnt hat, in der sie so sexy aussieht, zweifelt die Frau, ob das rot nicht ihre blasse Haut betont. So ist das.

Spätestens seit dem Niedergang der ersten großen Liebe, in der der Mann – aus seiner Sicht – zum gefühlsmäßigen Dusel mutierte, der der Frau jeden Wunsch von den Augen abgelesen hat, sagte er sich wohl: Jetzt ist Schluss! War er wie gesagt, eh schon darauf trainiert, seine Gefühle im Laufe des Lebens „abzutrainieren“, sprich zu unterdrücken, ist dies die Krönung seiner Abhärtung. Es ist vollbracht!

„Halleluja, nie wieder Demütigung, Kontrollverlust oder seelischer Schmerz. An Indianer, I am!“

Aber, liebe Männer, dieser „gefühlsmäßige Dusel“, wie ihr ihn nennt, wart ihr nie. Überraschung! Vor allem dann nicht, wenn eure Gefühle echt waren. Was ist mit den wundervollen einfühlsamen Blicken empathischer Männer? Was, frage ich euch, ist mit den wunderbar ehrlichen Gefühlsbekenntnissen sensibler Männer, was mit der Zusammengehörigkeit beim Paar-Schluchzen während der Hund im Film zehn Jahre täglich auf sein Herrchen wartet, das nie wieder zu ihm zurück kommen wird, was… okay, ich schweife ab. Ich bin halt eine Frau. Ich darf das. Aber ihr auch! Und selbst, wenn ihr nicht Rotz und Wasser weint (das glaube ich kaum bei der erwähnten Filmszene, aber okay…), dann ist es auch gut. Wir merken es sowieso, wenn ihr es einfach nur fühlt. Und das macht euch noch liebenswerter, als ihr es in eurer Indianerkluft, immer bereit, uns vor Mammuts und bösen Alltagsmonstern zu beschützen,  Tag für Tag eh schon seid. Im Gegenzug gibt’s von uns dann einen besonders langen Schmatzer auf die Verwundung, egal welcher Art sie auch sein mag.

Dein Honigmäulchen

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