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Schnibbeln gegen Verschwendung

So werden Lebensmittel gerettet

Es ist ein ungewohnt kühler Abend im Juni, ein kalter Wind bläst durch die Stadt. Trotzdem haben sich viele junge Leute im Hof der Glockenbachwerkstatt versammelt, sitzen dicht gedrängt auf Bierbänken und zerkleinern sorgfältig Obst und Gemüse. Denn heute Abend wird in der Glockenbachwerkstatt eine Schnibbelparty veranstaltet, auf der Lebensmittel verarbeitet werden, die sonst in der Tonne landen würden.

Foodsharing München hat Unmengen an aussortiertem Obst und Gemüse gerettet, (c) rehab republic

Foodsharing München hat Unmengen an aussortiertem Obst und Gemüse gerettet, (c) rehab republic

Verschwenden statt verwenden

In Deutschland herrscht eine Wegwerfgesellschaft. Jährlich landen bundesweit circa 6,6 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Jeder einzelne von uns wirft durchschnittlich 53 Kilogramm Lebensmittel weg, anstatt diese zu essen. Obst und Gemüse machen dabei den größten Teil der vermeidbaren Abfälle aus. Gründe dafür gibt es viele: Wer beispielsweise nach Lust und Laune einkaufen geht, ohne dabei zu bedenken, was vielleicht noch im Kühlschrank vorhanden ist, kreiert selbst einen Überfluss in der Küche, wodurch der Überblick schnell verloren gehen kann. So werden Lebensmittel vergessen und landen nach dem Ablaufdatum in der Tonne. Ebenso verhält es sich mit gekochten Essensresten, welche zwar am nächsten Tag immer noch verspeist werden könnten, häufig jedoch ebenso weggeworfen werden. Auch in Supermärkten wird so einiges an Lebensmitteln verschwendet. Die Regale müssen bis zum Ladenschluss gut aufgefüllt sein, ein Überfluss entsteht. Viele der frischen Lebensmittel müssen nach einem Tag bereits entsorgt werden. Außerdem wird einiges an Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern, Kratzern oder anderen kleinen Beschädigungen von den Betreibern der Supermärkte aussortiert.

Schnibbeln gegen Vergeudung

Um gegen die Verschwendung vorzugehen und besonders, um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, wurde am 23. Juni im Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt in München eine sogenannte Schnibbelparty von den Organisationen rehab republic, Foodsharing München und ugly fruits auf die Beine gestellt. Diese sammelten bei kooperierenden Supermärkten aussortiertes Obst und Gemüse ein. Dabei kam eine beachtliche Menge zusammen und bei einigen der Erzeugnissen ist es kaum zu glauben, dass diese nicht zum Verkauf angeboten wurden. Ab 18 Uhr hieß es dann: An die Messer, fertig, los! Alle Teilnehmer wurden mit Schneidebrettern und Messern ausgestattet und zerkleinerten die Nahrungsmittel, woraus im Anschluss Unmengen an Ratatouille und Salat zubereitet wurde. Im Anschluss wurde gemütlich zusammen gesessen, gegessen und sich ausgetauscht. Auch für Musik wurde sowohl mit DJ, als auch mit Live-Musik gesorgt.

In entspannter Atmosphäre wird zunächst geschnibbelt, dann gegessen, (c) rehab republic

In entspannter Atmosphäre wird zunächst geschnibbelt, dann gegessen, (c) rehab republic

Gerade diese Vorgehensweise, statt mit der Holzhammer-Methode und erhobenem Zeigefinger mit Essen, Musik und guter Stimmung auf die Problematiken aufmerksam zu machen, hat positive Auswirkungen. In der lockeren Atmosphäre kann man sich über die Arbeiten der verschiedenen Organisationen informieren oder auch einfach das leckere Essen und die Musik genießen. In beiden Fällen bleibt die Thematik auf jeden Fall im Gedächtnis.

Wer neugierig geworden ist und auch mitschnibbeln will, der sollte sich schon einmal den 18. September vormerken. Im Rahmen der „Nacht der Umwelt“ wird an diesem Abend die nächste Schnibbelparty stattfinden.

Charlotte Horsch

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