Wir schreiben München – schreibt mit!

Amerika in der Sinnkrise

Ein Kommentar zum Anschlag in Charleston

Am Mittwoch, den 17. Juni, sind neun Menschen in einer Kirche in Charleston, South Carolina gestorben. In dieser Kirche befanden sich hauptsächlich dunkelhäutige Menschen. Diese neun Menschen mussten vermutlich sterben, weil ein weißer Mann mit einer Waffe auf sie geschossen hat. Trauriger Weise beschreiben diese drei Sätze gleich zwei der größten Probleme, die die amerikanische Gesellschaft hat.

Ein dunkelhäutiger Präsident bedeutet nicht gleich Toleranz im Land

Zum einen ist es die Rassenungleichheit. Besagte Kirche war oft ein wichtiger Ort in der Geschichte der Gleichberechtigung von schwarz und weiß in den USA. Trotz einer Geschichte, die von Rassendiskriminierung und einem Kampf nach Gleichberechtigung geprägt ist, der mittlerweile schon an die 200 Jahre dauert, schafft es Amerika nicht solche Probleme zu beseitigen. Wie kann es sein, dass das wohl mächtigste und in anderen Bereichen so fortschrittliche Land derartige Schwierigkeiten damit hat, die Tatsache anzuerkennen, dass die Hautfarbe nichts über den Wert eines Menschen aussagt? Wieso gibt es immer wieder Vorfälle, in denen sich manche Menschen anderen überlegen fühlen? Dies ist natürlich kein Problem, das sich ausschließlich auf die Vereinigten Staaten beschränkt, nur sollte man sich vielleicht von der Vorstellung verabschieden, dass ein Land mit einem dunkelhäutigen Präsidenten auch gleich ein tolerantes Land sein muss.

Das Waffenrecht in den USA begünstigt Anschläge wie den in Charleston

Das Waffenrecht in den USA begünstigt Anschläge wie den in Charleston

Eine fast lächerliche Ironie

Das andere Problem, das leider viel zu oft ohne zufriedenstellendes Ergebnis diskutiert werden muss, ist das Waffenrecht in Amerika. Für die Amerikaner steht es für das Recht auf Selbstverteidigung. Es ist sogar im Grundgesetz verankert. Dieses Gesetz besagt, dass jeder Amerikaner, der mindestens 18 Jahre alt ist, das Recht hat, sich eine Waffe zu kaufen. Ohne Waffenschein. Zur Erinnerung: Bier darf man in den USA erst ab 21 Jahren trinken. Ist das eine logische Schlussfolgerung? Wie kann man 18-Jährigen nicht zutrauen, ein Glas Bier zu trinken, aus Angst sie könnten sich und andere gefährden, ihnen aber dann im gleichen Atemzug eine Pistole in die Hand drücken? Wenn es nicht so traurige Folgen hätte, wäre diese Ironie fast zum Lachen. Präsident Barack Obama hat in seiner Pressekonferenz am Donnerstagmorgen genau diese beiden Themen angesprochen.

Obama Twitter

Obama bei seiner Pressekonferenz am Donnerstag Vormittag

„I have had to make statements like this too many times.“

Er sagte wörtlich: „I have had to make statements like these too many times. […] Once again, innocent people were killed in part because someone who wanted to inflict harm, had no trouble getting their hands on a gun. [..] This type of mass violence does not happen in other advanced countries. It doesn’t happen in these place with this kind of frequency.“ Der Präsident erkennt demnach also auch an, dass so viele Amokläufe und Massenmorde nicht von irgendwoher kommen können. In anderen fortschrittlichen Ländern passieren sie ja auch nicht in dieser Häufigkeit. Es bleibt bloß zu hoffen, dass dieser tragische Vorfall nun endlich eine ernsthafte landesweite Debatte anstößt, die nicht sofort im Keim von der amerikanischen Waffenlobby erstickt wird und zu wirklichen Veränderungen führen kann.

Jana Heigl

1 Kommentar

  1. Klasse Artikel! Absolut auf den Punkt gebracht – die Vereinigten Staaten sind zwar die größte Demokratie dieser Welt, gleichen aber häufig einen Lobby-getriebenem Absurdistan.

    Kommentar absenden

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.