Wir schreiben München – schreibt mit!

USA – Home of the brave

Ein Jahr als Au-pair in den USA

Das Abi in der Tasche und schon liegt einem die Welt zu Füßen. Denkt man zumindest. Für mich war das Abi der Startschuss für ein Jahr in Amerika – als Au-pair. Ein Jahr hautnah miterleben, wie sich das Leben in den USA so anfühlt. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten begann die Reise für mich im Januar nach New Jersey, das in „How I met your mother“ als ziemlich uncool beschrieben wird, aber eigentlich doch ganz cool ist. Und bevor ich schauen konnte, fand ich mich in einem sehr idyllischen und sehr reichen Vorort in New Jersey wieder, wo sich die Nachbarn kennen und die Polizei eigentlich eher mit Verkehrskontrollen als allem anderen beschäftigt ist. Vergleichbar mit der „Wisteria Lane“ in Desperate Housewives. Ohne das ganze Drama natürlich.

Typisch für New York: Sobald es schön ist, sind alle im Central Park, (c) Julia Kiemer

Typisch für New York: Sobald es schön ist, sind alle im Central Park, (c) Julia Kiemer

„I wish I could be your sister“

Gewohnt habe ich bei meiner Gastfamilie, bestehend aus den Eltern, den drei Mädls, 4, 6 und 10 Jahre alt, und dem Hund Ceili. Mit der Familie habe ich den Jackpot geknackt, es war für mich wie der Sechser im Lotto. Die Kids waren alle sehr aktiv, sei es beim Tanzen, Lacrosse, Schwimmen oder Piano, und damit haben wir perfekt zusammen gepasst. Ich bin genauso wie sie ständig auf dem Sprung und kann mich für alle möglichen Sportarten begeistern. Klar, aller Anfang ist schwer und die ersten Wochen im neuen Leben waren natürlich nicht immer ein Zuckerschlecken. Ein Zuckerschlecken ist es mit Kindern aber sowieso vermutlich nie. Und außerdem findet man bald heraus wie der Hase läuft – so hatte ich schnell die Herzen der Kinder erobert. Mit „I wish I could be your sister“ wurde ich offiziell zur vierten Tochter meiner Gastfamilie ernannt, die große Schwester meiner „Kleinen“.

Meine Gasteltern waren immer für mich da und haben mir geholfen, wenn es „gebrannt“ hat oder ich völlig verzweifelt auf dem Rückflug von Florida in Charlotte fest saß, weil mein Flug gecancelt wurde – ja, die lieben Amerikaner canceln gern mal Flüge aus Wetter- oder sonstigen – manchmal auch unnötigen Gründen. Von acht Inlandsflügen in meinem Jahr wurden drei gecancelt, also satte 40 Prozent meiner Flüge! Die Fluggesellschaften in Amerika sind genauso unzuverlässlich wie die Deutsche Bahn. Naja, ich habe es ja Gott sei Dank trotzdem überlebt und bin jetzt um einiges schlauer. Learned my lesson.

Ein Jahr als Au-pair in Amerika - ein Traum von vielen, (c) Julia Kiemer

Ein Jahr als Au-pair in Amerika – ein Traum von vielen, (c) Julia Kiemer

„The German Girls“

Ansonsten ist das Leben als Au-pair ziemlich cool. Da alle meine Kinder vormittags in der Schule waren, hatte ich Zeit, regelmäßig frühstücken zu gehen, wobei sich schnell herausstellte, dass Pancakes und French Toast zwar lecker sind, man sie aber auch bald auf den Hüften wiederfindet. So wurde das Diner gegen ein Fitnessstudio eingetauscht. Und mit den neuen Freunden, die ich über meine Agentur oder Freunde meiner Hostfamily kennengerlernt habe, hat das natürlich viel mehr Spaß gemacht. Ich glaube wir haben den Zumba-Kurs ganz schön aufgemischt und waren schnell als „The German Girls“ im Gym bekannt. Wenn die Motivation für Sport mal nicht so groß war, gab es glücklicherweise zwei riesige Malls in der Nähe um sich die Zeit zu vertreiben. Da wurde dann das Au-pair-Gehalt das ein oder andere Mal (zu viel) auf den Kopf gehauen, sodass der Donnerstag (der Tag, an dem ich jede Woche mein Geld bekam – 195 Dollar) immer sehnsüchtig erwartet wurde.

Aber bis jetzt habe ich noch gar nicht erwähnt, dass ich ein Jahr lang 40 Zugminuten von New York City entfernt wohnte. HA! Das ist der erste Grund, warum New Jersey doch nicht so blöd ist. „The city“, wie es die New Yorker nennen, ist unglaublich beeindruckend. Man kann es nur schwer beschreiben, aber diese Stadt ist verrückt, so voller verschiedener Leute aus aller Welt. Natürlich ist immer etwas los in „NY“ und langweilig ist es nie geworden, obwohl ich gestehen muss, dass man sich schon daran gewöhnt, New York vor der Haustür zu haben.

Die Aussicht vom Liberty State Park New Jersey auf die Skyline von Downtown NY, (c) Julia Kiemer

Die Aussicht vom Liberty State Park New Jersey auf die Skyline von Downtown NY, (c) Julia Kiemer

Mehr als nur ein Erlebnis

Im Endeffekt hatte ich ein wunderbares Jahr, das aber auch definitiv seine Höhen und Tiefen hatte. Aber es wäre auch nicht normal gewesen, wenn alles immer super gewesen wäre. Wie gesagt, mit Kindern wird das Leben nicht langweilig, man glaubt gar nicht, was für Einfälle die manchmal haben. Meine Hostfamily ist jetzt meine zweite Familie, und die Menschen, die ich kennengelernt habe, sind meine Freunde. Es ist unglaublich, was in einem Jahr alles passieren kann. Mein Leben hat sich um 360 Grad gedreht und verändert, ob ich manchmal wollte oder nicht. Aber eines ist sicher: Mein Jahr in den USA war eines der besten meines Lebens.

Julia Kiemer (Gastautorin)

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.